Kein Heim fuer Plastik Kein Heim Heim fuer Plastik Plastic Planet Das Buch zum Film bestellen
28Jan/115

Petition, plastiksackerlfreier Tag und noch ein bisschen Zukunftsmusik

Wie zum Jahreswechsel angekündigt, möchte ich heute eine Initiative vorstellen, die aus der spontanen Idee einer Einzelperson kurz nach dem medial verkündeten Plastiksackerlverbot in Italien, entstanden ist.

„Für ein Verbot von Plastiksackerl in Österreich“  heißt die Facebook Veranstaltung, die Alexandra Haaji einem spontanen Gefühl folgend gründete und die mittlerweile mehr als 27000 Zusagen hat. Im weiteren Verlauf wurde auch noch eine Online Petition ins Leben gerufen, die Ihr noch bis 11. Februar unterzeichnen könnt. Hier der Link dazu:

http://www.petitiononline.at/petition/plastiksackerlverbot-in-oesterreich/53

Auch wenn es für eine Einzelperson denkbar schwierig ist, eine Petition entsprechend zu gestalten und zu bewerben, sehe ich in dieser Initiative doch einen wichtigen Beitrag zur weiteren Sensibilisierung, Bewusstseinsbildung und Diskussion dieses Themas.

In der bisherigen Diskussion vermisse ich nämlich zum Beispiel – auch und vor allem auf politischer Ebene – gänzlich die gesundheitlichen Aspekte.

Abgesehen davon, dass teilweise so getan wird, als wäre mit der „thermischen Verwertung“ von Plastik(sackerln) alles bestens gelöst, gehen weder verantwortliche Politiker noch die Plastikindustrie darauf ein, was mit den teilweise höchst bedenklichen Zusatz- und Farbstoffen (auch Plastiksackerl bestehen nun mal nicht aus „reinem“ Erdöl!) während des Verbrennungsvorganges passiert. Möglicherweise spart man dieses Thema ja nicht ganz unbewusst aus…?

Meine Erfahrung mit dem Thema Plastik zeigt mir jedenfalls, dass immer mehr Menschen über alle politischen,  ideellen und sonstige Grenzen hinweg, erkennen, dass der unnötigen Verschleuderung von Ressourcen Einhalt geboten werden muss. Also, warum nicht beim Einfachen anfangen? Ich möchte mich an dieser Stelle jedenfalls schon mal bei Alexandra H. für ihr Engagement bedanken und hoffe, dass bis 11.2. noch viele von Euch die Petition unterzeichnen.

Gleichzeitig möchte ich auch noch an den „Plastiktaschenfreien Tag“ am 4.2.2011 erinnern, zu dem ebenfalls Alexandra H. aufgerufen hat. Alle, für die das schon eine Selbstverständlichkeit ist, könnten sich ja mindestens 10 Personen überlegen, für die Idee noch neu ist und versuchen, sie zu motivieren…

Da ich in der österreichischen Politik ein grundsätzliches Problem wahrnehme, Unnötiges gänzlich zu verbieten (siehe auch Thema „Rauchen in Lokalen“), möchte ich auch noch kurz ein Projekt erwähnen, an dem ich selbst, animiert durch die Aktion „My bag is not plastic“ in Wieselburg, seit November arbeite!

Es handelt sich dabei um ein Konzept, das eine ganze Region, also Bevölkerung, Gewerbetreibende, Schulen,…usw. dazu  motivieren soll auf freiwilliger Basis die Verwendung von Plastiksackerln und „Wegwerfplastik“  zu reduzieren bzw. zu vermeiden.

Sollte es gelingen in unserer Region eine politische Mehrheit für die Umsetzung dieses Projekts zu gewinnen, so werde ich über den Verlauf der Sache natürlich hier berichten.

Vielleicht könnte man das ja dann unserem Herrn Umweltminister als „Pilotprojekt“ vorschlagen….

8Jan/1114

Argumentationshilfen für phantasielose Umweltminister…


....oder wozu ein Plastiksackerlverbot in Österreich gut sein könnte

Aus gegebenem Anlass (Plastiksackerlverbot in Italien seit 1.1.2011) möchte ich heute der Kreativität unseres Herrn Umweltministers einmal ein wenig auf die Sprünge helfen.

