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9Dec/124

Weihnachtszeit – Plastikzeit !?

In der Vorweihnachtszeit muss ich mir die Frage, die ich als Titel für einen meiner letzten Beiträge gewählt habe (Sind wir Konsumioten?) besonders oft stellen.

Weihnachtskitsch in allen Farben, Größen, Formen und Materialmixturen lauert zur Zeit an allen Ecken. Gerade so als bräuchten wir tatsächlich noch eine Steigerung des ohnehin ganzjährig vorhandenen Überflusswahnsinns.

Das Material ist in dieser Ansammlung von nutzlosem, sinnentleerten Ramsch natürlich zweitrangig, Plastik kommt allerdings, schlicht und einfach, weil es so billig ist, in der Hitparade der Überflüssigkeiten besonders häufig zum Einsatz. Es gibt anscheinend NICHTS, womit sich in dieser Zeit des kollektiven Konsumrausches KEIN Geschäft machen lässt.

Meine Gegenstrategie, Einkaufsstraßen und -zentren (möglichst ganzjährig!) weitgehend zu meiden, lässt sich allerdings leider nicht immer 100%-ig umsetzen.

Manche Dinge braucht man auch in der Vorweihnachtszeit wirklich!

Uns holt jedenfalls regelmäßig um diese Zeit das Thema Winterschuhe ein und natürlich stellt sich dabei immer wieder nicht nur die Material sondern auch die Preisfrage. Für den Großteil unserer Familie hat sich das Thema heuer erfreulicherweise nach dem Erscheinen eines Artikels über unser Experiment in der Süddeutschen Zeitung erledigt. Die Schuhfirma Think war von unserer Idee so begeistert, das sie uns spontan 4 nahezu plastikfreie Testmodelle für den Winter zur Verfügung stellte. Die Schuhe werden aus hydrophobiertem Leder hergestellt, das auch unter extremen Bedingungen zumindest zwei Stunden lang wasserfest bleibt und dabei ohne jegliche Kunststoffmembran (Goretex...usw.) auskommt.

Erste „Testergebnisse“ sowie Tragegefühl und Ästhetik sind absolut überzeugend. Die Preisfrage hat in diesem Fall zwar ausnahmsweise einmal keine Rolle gespielt.

Allerdings gibt es auch finanziell gesehen und mittlerweile durchaus empirisch abgesicherte, eindrucksvolle Argumente, beim (Schuh)kauf lieber seltener, dafür aber gezielter etwas mehr Geld auszugeben. Das beste Beispiel dafür: Marlenes Winterstiefel aus Leder und Lammfell, die wir zu Beginn unseres Experiments um durchaus beachtliche 220 € bei GEA gekauft haben. Marlene hatte damals schon meine Schuhgröße. Nachdem sie die Stiefel nun zwei Winter lang getragen hat und herausgewachsen ist, passen sie mir nicht nur perfekt, sondern sehen – nach einer zugegebenermaßen gründlichen Putzaktion meinerseits – auch wieder aus wie neu! Somit komme ich heuer sogar in den Genuss von 2 Paar neuen Winterschuhen, was natürlich meinem Ruf als Schuhfetischistin wieder Auftrieb verleiht. Aber immerhin bin ich guter Dinge, dass ich beide Paare mindestens noch die nächsten 7 bis 8 Jahre tragen werde...

Allen, die den Verlockungen diverser vorweihnachtlicher (Plastik)ramschanbieter etwas entgegensetzen wollen, kann ich speziell für die Vorweihnachtszeit ein nettes, kleines Experiment ans Herz legen:

1.) Auf einen Zettel etwas aufschreiben, das man wirklich braucht oder zumindest unbedingt haben bzw. machen möchte (am besten mit Preis).

2.) Jedes mal, wenn man  beim Einkaufen in Versuchung gerät, irgendetwas zu kaufen, was man nicht vorher 100ig geplant hat, sofort den Betrag, den es kosten würde zur Seite legen und zu Hause in eine Spardose werfen.

3.) Sobald auf diese Art der entsprechende Betrag zusammengekommen ist, kann der zu Beginn aufgeschriebenen Wunsch umgesetzt werden.

Natürlich sind derlei „Luxusexperimente“ selbst in Österreich nicht für alle Menschen möglich, natürlich gibt es auch bei uns diejenigen, die sowieso schon jeden Cent 3mal umdrehen müssen oder überhaupt ganz andere Sorgen haben und sich eher darüber Gedanken machen müssen, ob das Monatsbudget noch für das Essen in der nächsten Woche reicht. Diese Menschen kommen ohnehin eher selten in die Verlegenheit, Geld für Unnötigkeiten auszugeben.

