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20Jan/1413

Plastikfrei und vegan? (2)

Im zweiten Teil dieser schwierigen Materie möchte ich mich mit der Problematik widmen, kunststofffreie und vegane Bekleidung unter einen Hut zu bringen.

Schon zu Beginn unseres Experiments hat mich das Thema Bekleidung stark beschäftigt, da konventionelle Kleidung ja heutzutage kaum mehr ohne Kunststoffanteile zu bekommen ist. Abgesehen davon sind die Schadstoffe (NPE, Weichmacher, krebserregende Amine, Azofarbstoffe, Schwermetalle und andere Schadstoffe), die hier – ob Marken -oder Billigware - bei Verarbeitung und Färbung zum Einsatz kommen, auch ganz unabhängig vom Material eine Katastrophe für Mensch und Natur.

Alternativen aus Naturmaterialien (in Bioqualität und entsprechender Verarbeitung, möglichst auch noch Fairtrade) gibt es zwar inzwischen schon in recht zufrieden stellender Auswahl, aber längst nicht für alle Zwecke (man denke nur an die so genannte „Funktionskleidung“) und – viele der Naturmaterialien sind nicht vegan! Pflanzliche Ausgangsmaterialien wie Baumwolle, Hanf, Flachs usw. stellen natürlich in vielen Bereichen eine Alternative dar. Aber auch hier gibt es durchaus kritische Aspekte. Nicht alles, was plastikfrei und vegan ist, kann man nämlich meiner Meinung nach wirklich guten Gewissens empfehlen. Der konventionelle Baumwollanbau mit seinem enorm hohen Wasser – und Pestizideinsatz und den entsprechend ausbeuterischen und menschenverachtenden Arbeitsbedingungen entspräche da wohl eher dem Motto „den Teufel mit dem Beelzebub austreiben“. Hanf und Flachs stellen so gesehen jedenfalls die bessere Alternative dar, aber das Angebot ist in diesem Bereich zumindest im Moment noch nicht überall ausreichend.

Besonders bei Schuhen würde mir eine konsequent vegane Lebensweise schwer fallen. Ich persönlich fühle mich in Kunststoffschuhen jeglicher Art einfach nicht besonders wohl. Schuhe aus Hanf oder Bauwolle sind auch eher nur eine Alternative für die warme Jahreszeit und meist nur in einem recht eingeschränkten Sortiment verfügbar. Es scheint also auf den ersten Blick relativ aussichtslos konsequent plastikfreie und vegane Bekleidung zu kaufen – umso mehr, wenn dann auch noch gewisse modische Ansprüche dazu kommen.

Aus den oben genannten Gründen hat mein persönliches Einkaufsverhalten in Sachen Mode in den letzten 4 Jahren jedenfalls eine dramatische Wendung genommen. Wie schon in meinem Buch beschrieben, war ich vormals in Bezug auf Kleidung eine klassische „Schnäppchenkäuferin“. Mittlerweile kaufe ich neue Kleidungsstücke oder Schuhe nur mehr höchst selten. Seit 2 Jahren trage ich zum Beispiel Marlenes Lederwinterstiefel mit Schafwollfutter von GEA auf, die zwar keineswegs vegan, aber dafür wenigstens in Österreich gefertigt, höchst stabil und reparaturfähig sind und meiner jetzigen Einschätzung nach sicher auch noch mindestens die nächsten 5 bis 10 Jahre halten werden. Aber auch jetzt (nach 4 Jahren) hat sich der durchaus beachtliche Anschaffungspreis von 220 € aus meiner Sicht schon mehr als rentiert. (GEA erzeugt teilweise übrigens auch vegane Schuhe, ich bin mir aber nicht sicher, ob es für den Winter etwas in annähernd ähnlicher Qualität in veganer Variante gibt.)

Bei einem Vortrag auf der Uni Graz (Umweltsystemwissenschaften) hab ich vor ungefähr 2 Jahren gehört, dass pro Jahr allein ca. 80 Milliarden Baumwoll T - Shirts produziert werden. Ein Blick in meinen Kleiderschrank hat mir klar gemacht, dass ich daran nicht unbeteiligt bin. Ich habe also beschlossen, auch diesen Wahnsinn nicht mehr weiter zu betreiben, was zugegebenermaßen einiges an Selbstdisziplin erfordert hat und noch immer erfordert (und auch nicht immer zu 100% funktioniert!).