  • Das Verbot von Plastiksackerln ist eine der einfachsten Möglichkeiten Co2, Erdöl und diverse, in Plastiksackerl enthaltene Schadstoffe einzusparen, vereint also Klimaschutz, Ressourcenschonung und Gesundheitsvorsorge, wohingegen weder "Downcycling" (denn echtes Recycling funktioniert bei Plastiksackerln normalerweise nicht) noch "thermische Verwertung" irgendetwas dazu beitragen.

  • Das Verbot von Gratisplastiksackerl könnte somit auch Ausgangspunkt für neue, sinnvolle Entwicklungen sein ( z.B.Pfandtaschensysteme) sein.

  • Jedes nicht produzierte Plastiksackerl ist besser als ein "korrekt" entsorgtes.

  • Angesichts der Tatsache, dass es ausreichend sinnvolle Alternativen zu Gratisplastiksackerl gibt (Stofftaschen, Einkaufskörbe, Papiersackerl, Bioplastiksackerl,..) würden die ÖsterreicherInnen auch in Zukunft ihren Einkauf nicht mit bloßen Händen nach Hause tragen müssen.

  • Gratisplastiksackerlverbot ist somit Einschränkung von überflüssiger Verschwendung und langfristige Verbesserung der Lebensqualität.

  • Das angeblich so rare Vorhandensein von Plastiksackerln im heimischen Restmüll mag zum Teil damit zusammenhängen, dass auch hierzulande unglaubliche Mengen an (Plastik)müll, darunter auch jede Menge Plastiksackerl in der Landschaft landen. (Alle, die daran zweifeln, lade ich herzlich zu unserer nächsten Flurreinigung ein!)

  • Plastiksackerlverbote sind ein wichtiger Beitrag zur Bewusstseinsbildung ( Bildung ist ja im Moment angeblich gerade wiedermal ein wichtiges Anliegen unserer Regierung..) und Sensibilisierung für die weltweit dramatischen Folgen des ungezügelten Verbrauchs von "Wegwerfplastik"

  • Da unsere Umwelt ja nicht an den Genzen Österreichs endet, darf auch ein österreichischer Umweltminister durchaus mal grenzüberschreitend (mit)denken und handeln.

  • Diejenigen, die ihre Plastiksackerl angeblich eh "immer wieder" verwenden, sind von einem Verbot nicht betroffen, da die Sackerl ja einige 100 Jahre halten. Sie können die vorhandenen Plastiksackerl also durchaus noch über mehrere Generationen weitervererben..

Das ist nur eine kleine Auswahl von Argumenten für das Plastiksackerlverbot in Österreich. Ich würde übrigens mit unserem Umweltminister gerne um meine wunderschöne "Jute statt Plastik - Tasche" wetten, dass ihm kein einziger vernünftiger Grund einfällt, Plastiksackerl NICHT zu verbieten.

Das "Argument", dass in Österreich kein Plastiksackerlverbot nötig sei, weil ohnehin fast keine Sackerl im Restmüll landen, passt nämlich nicht ganz mit der Tatsache zusammen, dass in ganz Wien Plastikmüll nicht extra gesammelt wird, damit die Müllverbrennungsanlagen überhaupt funktionieren...

Hier wäre dann vielleicht auch ein gemeinsames Projekt mit der Wissenschaftsministerin zur Entwicklung  neuer Technologien sinnvoll!

Hmmm, und wo landen nun in Wien (immerhin knapp1,7 Millionen EinwohnerInnen) bitteschön die nicht mehr gebrauchten Plastiksackerl? Oder gibt es in Wien vielleicht gar keine mehr? Oder leben dort etwa nur mehr Menschen, die ihre Plastiksackerl immer wieder verwenden? Das würde ja heißen, dass in Wien praktisch keine neuen Plastiksackerl mehr gebraucht werden...Also auch noch eine kleine Frage an unseren Herrn Umweltminister: Wieviele neue Plastiksackerl werden denn alleine in Wien täglich verbraucht und was passiert anschließend mit ihnen, wenn sie sich nicht in Luft auflösen??

Abschließend hätte ich dann auch noch einen Vorschlag für eine Studie, die der Umweltminister in Auftrag geben könnte: Die Kostenwahrheit eines Plastiksackerls, eingerechnet den Wert aller plastikverseuchten Strände, Ozeane, Flüsse, Seen, Landstriche, Wälder, Berge....

Ach ja und noch ein kleines Argument:

- PolitikerInnen sind gewählt, um Verantwortung zu übernehmen.

