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11May/1413

Was die EU könnte – wenn wir wollten… (Teil1)

Wiedermal mit dem Zug Richtung Amsterdam....

Nachdem Peter und ich vor ein paar Jahren alleine in Amsterdam waren, sind wir in den Osterferien diesmal gemeinsam mit den Kindern dorthin aufgebrochen. Auf der Hinfahrt war eine Zwischenstation mit 3 Tagen Aufenthalt bei Freunden in Aachen eingeplant. Dorthin fuhren wir tagsüber und für die Zugfahrt, mussten wir 2 Mahlzeiten einplanen.

Da unsere Kinder nicht gerade kleine Esser sind, war die Lebensmittelmenge, die wir mit auf den Weg nahmen beträchtlich. Und weil Getränke im Zug (bis auf Bier und Wein seltsamerweise!!) fast ausschließlich in Plastikflaschen oder Dosen erhältlich sind, mussten wir auch unseren Wasserbedarf für einen Tag mit ins Gepäck nehmen.

Peter staunte nicht schlecht, als wir schließlich zu unserem ansonsten recht sparsamen Gepäck (jeder hatte nur einen relativ kleinen Rucksack) noch 3 große Stoffsackerln mit Essen und Getränken in den Zug schleppten: Wasser bzw. Tee in Edelstahl- und Glasflaschen, Brot in Stoffbeuteln, Käse, Butter, Aufstriche und ein wenig aufgeschnittenes Gemüse in Edelstahldosen und Dank einer großen Edelstahldose mit Dichtungsring, hatten wir sogar die restlichen Spaghetti mit Tomatensauce vom Vortag dabei.

..und auch diesmal fast ohne Müll

Klingt für manche vielleicht ein wenig aufwendig, hatte für uns aber zwei entscheidende Vorteile: Erstens ersparten wir uns im doppelten Wortsinn die Fertiggerichte im Zugspeisewaagen und zweitens fiel auf der gesamten Reise bis auf 2 Papiersackerl kein Müll an. Eine kleine Ausnahme gab es lediglich als, die Kinder, während Peter und ich im Zugrestaurant (schon in der „Deutschen Bahn“) einen Kaffe tranken, Limonade bestellten: Diese kam natürlich in der Plastikflasche, allerdings fiel uns allen sofort auf, dass diese „dicker“ als die bei uns üblichen war. Bei genauerem Hinsehen stellte sich heraus, dass es sich um eine Pfandflasche handelte. In Österreich ist die Einführung von Pfand auf Plastikflaschen hingegen noch immer kein Thema !!

Aber was hat das mit der EU zu tun?DSCN2409

Angesichts der nahenden Europaparlamentswahlen drängte sich mir in diesem Zusammenhang eine Frage auf: Nachdem es der EU gelungen ist, „krumme“ Gurken und Glühbirnen zu verbieten und sogar über ein Verbot nachfüllbarer Glasflaschen für Olivenöl ernsthaft nachgedacht wurde, warum werden sinnvolle Maßnahmen wie ein flächendeckender Pfand auf Plastikflaschen nicht einmal ernsthaft diskutiert, geschweige denn umgesetzt?

Ob es wohl damit zusammenhängt, dass es durch die Einführung eines Flaschenpfandes kaum einen kurzfristigen finanziellen Nutzen zu lukrieren gäbe? Der Nutzen für die Allgemeinheit wäre zwar groß (weniger Müll, weniger Umweltverschmutzung, weniger Ressourcenverbrauch, bessere Recyclingmöglichkeiten,….) doch die Erzeuger von Kunststoffen würden bei einem funktionierenden Pfandsystem wohl ein bisschen weniger verdienen.

Solche Vorstellungen rufen in gewissen Kreisen aller reflexartige Panikzustände hervor: Gewinneinbußen, Arbeitsplatzabbau, Regression,…das sind unter anderem die Horrorszenarien, die unser „Misswirtschaftssystem“ aufrechterhalten. Wir müssen bis zum Umfallen konsumieren, verschwenden und wegwerfen, damit „die Wirtschaft“ etwas zu tun hat. Wirtschaft als Selbstzweck – koste es, was es wolle!

Für mich ist es immer wieder völlig rätselhaft, dass die große Mehrzahl der politischen und wirtschaftlichen Eliten quer durch Europa (und eigentlich wohl weltweit) dieses von Grund auf kranke System nach wie vor weiter vertritt und so tut, als gäbe es keine Alternativen.

Am schlimmsten daran ist allerdings, dass die Profiteure einer angeblich so „freien Marktwirtschaft“ dann auch noch bei jeder Gelegenheit auf teils sehr subtile Art und Weise subventioniert und von jeglicher Verantwortung für den gesellschaftlichen und ökologischen (und damit natürlich auch finanziellen) Schaden den sie anrichten befreit werden. Man denke nur an das zurzeit ebenfalls viel diskutierte Freihandelsabkommen (TTIP).

