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8Aug/103

Urlaubsplanung

Die Planung unseres heurigen Sommerurlaubs erfordert in mancher Hinsicht etwas mehr Denkarbeit als bisher.

Wie an anderer Stelle schon ausführlich beschrieben, war ja schon unser letzter Kroatienurlaub fast so etwas wie eine Vorahnung von „Plastic Planet“. In Kroatien war damals gerade ein Pfandsystem für Plastikflaschen eingeführt worden – wohl eine Art „Notfallsmaßnahme“, denn von Plastikmüll überflutete Strände und Küstenstreifen machen in einer der beliebtesten Sommerurlaubsdestinationen Europas eben doch keinen besonders attraktiven Eindruck.

Da wir uns über die gesundheitlichen Beeinträchtigungen durch Plastik damals mangels entsprechender Informationen noch keine Gedanken gemacht hatten, waren wir mit zwei 5-Liter Plastikkanistern sowie einigen 1,5 – Liter Plastikflaschen gefüllt mit heimischem Leitungswasser angereist. Ausschlaggebend dafür waren allerdings eher praktische bzw. wirtschaftliche Überlegungen, als der Gedanke an Müllvermeidung gewesen. Warum Wasser im Supermarkt kaufen, wenn das eigene Leitungswasser in bester Qualität zur Verfügung steht das noch dazu weitaus günstiger ist?

Als unsere österreichischen Wasservorräte schließlich aufgebraucht waren, entdeckten wir in kroatischen Supermärkten große 5-Liter Plastikflaschen mit Wasser. Zwei von diesen Flaschen habe ich am Ende des Urlaubs sogar nach Österreich importiert, um beim nächsten Urlaub noch auf zusätzliche Wasserbehälter zurückgreifen zu können.

Mittlerweile stehen diese Flaschen allerdings gemeinsam mit unseren Plastikkanistern und all den anderen aussortierten Plastikartikeln in unserem leerstehenden Stallgebäude. Der Gedanke, unser Trinkwasser in diese Plastikbehälter zu füllen, widerstrebt mir inzwischen sehr. Da wir bis jetzt aber noch keine Metallkanister in transportabler Größe gefunden haben und ich es mir überhaupt recht schwierig vorstelle, die gesamte Trinkwassermenge für unsere 5-köpfige Familie für ca. 10 Tage in unserem PKW zu transportieren, ist mir bei meinen Überlegungen schließlich wieder eingefallen, dass unser kroatischer Quartiergeber uns im Vorjahr erklärt hat, man könne das kroatische Leitungswasser mittlerweile bedenkenlos trinken. Peter hat das angeblich eh schon immer gewusst und auch früher schon kroatisches Leitungswasser getrunken. Und auch meine diesbezüglichen Selbstversuche, zeigten keinerlei negative Auswirkungen. Dennoch hat es sich bei uns im letzten Jahr noch nicht wirklich durchgesetzt, dass wir alle einfach das kroatische Leitungswasser getrunken hätten. Es stellt sich die Frage, warum die Wasserqualität in „südlichen“ Ländern überhaupt so problematisch zu sein scheint. Ob das vielleicht mit dem immensen Wasserverbrauch durch den immer stärker werdenden Massentourismus zusammenhängt? Sind wir also am Ende selbst die Wurzel des Problems? Müssen wir jetzt auch noch anfangen, unser „Urlaubsverhalten“ zu überdenken?

In diesem Zusammenhang fällt mir eine Szene aus einem anderen österreichischen Dokumentarfilm ein: In „We feed the world“ mokiert sich der Nestle Chef  Peter Brabeck über die „extreme Position gewisser NGOs, die ein Recht auf Trinkwasser für alle Menschen fordern“, um im selben Atemzug unmissverständlich den Standpunkt des Konzerns darzustellen: Wasser als Lebensmittel, das nun mal einen gewissen Marktwert hat! Damals hat mich daran vor allem erbost, dass eine der elementarsten Lebensgrundlagen aufgrund von blanker Profitgier zum Spekulationsobjekt degradiert werden soll. Heute erscheint mir die Szene allerdings noch um einiges absurder: das Lebensmittel Wasser in Plastik abgefüllt für diejenigen, die es sich leisten können. Ein Luxusgut also und dennoch belastet mit einem für  Laien nicht näher definierbaren, chemischen Cocktail, der sich unweigerlich aus der ach so hygienischen Plastikverpackung löst. Die Verschmutzung von Wasser macht also nicht Halt vor unserem westlichen Massenkonsumalltag, sie hat nur eine andere Gestalt angenommen, ist subtiler geworden, nicht so offensichtlich und zugegebenermaßen nicht so akut gesundheits- oder gar lebensbedrohend wie dort, wo Menschen tatsächlich noch aus braunen, übelriechenden Tümpeln ihr „Trinkwasser“ schöpfen müssen. Mir drängt sich der Vergleich  mit der „sauberen“ Atomenergie auf , an die viele offenbar auch nur deshalb noch immer glauben, weil man ihre Auswirkungen, nicht sofort sehen, hören oder riechen kann.