31Dec/103

Resümee und Aufruf zum Jahreswechsel 2011

Nach mehr als einem Jahr „Kein Heim für Plastik“ gilt es nun erneut ein Resümee zu ziehen.

Für uns als Familie war es sicher eines der ereignisreichsten Jahre überhaupt. Erst vor Kurzem haben Peter und ich darüber gesprochen, was dieses Experiment für uns bedeutet und haben dabei beide festgestellt, dass es für uns nach wie vor eine spannende, lustige und sinnvolle Erfahrung ist.

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Vor allem bedingt durch ein gewisses mediales Interesse hat es natürlich auch hin und wieder etwas anstrengende Momente gegeben, aber dafür haben Peter und ich uns nun mal sehr bewusst entschieden. Die Kinder haben sich nach einem der letzten Interviews ein wenig beschwert, dass die Interviewer „immer die selben Fragen“ stellen. Für sie ist die ganze Sache mittlerweile einfach nichts Besonderes mehr, die erste Euphorie, sich selbst einmal im Fernsehen oder in der Zeitung gesehen zu haben, ist abgeflaut und aus ihrer Sicht müssten jetzt längst alle kapiert haben, worum es (uns) geht – so viel zur kindlichen Naivität, von der ich im Übrigen auch oft noch eine kleine Portion besitze…..

Es gibt auch sinnvolle Verpackungen:

Meine persönliche Überzeugung, dass Menschen für ein Thema offen und bereit sein müssen, damit sie auch den Bezug zu ihrem persönlichen Handeln herstellen und sich entschließen, bisherige Gewohnheiten zu verändern, hat sich in diesem Jahr weiter verstärkt. Wie es zu dieser Bereitschaft kommt, ist im Einzelfall nicht vorhersehbar, aber wenn es dafür ein einfaches „Rezept“  gäbe, wäre das wahrscheinlich der Schlüssel zur Lösung all unserer „Umweltprobleme“. Solange es so ein Rezept nicht gibt, müssen wir wohl oder übel  jede Chance nützen, uns selbst und andere auf der Suche nach einem menschen- und naturverträglichen Lebensstil zu motivieren und zu stärken.  Aufgrund meiner eigenen Erfahrung bin ich mir allerdings sicher, dass Informationen alleine dafür nicht reichen, sondern, dass es viel mehr auf die „Verpackung“ und Intensität bzw. Frequenz dieser Informationen ankommt. „Plastic Planet“ war in meinem Fall wohl eindeutig die richtige Verpackung.

Wie sich die Dinge zueinanderfügen:

Dass aus der ursprünglich ganz „kleinen“ Idee für ein Familienexperiment, schließlich dieser Webblog entstanden ist, habe ich von Anfang an als große Chance gesehen. Das Selbe gilt für diverse Berichte im Fernsehen oder in Zeitungen, auch wenn diese nicht immer alle Aspekte unseres Versuchs ganz vollständig und korrekt wiedergeben. Nun, nach mehr als einem Jahr hat sich für mich eine weitere großartige „Verpackungs-Möglichkeit“ ergeben. Ich habe von einem Verlag ein konkretes Angebot, für ein Buch über den Verlauf und die Entwicklung unseres Experiments und da es immer schon ein Traum von mir war, ein Buch zu schreiben, wird das Jahr 2011 wohl einen deutlichen schriftstellerischen Schwerpunkt bekommen. In diesem Buch sehe ich eine großartige Möglichkeit, unser Projekt und seinen Verlauf  authentisch und mit vielen, teilweise sehr amüsanten Details und Zusamenhängen zu beschreiben.

Das Schöne an dieser Entwicklung ist, dass in diesem Fall die Erfüllung eines persönlichen Traums auch wieder zur Weiterentwicklung der ursprünglichen Idee von „Keinheimfürplastik“ beitragen kann. Ich möchte natürlich auch weiterhin aktuelle Geschichten über unser Experiment für den Blog schreiben, aber ich habe schon in den letzten Monaten immer wieder darüber nachgedacht, wie man die vielen guten Ideen, Projekte, Anregungen und Tipps, von denen mir LeserInnen im letzten Jahr berichtet haben, besser in den Blog integrieren und damit vielleicht noch mehr Menschen zu einer Veränderung ihres Lebensstils motivieren könnte.