Wenn ich mir neue Kleidung oder Schuhe kaufe, achte ich normalerweise darauf, dass zumindest ein Teil der folgenden Kriterien erfüllt wird:

- möglichst kein oder nur ganz geringer Kunststoffanteil (Knöpfe, Gummizüge usw.) und Gütesiegel wie GOTS oder Ökotex (http://www.greenpeace.org/austria/de/marktcheck/themen/kleidung/konsum/guetesiegel-textilien/)

- Baumwolle in Fairtrade und/oder Bioqualität (entsprechende Gütesiegel)

- Wolle und andere tierische Fasern in Bioqualität, wenn möglich aus Österreich oder zumindest aus der EU

- Lederschuhe in Bioqualität bzw. in entsprechender Verarbeitung, wenn möglich in Österreich oder zumindest in der EU produziert

In erster Linie versuche ich aber, mein Bedürfnis nach neuer Kleidung so weit wie möglich zu reduzieren. Mit einigen Freundinnen habe ich Kleidertausch - bzw. Leihaktionen vereinbart, wenn bei einer von uns die Lust nach etwas Neuem nicht mehr zu bändigen ist. Eine gute Quelle für solche Fälle sind für mich auch nach wie vor Second Hand Shops und Flohmärkte. Diesen Textilien haben auch noch dazu den Vorteil, dass die Schadstoffe meist schon ziemlich heraus gewaschen sind. Und nicht zuletzt habe ich in letzter Zeit auch „aus Altem Neues nähen“ zunehmend für mich entdeckt.

Wir Ihr seht, ist mein Zugang zu diesem Thema wieder mal recht pragmatisch und erhebt keinen Anspruch auf Perfektion. Durch meine eigene Geschichte und aktuell vor allem dadurch, dass unsere beiden älteren Kinder mittlerweile 17 und fast 15 Jahre alt sind, ist mir auch klar, dass es Kriterien für Mode gibt, die man subjektiv für wichtiger hält, als alles, was ich bisher dazu geschrieben habe. Andererseits bin ich auch sehr stolz auf meine Kinder, weil sie diesbezüglich auch für ihr Alter sehr genügsam sind und den Weg, den ich vor einigen Jahren eingeschlagen habe, im Großen und Ganzen mitgehen (zum Beispiel tragen sie nach wie vor in erster Linie gebrauchte Kleidung aus dem Freundes - und Bekanntenkreis nach.) Und obwohl meine Geschichte heute schon ziemlich lang ist, möchte ich an dieser Stelle auch nicht unerwähnt lassen, dass ich bei diesem Thema natürlich ständig das glänzende Beispiel meines Mannes vor mir habe, der nicht nur seine T-Shirts trägt, bis sie ihm buchstäblich vom Leib fallen!

Ehrlich gesagt glaube ich, dass in Bezug auf Mode die oft strapazierte Binsenweisheit „Weniger ist mehr“ der wichtigste Grundsatz ist, wenn wir unsere eigene Gesundheit bewahren und an Menschen, Tieren und Natur möglichst wenig Schaden anrichten wollen.

Nicht nur denjenigen von Euch, die einen konsequent veganen Lebensstil verfolgen, rate ich aber auf jeden Fall dazu, Produktionsbedingungen, Herkunft und (man muss es leider so bezeichnen) „Inhaltsstoffe“ der Mode genau unter die Lupe zu nehmen. In manchen Fällen wird das vielleicht die Entscheidung erleichtern, NICHTS zu kaufen.

Da ich meine Geschichten aber immer gerne positiv abschließe, möchte ich heute ausnahmsweise auch noch ein paar (eher kleinere) Firmen aus meinem Umfeld nennen, die allesamt mehrere meiner Einkaufskriterien erfüllen. Dass ich gerade diese Firmen nenne, liegt schlicht und einfach daran, dass ich mit ihnen persönliche Erfahrungen bzw. ihre Produkte auch schon selber getestet habe und mir auch die gesamte „Firmenphilosophie“ entspricht.

www.garymash.com: selbst entworfene Fairtrade-/Bioshirts und vieles mehr

www.zerum.at: Fairtrade- und Biomode, „kleine“ Designermode

www.perviva.at : fair gehandelte Naturtextilien hauptsächlich aus Deutschland und Österreich

www.gea.at: Schuhe in Topqualität in erster Linie in Österreich gefertigt

www.hanf-im-glueck.at : Jeans, Jacken, T-Shirts aus Hanf

http://www.naturfaser-foelser.at: Jeans aus österreichischem Leinen und griechischer Biobaumwolle, man kann sich die Lieblingsjeans „nachschneidern“ lassen!!

Ich denke, dass Ihr in Euren Umfeldern auch viele ähnliche Firmen kennen werdet und sofern Ihr mir Infos oder Links dazu schickt, bin ich auch gerne bereit, diese zu sammeln und in diesem Blog zu veröffentlichen.