Kostenwahrheit ist nach wie vor kein Thema für unseren „freien Markt“ – ansonsten könnte man mit der Produktion von Wegwerfplastikflaschen wohl schon längst kein Geld mehr verdienen. „Frei“ steht in diesem Zusammenhang wohl hauptsächlich für: frei von Verantwortung!

Und damit wären wir wieder bei meinem Ansatz:

Es darf sich einfach nicht mehr lohnen auf Kosten der Allgemeinheit Schaden anzurichten. Die „Wirtschaft“, die „Politik“, alle, die an den Hebeln der Macht sitzen, müssen wieder lernen, im Dienste des Gemeinwohls zu agieren und nicht für die kurzfristige, Gewinnmaximierung von ganz wenigen. Wir alle können ihnen dabei helfen, indem wir in erster Linie einmal sinnvolles (bedürfnisorientiertes, nachhaltiges, gesundes) Wirtschaften von „Misswirtschaft“ („bedürfniserzeugender“, ausbeuterischer, kurzsichtiger, nicht zukunftstauglicher, verschwenderischer) unterscheiden und uns dann ganz bewusst entscheiden! Was Kaufentscheidungen anbelangt, bedeutet das oft schlicht und einfach: NICHT Kaufen!!

Und letztendlich gibt es zum Glück (wenn auch von vielen mit Verdrossenheit betrachtet) bei uns immer noch die Möglichkeit, politisch mit zu entscheiden.

Ich halte beides für wichtig: den Beginn einer „Revolution von unten“ und die Stärkung politischer Kräfte, die sich am ehesten für einen Systemwandel und die Begrenzung der bestehenden Geld - Machtstrukturen einsetzt.

Nicht zuletzt deshalb kandidiere ich auch bei der EU Wahl am 25.5. wieder für die Grünen (Platz 26 auf der Grünen Liste!!) - und freue mich natürlich über jede Vorzugsstimme!

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Kommentare (13) Trackbacks (0)
  1. grüß sie frau krautwaschl,
    habe vor einiger zeit ihr buch gelesen. es hat mich veranlasst auch das buch “unsere tägliche dosis gift” zu lesen.
    seit dem versuche ich so gut als möglich plastikfrei zu leben. was meine ernährung betrifft bin ich schon seit längerem vegetarier und beziehe meine lebensmittel aus dem bioladen.
    da ich gelesen habe das sie auch mitglied beiden grünen sind, wollte ich fragen was diese gegen den von ihnen erwähnten, anfallenden müll auf den straßen zu unternehmen gedenken. ein pfandsystem, welches sie erwähnten, das auch schon in deutschland auf dosen und plastkflaschen existiert, würde die umwelt mehr entlasten und für weniger müll auf den straßen sorgen. was doch noch weggeworfen wird, würden menschen die am rande der existenz leben, mitnehmen und zu geld machen.
    was meint ihre partei zu diesem thema ?
    mit freudlichen grüßen
    johann heinzl

    [Reply]

  2. grüß sie frau krautwaschl,

    habe vergessen sie zu fragen wo ich den im oberen artikel genannte artikel “große edelstahldose mit dichtungsringi”, erwerben kann.

    herzlichen dank
    johann heinzl

    [Reply]

  3. In Deutschland wird Pfand nicht in Abhängigkeit von der Verpackung, sondern in Abhängigkeit vom Inhalt erhoben. Deshalb ist auch auf Plastikflaschen (sowohl auf Einweg- als auch auf Mehrweg-Flaschen!) und Getränkedosen ein Pfand. :)

    [Reply]

    Mechthild (Nähe Emsland) Reply:

    Ja, auf Einweg- und auf Mehrweg-Plastikflaschen gibt es in Deutschland Pfand.
    Leider glauben viele, weil sie auch auf Einwegflaschen Pfand zahlen, wären diese Flaschen den Glasmehrwegflaschen gleichzustellen.
    Dem ist aber nicht so!

    Ja, ob Pfand bezahlt werden muß oder nicht, hängt vom Inhalt ab. So sind Fruchtsäfte und Tee in Einweg-PET-Flaschen pfandfrei, sprudelnde Getränke pfandpflichtig. Warum stellt man nicht auf konsequente Pfandpflicht für alle PET-Flaschen und Getränkedosen um, unabhängig vom Inhalt?