Viele von uns sind jedenfalls bereit, den Marktpreis für „sauberes“ Wasser in Plastikflaschen zu bezahlen. Ein eindrucksvolles Beispiel dafür erlebte ich, als ich auf dem Weg in den Urlaub (quasi während des Schreibens dieser Zeilen) an der Kassa einer Raststation einen Mann beobachtete, der maximal 0,3 Liter Evian-Wasser in einer Plastikflasche um sage und schreibe 2,70 € erstand. Das muss man sich wirklich erst einmal leisten können. Umgerechnet auf unseren Familienbedarf für den geplanten Kroatienurlaub wären das ca. 890 €, bei einem täglichen Bedarf von maximal 2 Litern pro Person!

Peter Brabeck hätte seine Freude daran.

Natürlich ist das ein extremes Beispiel, denn kaum jemand würde wohl auf die Idee kommen 100 Liter Wasser in 0,3 Liter Fläschchen zu kaufen, dennoch scheint es mir typisch für eine Art Vogel Strauß Politik im Umgang mit unseren Ressourcen. Denn selbst wenn man Peter Brabeck für einen sympathischen Kerl und seine Motive für uneigennützig und menschenfreundlich hält, kommt man bei genauerer Betrachtung nicht daran vorbei, dass es weder für die Qualität noch für die Preisentwicklung unserer Wasservorräte förderlich sein kann, wenn wir durch unser Konsumgewohnheiten eine Industrie unterstützen, die selbst direkt oder indirekt an der Verschmutzung und Schadstoffbelastung und damit eben auch an Verknappung von einwandfreiem Trinkwasser beteiligt ist. Auf diese Art und Weise besteht wohl eher die Gefahr, dass wir uns früher oder später auch in unseren Breiten fragen müssen, woher wir das Wasser nehmen sollen, das wir in unsere hygienischen Plastikflaschen füllen können.

„Einfach Cola, Fanta oder Sprite trinken“, wie es mir ein Kind in der 2.Klasse Volksschule einmal bei einer Diskussion vorgeschlagen hat, wird dann wohl auch nicht das Mittel der Wahl sein...

Nun ja, all diese Überlegungen haben mich bei der Lösung unseres Wasserproblems für den geplanten Kroatienurlaub nicht wirklich weitergebracht. Zum Glück fahren wir jetzt ja erst mal nach Kärnten. Da sollte es mit dem Trinkwasser kein Problem geben, (zumindest solange man es nicht auf Slowenisch bestellt...)

Alle LeserInnen von „Kein Heim für Plastik“ bitte ich um Verständnis dafür, dass ich in den kommenden 4 bis 6 Wochen wegen der geplanten Urlaube voraussichtlich keine neue Geschichten erzählen werde. Danach gibt es allerdings sicher Einiges zu berichten, unter anderem hoffentlich die Lösung für unser Wasserproblem.

Inzwischen wünsche ich allen, die ihn noch vor sich haben, einen schönen und erholsamen Urlaub und freue mich schon auf viele Vorschläge, Tipps und Erfahrungen zum Thema „Plastikfreier Urlaubseinkauf“

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Über Sandra

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Kommentare (3) Trackbacks (0)
  1. Wie ist es mit einem mobilen Wasserfilter? Oder eine Variante in Form von Wasser-Desinfektion (MMS)? So würde der Transport von größeren Wassermengen gelöst werden und man hätte überall (gefiltertes bzw. gereinigtes) Wasser…

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  2. Hallo, falls man doch mal wo hinfährt, wo man sein Wasser selber mitnehmen will eignen sich die guten, alten, schönen Glas-Weinflaschen mit Korbboden auch Weinballons genannt! Die gibt es in sehr großen Größen, was den Transport natürlich nicht unbedingt leichter macht. Gewicht -, Gesundheit +!
    Falls die jemand nicht kennt: Fotos davon findet man im Internet wenn man “Weinballon” eingibt. LG Uli

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  3. An Alle!

    Vorerst einmal vielen Dank für die vielen tollen Tipps und Anregungen, die sich während meines Urlaubs auf dem Blog “angesammelt” haben. Ich bin seit heute wieder zurück (vorerst für 2 Wochen) und werde mich sehr bemühen auf die einzelnen Beiträge noch genau einzugehen!
    Lg Sandra

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