Und abschließend nochmal der Link zum Blog von Nunu Kaller, wo Ihr noch viel mehr über das (Nicht-) Kaufen von Kleidung erfahren könnt:

ichkaufnix.wordpress.com

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Über Sandra

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Kommentare (13) Trackbacks (0)
  1. Liebe Sandra, versuche einmal die Kombination Leinenhemd und darüber etwas aus Wolltuch. Seit ich bei einer Reenactor-Gruppe mitmache, die Kelten darstellen, habe ich diese Kombi schätzen gelernt. Sie funktioniert fast wie Funktionskleidung, hält im Sommer schön kühl und im Winter wärmt sie. Zudem ist das Wolltuch selbst in dünnerer Qualität in der Lage, einen feinen Regen abzuhalten, sodass man nicht nass bis auf die Haut wird.

    [Reply]

  2. Ich habe auch noch einige Firmen, deren Produkte auch in Deutschland erhältlich sind:

    [html]http://thinkshoes.com/[/html] Schuhe, meist in Österreich produziert, meist aus vegetabil gegerbtem Leder (das ist bei jedem Schuh einzeln angegeben, ob komplett vegetabil gegerbt oder ob nur das Futterleder vegetabil gegerbt wurde), auch sehr modische Modelle dabei

    [html]www.manomama.de[/html] Jeans, Kleider, Shirts, Jacken, Gürtel – Bio-Mode, Bio-Baumwolle aus der Türkei, weiterverarbeitet (gesponnen/gewebt, Nähgarn, Knöpfe, Reißverschluß) in Deutschland, in Augsburg genäht; es werden auch bunte Bio-Pfand-Baumwollbeutel produziert, die man für 2€ bei dm (Drogeriemarkt) kaufen kann.
    Die Firma und ihre Chefin Sina Trinkwalder sind gerade auf RTL sehbar:
    Hier der Link zu den bisherigen 3 Folgen: [html]http://rtl-now.rtl.de/made-in-germany.php[/html] (die bisher letzte, 3. Folge ist derzeit noch kostenlos sehbar, die anderen kosten, das läßt sich aber wohl durch Anmeldung für Testphase umgehen), 4. und letzte Folge am 26.1., 15:45-16:45 auf RTL.
    Sie ist eine Sozialunternehmerin: sie gibt Langzeitarbeitslosen eine Chance und hat so schon 140 Leute für mindestens 10€ Stundenlohn eingestellt, die für sie die Textilien produzieren – in Augsburg, der Fuggerstadt, die bis vor einigen Jahren noch Textilstadt war, bevor die Textilindustrie fast komplett nach Asien mit all den Niedriglöhnen und schlechten Arbeitsbedingungen gezogen ist.
    Ihre Bio-Jeans soll es Ende Januar (also wohl ab 27.1.) auch in den real ,- Warenhäusern geben.

    [Reply]

    Sandra Reply:

    Liebe Mechthild!

    Danke! Ich werd noch ein bisserl abwarten, was sonst noch an Tipps kommtund dann alles gemeinsam veröffentlichen!

    LG und bis bald
    Sandra

    [Reply]

    Barbara Reply:

    “think” produziert nicht in österreich. wir hatten letztens eine schulung von dieser firma. designed wird in österreich gefertigt in ungarn und bosnien.

    [Reply]

    Mechthild (Nähe Emsland) Reply:

    Korrektur bzw. Ergänzung zu manomama:

    Die Jeans für Männer und Frauen gibt es (evtl. nur in ausgewählten) real,-Warenhäusern ab dem 18.2. (im Onlineshop ab sofort),
    die Unterwäsche, deren Produktion bei RTL gezeigt wurde, gibt es im Onlineshop (www.manomama.de) ab morgen und ab übermorgen in reduzierter Auswahl (je 3 Produkte für Männer und Frauen) in ausgewählten real,-Warenhäusern.

    [Reply]

  3. Hallo Sandra!

    Danke für Deinen Beitrag! Meine Tochter hat bei Gea übrigens vegane Schuhe gekauft, mit denen sie super gut bereits über den zweiten Winter kommt. Die Beratung war sehr gut und die Qualität der Schuhe hat überzeugt. Auch bei Schnee und Matsch, also keine Scheu!

    lg
    Maria

    [Reply]

    Sandra Reply:

    Liebe Maria!

    Danke für den Hinweis.
    Wie gesagt: Ich hoffe ja, dass Marlenes Stiefel mich noch gut durch viele Winter bringen, aber wann auch immer ein Neukauf ansteht, werde ich jedenfalls auch die vegane Variante genau unter die Lupe nehmen!