    Leider können viele das Zeichen für Einwegpfand nicht so recht von dem für Mehrwegpfand unterscheiden.
    Dabei ist es doch eigentlich nicht so schwer …

    Pfand auf Getränkedosen?
    Das wäre mir neu.
    Aber ich trinke auch sowieso nichts aus Dosen (und esse auch nichts daraus), habe also keine persönliche Bezahlerfahrungen damit.

    Hier, in der Nähe zu den Niederlanden, die auf Getränkedosen kein Pfand erheben, werden so einige lieber dort die Getränkedosen kaufen.
    Andererseits kommen viele Niederländer nach Deutschland, um hier günstig Lebensmittel einzukaufen und teilweise auch Benzin zu tanken.

    [Reply]

    Mechthild (Nähe Emsland) Reply:

    Ergänzung: Ich kandidiere auch bei der Europawahl – allerdings nicht für die Grünen, weil die mir hier in Deutschland nicht konsequent genug sind, sondern für die ÖDP, die Ökologisch-Demokratischen Partei.

    [Reply]

  4. Hallo Mechthild, schau doch mal hier http://www.vz-nrw.de/einweg Ein bisschen runterscrollen, dann sieht man groß das Logo für die Pfandrücknahme, das neben einer Flasche auch eine stilisierte Dose erkennen lässt. Wir holen aber Getränke auch nur in Mehrweg-Glasflaschen.

    [Reply]

  5. Am 27.5. lief bei arte ein interessanter Bericht über Allergien und Umweltchemikalien.

    Dabei kam auch ein Herr von REACH zu Wort, der meinte, er könne nicht dafür sorgen, daß die Kunststoffarten der Gegenstände angegeben werden, weil ja viele Leute gar nicht an der genauen Angabe des Materials interessiert seien….
    Oh Mann…!

    Über die dortige Mediathek ist er noch mindestens 7 Tage nach der Sendung zu sehen.

    Hier der Link: http://future.arte.tv/de/allergien

    [Reply]

  6. Das gefällt mir ich habe erstmals gün gewählt wegen dem Freihandelsabkommen mit den USA,was ja die ÖVP unterstützen will leider habe ich nict auf die Vorzugstimmen geachtet L.G. Annemarie Sommersguter

    [Reply]

  7. Hallo,

    ja, es wird sowohl auf Einweg- als auch auf Mehrwegplastikflaschen Pfand erhoben. Mittlerweile kann ich aber nur noch einen Nutzen feststellen: Die Flaschen liegen nicht mehr auf der Straße. Das Müllvolumen ging hoch statt runter. Und mal ehrlich, wie sollte das Pfand steuern? Ich bezahle beim Kauf der Flasche 0,25 Euro mehr und bekomme diese bei Rückgabe zurück. Das ergibt 0,00 Euro in meiner Geldbörse. Ob die Flasche mehrfach genutzt oder im Automaten kaputt gemacht wird, ist zweitrangig. Plastik ist es so oder so.
    Und die Einwegflaschen gehen nach China, werden dort zu Fleece verarbeitet und kommen als solches zu uns zurück. Dann tragen wir die Chemikalien zum Teil direkt auf der Haut.
    Nein, leider ist das Pfand keine Lösung. Auch kein Schritt in die richtige Richtung. Zumindest nicht so, wie es in Deutschland geregelt ist.

    [Reply]

    Anke - Köln Reply:

    http://www.youtube.com/watch?v=E_BQulESFIU
    schon aus 2012 und bis heute bestimmt nicht besser geworden

    http://www.youtube.com/watch?v=4m7aA1GpXP4
    was machen alte PET im deutschen Bundestag?

    http://www.youtube.com/watch?v=zyF9MxlcItw
    zwar auf Englisch, aber dennoch zu verstehen – ca 5 min

    [Reply]

  8. Ich laß Plastikmüll im Diskonter konsequent zurück. Sollen die Konzerne für den verursachten Müll aufkommen. Ich fülle alles und laß nach der Kasse den Plastikmüll oder auch Hochglazzeuge wie bedruckte Kartonschachteln usw. zurück.

    Was ich mich aber gerade frage, als ich das symapathische Foto im Beitrag sehe?: Die neongrüne Kleidung? Das ist umweltfreundlich? Nicht aus Synthetik?

    [Reply]

  9. Aber die plastikverpackten Produkte lassen sich dann ja scheinbar gut verkaufen und haben ihren Abnehmer gefunden.

    [Reply]

    painteddog Reply:

    Da muss ich dir beipflichten!!! Genau deswegen habe ich vor einigen Jahren beschlossen derartige Geschäfte gar nicht mehr zu betreten. Für uns gibt es nur noch Eigenanbau, Bauernläden, Ab-Hof-Verkauf, Märkte und vorwiegend Bioläden. Und es geht bestens!

    [Reply]


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