Es gibt im Moment bereits ein paar Bekannte von mir, die an einer Datenbank für plastikfreie Produkte arbeiten, es gibt eine Gruppe aus Kassel, die einen Brief an Biofirmen entwirft, in dem sie dazu aufgefordert werden sollen, ihr Produkte plastikärmer zu verpacken, es gibt verschiedenen  KünstlerInnen, die sich  mit dem Thema Plastik auseinandersetzen und es gibt viele Menschen, die eigene Projekte in ihrem Lebensumfeld umzusetzen oder einfach motiviert durch „Plastic Planet“ und/oder „Keinheimfürplastik“ versuchen in ihrem Alltag weniger Plastik zu (ver)brauchen.

Diese Überlegungen gemeinsam mit der Tatsache, dass sich meine Zeit für das Schreiben der Geschichten im nächsten Jahr durch die Arbeit am Buch sicher reduzieren wird, haben in mir die Idee für den nun folgenden Aufruf an Euch alle reifen lassen.

Aufruf zum Jahreswechsel:

Ich rufe hiermit also alle LeserInnen von „Keinheimfürplastik“ und natürlich auch alle Fans von „Plastic Planet“ auf, mir Berichte oder kurze Schilderungen über eigene Aktivitäten oder Ideen zu den Themenfeldern dieses Blogs oder zu Bereichen, die in irgendeiner Weise damit zusammenhängen, zu schicken. Es geht dabei nicht nur um große Umstellungen und Projekte, sondern auch um ganz „kleine“  Veränderungen, wie zum Beispiel das Weglassen von Gratisplastiksacklern oder andere alltägliche Bemühungen, Plastik in euren Haushalten zu reduzieren. Bitte beschreibt auch kurz, was oder wer Euch auf die Idee gebracht hat.

Ich würde es aber auch sehr interessant finden, wenn sich Menschen melden, die durch ganz anderen Ausgangsthemen vielleicht zu ähnlichen Schlüssen gekommen sind...

Jedenfalls werde ich versuchen möglichst viele dieser Berichte auf dem Blog als eigene Geschichten zu veröffentlichen. Solltet Ihr keine direkte Veröffentlichung wünschen, gebt das bitte in Euren Berichten an. Die Mailadresse, an die ihr eure Berichte schicken könnt, ist extra dafür eingerichtet und lautet: keinheimfuerplastik@aon.at . Sie wird nur von mir persönlich bearbeitet und es wäre toll, wenn Ihr mir eine Kontaktmöglichkeit für eventuelle Rückfragen angeben würdet.

Besonders freuen würde ich mich auch über Rückmeldungen von einigen von Euch, die unser Experiment in gewissen Bereichen zur Nachahmung animiert hat. Auch wenn Ihr dazu teilweise schon Kommentare in den Blog gestellt habt, wäre es schön, wenn Ihr Eure Erfahrungen  noch einmal kurz zusammenfassen und schicken würdet.

Vom Experiment zur Bewegung....

Ich denke einfach, dass es nun an der Zeit ist, dass „Keinheimfürplastik“ sich auch „offiziell“ vom Familienexperiment zu einer größeren Bewegung weiterentwickelt und die Sammlung und Veröffentlichung Eurer Beiträge, wäre ein wichtiger Schritt in diese Richtung.

Die schon erwähnte Datenbank und der Musterbrief an Firmen werden, sobald sie fertig sind im kommenden Jahr ebenfalls auf dieser Seite veröffentlicht bzw. verlinkt werden und natürlich werde ich auch über das Fortschreiten meines Buchprojektes berichten.

Ich bin sehr zuversichtlich, dass auf diese Weise die „Plastikfreie Fangemeinde“ weiter wachsen wird und finde es  in Zeiten von Facebook und Co. durchaus sinnvoll, auch diese Kanäle für die Vergrößerung der Fangemeinde zu nutzen!

...und voller Hoffnung ins neue Jahr

In diesem Sinne wünsche ich allen LeserInnen einen guten, plastik- und raketenfreien Jahreswechsel, viel Motivation für die Vorhaben im neuen Jahr und uns allen gemeinsam, dass es im Jahr 2011 gelingt, viele weitere Menschen für ihr persönliches "Keinheimfürplastik" zu begeistern!