    LG Sandra

    [Reply]

  4. Sport- und Freizeitbekleidung in Deutschland:
    http://www.trigema.de
    Zwar nicht bio, aber im Land produziert. Seit längerer Zeit wird auch mit “cradle to cradle” experiementiert. Wer einen der firmeneigenen Läden in seiner Nähe hat, sollte allerdings auf den Versandhandel verzichten. Der Kauf im Laden ist um viele Euro günstiger;-)

    Wer seinen Urlaub in Frankreich verbringt, sollte sich nach einem Laden des Labels “le blé en herbe” umsehen. Leider gibt es noch nicht sehr viele, sind sie noch im Aufbau und Versandhandel mag dieses kleine Unternehmen offensichtlich nicht. Sie entwerfen und produzieren tolle Kleidung aus verschiedenen Naturfasern, vor allem Baumwolle und Flachs, produzieren in Frankreich.

    Beide Firmen produzieren im eigenen Land zu annehmbaren Preisen. Wir gehören seit Jahren zu den Kunden, sind sehr zufrieden mit der Qualität. Das heißt, pflegeleicht (zu waschen wie Putzlappen u. keine Bügelei) und langlebig!

    LG

    Kehua

    [Reply]

  5. Hier ein paar Links zu kompromisslos plastikfreier Funktionskleidung in “Bio Qualität”:

    Bienenwachsjacke:
    http://de.hessnatur.com/shop/productdetail.action?modelCode=34554&pos=3&advertiser=ZQN|ZRC|ZRD|R40|Q47|ZRA|PRL|X98|PRH|Q46|Q45|Q91|ZQM|X01

    Funktionsunterwäsche:
    http://de.hessnatur.com/shop/productdetail.action?modelCode=36697&pos=3&advertiser=ZQN|ZRC|ZRD|Q47|R40|PRL|ZRA|PRH|Q45|ZQM|X01

    http://de.hessnatur.com/shop/productdetail.action?modelCode=36698

    Trekkinghose:
    http://www.bergfreunde.de/mammut-womens-caprice-pants-kletterhose/

    Nur einen vernünftiger Rucksack und wetterfeste Schuhe habe ich noch nicht gefunden. Aber die Bienenwachsimprägnierten Stoffe sind in der Sportbekleidungsbranche hoffentlich im Kommen!

    LG

    [Reply]

  6. Liebe Sandra,
    den 1. Teil “vegan und plastikfrei” zeigt es bei mir nie an …. ?
    ..und ich wäre soooo interessiert daran…:-)
    Alles Beste

    [Reply]

  7. Alternative Bekleidung bekommt man auch bei armedangel.de.

    [Reply]

  8. Ich hab das Problem, dass ich Kleidergröße 50/52 trage. Bioqualität gibt es in dieser Größe leider nicht, jedenfalls hab ich da noch keine großen Größen entdeckt. Ich muss zugeben, dass mich das maßlos ärgert – als ob dicke Menschen sich nicht schick UND bio und/oder fairtrade anziehen möchten, und uns das interessiert und bewegt!! :-/
    Ich kaufe zur Zeit eigentlich “konventionell” und auch nur ziemlich selten, so eher für etwas mehr Geld einmal im Jahr (wenn mein Daddy mich beschenkt ;-) ).
    Ansonsten gehe ich in unsere “Kleiderkammer” (Second-Hand) hier im Ort.
    Was ich auch versucht habe, war eine Free Your Stuff-Gruppe auf Facebook, da hat sich allerdings noch nichts ergeben.
    Vielleicht sind Free Your Stuff-Gruppen ja auch für andere interessant. ;-)

    [Reply]

  9. http://www.kraxl.eu
    Kraxl Kletterbekleidung verwendet Biostoffe aus Deutschland. Auch die Fertigung ist zu 100% in Deutschland
    Der Stoff ist aus einem GOTS-zertifiziertem Garn. Global Organic Textile Standard (GOTS), ist das bislang vertrauenswürdigste Siegel für Bio-Materialien und faire Arbeitbedingungen. Die Baumwolle kommt aus unterschiedlichen Ländern, überwiegend aus der Türkei. Gewebt, gefärbt und ausgerüstet wird ausschließlich in Deutschland nach Öko-Tex Standard 100 Produktklasse I. Der Stoff besteht aus 97% Bio- Baumwolle und 3% Elasthan. Durch das Elasthan wird das Material sehr stretchig. Der Stoff ist äußerst robust aber für eine Kletterhose nicht zu dick und auch nicht zu dünn. Durch ein ganz besonderes unbedenkliches Färbeverfahren erzielen wir brillante Waschfeste Farben mit unglaublich hoher Sättigung. Die Zutaten wie Bänder, Garn usw. beziehen wir von regionalen Lieferanten aus Bayern. Wir produzieren somit in einer ökologischen und regionalen Wertschöpfungskette! http://www.kraxl.eu

    [Reply]


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