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30Sep/106

Urlaub am Meer (Teil 2)

Urlaub am Meer

Die Insel Vis wurde erst nach Ende der Tito –Ära für Touristen zugängig gemacht – das war bei unserem letzten Besuch vor 15 Jahren noch sehr deutlich spürbar. Aber auch jetzt ist die kleine Insel noch kein Ort des Massentourismus. Es gibt ein einziges kleine Hotel direkt in der Stadt Vis und sonst nur private Apartments oder Zimmer. Deren Anzahl ist zwar in den letzten 15 Jahren stark gestiegen, dennoch hat man, beim Erkunden der Insel oft noch das Gefühl, sich in einem kleinen Paradies zu befinden.

Urlaub am MeerSchon bei der Quartiersuche waren wir von der Schönheit der Insel überwältigt und der Ausblick von der Terrasse unseres Apartments aufs Meer, vermittelte mir jeden Morgen wieder das Gefühl, mich in einem schönen Traum zu befinden. Bevor wir gegen Abend des ersten Tages zum ersten Mal den südöstlich gelegenen Strand unseres Urlaubsortes Rucavac aufsuchten, war das paradiesische Bild nahezu perfekt.

Das änderte sich wie nicht anders zu erwarten mit dem ersten Strandbesuch. Schon auf dem Weg dorthin stolperten wir über die ersten Plastikflaschen und sowohl im felsigen, schroffen bereich der Küste als auch in der Schotterbucht, fanden sich verschiedene Arten von Plastikmüll – allerdings in relativ geringem Ausmaß und so gesehen war ich nach den Erlebnissen des Vorjahres beinahe schon positiv überrascht.

Diese Überraschung steigerte sich noch, als wir am nächsten Tag auf Empfehlung unserer Wirtin die westlich gelegene Bucht von Rucavac aufsuchten. In dieser wunderschönen, von flach ansteigendem Fels umrahmten Schotterbucht, fand ich bei einem ersten Rundgang tatsächlich so gut wie keinen Müll. Im hinteren, bewaldeten Bereich der Bucht gab es auch einige Mülltonnen und sogar 4 chemische Toiletten.

Die Tatsache, dass auch über Nacht anscheinend  kein Müll aus dem Meer angeschwemmt wurde, führte ich vorerst vor allem auf die etwas geschützte Lage zurück.

Das verlorene Paradies

Urlaub am MeerNach einigen Tagen begannen wir mit der weiteren Erkundung der Insel. Der Weg in die kleine Stadt Komisa war geprägt von beeindruckenden Naturschönheiten: Azurblaues Meer, wilde Küste mit vorgelagerten Inselchen, kleine Buchten, Olivenhaine, Steinmauern – jeder Blick ein Foto wert.

Kurz bevor wir Komisa erreichten, bot sich uns dann allerdings ein Bild, das sich kaum beschreiben lässt. Hier sagen Bilder wirklich mehr als 1000 Worte – sogar die Kinder waren, nachdem wir die mitten in die Küstenlandschaft eingebettete Mülldeponie entdeckt hatten, für kurze Zeit sprachlos.

Die weitere Erkundung der Küste und anderer Buchten brachte das Paradies leider noch mehr ins Wanken.

Auch hier möchte ich am liebsten wieder Bilder sprechen lassen.

Urlaub am MeerDer kleine Müllberg vor dem Schwemmholz ist zum Beispiel das Ergebnis einer 3 bis 4-minütigen Sammelaktion im Umkreis von einigen Quadratmetern um unseren Liegeplatz und zwar in einer der schönsten Buchten der Insel, der Stiniva-Bucht.

Wirklich schlimm wurde es dann allerdings, als wir in der Nähe der Stadt Vis ein potentielles Quartier für das nächste Jahr besichtigten. Aus der Entfernung wirkte auch hier alles perfekt: Ein altes Steinhaus, alleine in Mitten eines Weingartens auf einer Landzunge, rundherum Blick aufs Meer, die Hänge zum Meer mit wildem Rosmarin und Lorbeer bewachsen, schroffe Felsen und 2 kleine Schotterbuchten. Auf dem Weg zur Bucht bemerkte ich allerdings schon aus der Weite einige bunte Flecken am Strand, die ich zuerst noch für liegen fr.wikisource.org gebliebene Handtücher hielt – ein interessantes Phänomen, dieses „Nicht-wahr-haben-wollen“!