Aber zumindest diejenigen, die die Wahl haben (und das sind ja bei uns auch nicht so ganz wenige…) könnten wohl langsam mal anfangen, an den richtigen Ecken und Enden zu sparen…

Viel Spaß beim Ausprobieren!!

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Über Sandra

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Kommentare (4) Trackbacks (0)
  1. Die Idee finde ich klasse und werde sie mir merken und weitergeben. Danke! Ansonsten kann ich nur zustimmen. Zwar fällt es mir dieses Jahr nicht ganz so sehr auf, da ich wenig in der Stadt / in Geschäften unterwegs bin, aber an den vorweihnachtlichen Konsumwahnsinn kann ich mich dennoch gut erinnern. Ehrlich gesagt: Es geht mir arg auf den Keks…
    Danke für den tollen Blog. Ich lese hier immer gerne :)

    [Reply]

  2. Ich möchte einfach mal alle Menschen, die mit Existenzsicherung auskommen möchten, vom Experiment “anständig leben” ausnehmen. Diese Menschen haben einfach keine Wahl. Und es sei denen nachgesehen, wenn sie beim kik ein Plastikpüppchen-Sortiment erstehen, um ihrem Kind etwas auf den Gabentisch zu legen, womit dieses wenigstens ein bisschen bei den Mitschülern “angeben” kann. Denen sei auch nachgesehen, wenn beim Discounter die unter erbärmlichen Bedingungen aufgestopfte Gans gekauft wird und die Schokolade, für die afrikanische Kinder Sklavenarbeit leisten mussten.
    Aber zum Glück leben in Deutschland und auch in Österreich die meisten Leute mit einem ausreichenden, manchmal sogar sehr ordentlichen Einkommen. Und diese Leute sind es, die den Konsum beschränken müssen, die ihren Kindern auch Menschlichkeit beibringen müssen, damit sie nicht die ausgrenzen, die weniger oder schlechteres haben. Die Armen möchten nicht arm sein, sie orientieren sich “nach oben”, an dem, was besser Betuchte haben und sich erlauben können. Deshalb ist es so wichtig, dass diese Bessergestellten sich in Bescheidenheit üben und es für selbstverständlich halten, dass der Nikolaus halt “Äpfel, Nüss’ und Mandelkern” bringt und nicht den neuesten Nintendo. Sich selbst zu disziplinieren, obwohl man es sic leisten kann, ist eine schwere, aber sehr schöne Übung. Zum Glück lerne ich immer mehr Menschen kennen, die sich ein bisschen anstecken lassen von der “neuen bescheidenheit” oder sie selbst aus Überzeugung heraus leben. Ich bin derzeit in einem Mittelalter-Forum unterwegs, wo leute versuchen, Funde aus dem Mitelalter zu rekonstruieren und sich Kleidung, Schuhe, hausrat etc. mit alten Mitteln und Methoden herstellen. Der schönste Satz, den ich dor gelesen habe, war sinngemäß folgender: “Man kriegt ein ganz anderes Verhältnis zu seinen Jeans, wenn man sich einmal von Hand ein Leinenhemd genäht hat!”

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  3. Meine liebe Englisch-Lehrerin hat mir für heuer eine tolle Idee gebracht. Ich werde jeder Familie, die ich beschenke eine kleine Box zusammenstellen mit kleinen Dingen, die sich dann jeder nach Belieben nehmen kann. Z.B. für meine Schwieger-Eltern wird die Box in etwa so gefüllt sein: Buch, Schoko, Tee, harte Würstel, 1 Weihnachtskugel, DVD(oje Plastik) oder so. Genauso mach ich das dann für meine Eltern, meine Kinder usw…
    Damit kann ich endlich die blöden Geld- und Gutschein Geschenke ersetzen. Es wird zwar wertmäßig weniger sein aber ich finde die persönliche Note wiegt das in jedem Fall auf.
    Lg Sibylle

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  4. Diese Idee mir dem “Ramschgeld beiseite legen” wenn man der Versuchung widerstanden hat, Überflüssiges zu kaufen, ist wunderbar!
    Sie ist, weitergeführt, aber auch ein tolles Mittel, nicht in kredit-Schuldenfallen zu geraten.
    Wenn man auls etwas auf Abzahlung kaufen möchte (aus einem Katalog beispielweise), das nicht unbedingt nötig ist, dann spart man etliche Monate – knapp die Hälfte der Laufzeit – die entsprechenden Ratenbeträge an.
    Wenn man merkt, dass man schon da öfter mal ins Schleudern gerät, sollte sich hüten, etwas auf raten zu kaufen! Wenn es aber klappt und der Wunsch immer noch da ist, kann man entweder weitersparen – oder man kann jetzt eine Ratenzahlung eingehen: Die Hälfte des guten Stücks hat man ja schon zusammengespart!

    [Reply]


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