Urlaub am MeerUnschwer zu erraten, was wir tatsächlich in der Schotterbucht vorfanden – auch dort habe ich zahlreiche Fotos gemacht, was mir in meiner Familie den Beinamen „Mülljournalistin“ einbrachte – aber ich konnte irgendwie nicht anders.

Als Peter, Marlene und Leonard schließlich ihren Versuch - trotz des durchgehend mit Plastikmüll verunreinigten Strandes - im glasklaren Wasser ein kurzes Bad zu nehmen, aufgaben, weil auch dort überall die typischen kleinen Plastikfetzen herumtrieben, war ich tatsächlich den Tränen nahe.

Diese Fotos zumachen, war in diesem Moment für mich einfach ein wichtiger Akt gegen das Ausblenden der Realität. Es wäre einfach nicht richtig gewesen nur die Schönheit der Insel festzuhalten, es wäre eine völlig unzulässige Verfälschung des Gesamtbildes gewesen.

Zum Fotoalbum

(Fortsetzung inklusive Hoffnungsschimmer folgt in Kürze!!)

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Über julian

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Kommentare (6) Trackbacks (0)
  1. Manchmal denke ich auch, ich hätte mich nicht ‘für die blaue Pille’ entscheiden sollen. Das hab ich jetzt davon, dass ich wirklich viel über das Thema gelesen und sehen habe (Plastik Planet, We feed the world, Unser täglich Brot, Ende der Märchenstunde, The story of stuff,…): ich bin oft am Boden zerstört.

    Sehr oft nehme ich jetzt Plastiksackerln war, die im (heute besonders starken) Föhn wehen, oder sich in Sträuchern verfangen. Sie erinnern mich immer daran, dass alles was ich ausrichten kann aussichtslos scheint.
    Woran ich mich dann immer klammere ist, dass steter Tropfen den Stein höhlt. Ich bermerke immer mehr, wie die Menschen beginnen, sich zusammen zu tun und etwas zu unternehmen. Es gibt schon so großartige Ansätze (ich hab u.a. irgendwo entdeckt, dass du Christian Felbers Bücher liest – > wenn du magst können wir mal Büchertipps tauschen). Als Einzelner kann einen diese Wucht an Desillusionisierung zu Boden schmettern. Ein unerlässlicher Schritt wird für mich sein, mich einer Organisation anzuschließen.
    Und natürlich weiterhin die Blogs von anderen zu lesen.
    Es gibt viel zu tun!
    -> Und bevor man beginnt macht man am Besten noch mal Fotos. Die klassischen ‘Vorher-Nachher’-Fotos, damit man was weiß, was man alles (gemeinsam) geschafft hat.

    Also volle Kraft voraus und
    Kopf hoch!
    Liebe Grüße, Vroni

    [Reply]

    Sandra Krautwaschl Reply:

    Liebe Vroni!

    Vielen Dank für Deine aufbauenden Worte.
    Würd mich sehr freuen, wenn wir uns auf dem Büchersektor mal austauschen könnten. Ich finde auch in Büchern sehr oft wieder neue Motivation und fühl mich dann manchmal sehr bestärkt, was zwischendurch einfach gut tut.

    LG und bis bald
    sandra

    [Reply]

  2. Als ich klein war, gab es kaum Plastik in den Gegenden. Bis heute stört es mich und es graust mir davor, wenn ich es sehe. Für unsere Kinder und Kindeskinder aber werden Plastikreste in der Natur normal sein. Werden sie es als störend und unnatürlich empfinden?

    [Reply]

  3. Bravo Familie Krautwaschl!
    Ich werde – vielleicht nicht so intensiv – aber dennoch aufmerksam in Zukunft Plastik meiden.
    Mit freundlichen Grüßen aus Linz Karl Leeb

    [Reply]

  4. Lieber Karl!

    Das freut mich sehr, denn jeder einzelne Beitrag zählt!

    LG aus der Steiermark Sandra

    [Reply]

  5. Ist schon echt schade, wie so manche Menschen dort mit der Umwelt umgehen. Da muss man einfach etwas gegen tun, denn im Grunde wollen wir uns doch am Meer alle wohl fühlen und das ist auf diese Weise ganz sicher nicht möglich.

    [Reply]


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