23Dec/100

Weihnachtskarussell


Erwartungsvoll

Erwartungserfüllend

Erwartungsübervoll

Erwartungsberstend

Weihnachtsbemannt

Glockenbeschallt

der Sehnsucht nachhetzend

Plastikverchristbaumt

Glitzerversternd

Zimt-Zucker beduftet

Weihnachtsbeleuchtet

durch und durch

Und Augen zu und durch

Und durch die Sehnsucht brennend

hell

Besinnung auf

Besinnlichkeit

in rauen Mengen

Doch wo

gibt es

ruhige Tage und

stille Nächte zu kaufen

wenn der geile Geiz

Christkind spielt

Sandra, Dezember 2010

Ich wünsche Euch allen ein Weihnachtsfest in Ruhe und Zufriedenheit, freue mich sehr auf Eure Beiträge im nächsten Jahr und hoffe, dass um den Jahreswechsel herum, viele von Euch Zeit haben, mal auf diesen Blog zu schauen.

17Dec/104

Deutscher Umweltmedienpreis

Teil 2: Die Preisverleihung

Nachdem Peter und ich unsere Vorbereitungen für die Preisverleihung im Endeffekt doch erfolgreich abgeschlossen hatten, machten wir uns am Montag, dem 29.11.2010 schon frühmorgens auf den Weg nach Berlin. Da wir mit dem Zug reisten, hatten wir nämlich jeweils einen Tag für Hin- und Rückfahrt eingeplant, was nur möglich war, weil eine sehr gute Freundin sich bereit erklärt hatte, in den 3 Tagen unserer Abwesenheit bei unseren Kindern zu bleiben.

Da ich für mein Leben gerne Zug fahre, störte es mich auch nicht, dass die Zugfahrt wegen des anhaltenden Schneefalls und daraus entstehenden Verspätungen statt 12 Stunden fast 14 Stunden dauerte. Im Gegenteil: Mich beruhigte es eigentlich, dass sich wieder einmal ein Vorurteil nicht bestätigte und sich die Pünktlichkeit der Deutschen Bahn durchaus mit den gewohnten Verhältnissen bei den ÖBB (Österreichische Bundesbahnen) vergleichen ließ.

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Als wir uns schließlich kurz vor 20 Uhr 30 doch noch mit den Verantwortlichen von der Deutschen Umwelthilfe im Hotel trafen, um den Ablauf des Auftritts für den nächsten Tag zu besprechen, spürte ich doch ein wenig Nervosität in mir aufsteigen. Dafür war weniger die Tatsache ausschlaggebend, dass auch einige bekannte deutsche PolitikerInnen wie Renate Künast und Sigmar Gabriel die Veranstaltung besuchen würden, als vielmehr meine Erfahrungen mit Werner im Zusammenhang mit Pünktlichkeit. Noch dazu, wo aufgrund des anhaltenden Schneefalls laufend von ausgefallenen Flügen berichtet wurde und Werner erst am nächsten Tag mit dem Flugzeug direkt aus Paris kommen wollte.

Was mich allerdings wieder ein wenig beruhigte, war das Vertrauen darauf, dass Auftritte mit Werner sowieso nie „nach Protokoll“ verlaufen und gerade das beim Publikum bisher immer sehr gut angekommen war.

Nach einer etwas kühlen und leider viel zu kurzen Berlinbesichtigung war es am nächsten Tag endlich so weit. Als wir – Peter im Anzug (sehr ungewohnt!) ich in Kleid und Seidenstrümpfen – kurz vor 18 Uhr den Veranstaltungsort betraten, war ich wieder ganz locker. Allerdings muss ich zugeben, dass der, von einer wohlwollenden Kellnerin recht gut eingeschenkte, doppelte Rum kurz davor, einen gewissen Beitrag zu meiner Lockerheit geleistet haben könnte…

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Zu Beginn der Veranstaltung um ca. 19 Uhr stand ich bereits mit Peters Holzplaneten hinter der Bühne, konnte Werner, der übrigens absolut pünktlich gekommen war, heimlich beobachten und die Verleihung der Preise in den Kategorien Printmedien und Hörfunk zumindest akustisch mitverfolgen.

Danach war die Kategorie Film an der Reihe. Wie geplant brauchte Werners Laudator ungefähr 15 Minuten für das höchstverdiente Lob und als dann endlich, die mir so bekannten Töne des Trailers von „Plastic Planet“ erklangen, hatte die Wirkung des Rums leider schon wieder deutlich nachgelassen. Dennoch schaffte ich es, nachdem mein Stichwort gefallen war, trotz ungewohnt hohen Schuhwerks, samt Holzplaneten unfallfrei auf die Bühne zu kommen.

Es war ein wirklich wunderschönes Gefühl, Werner in diesem feierlichen Rahmen zu seiner Auszeichnung gratulieren zu dürfen und da er wegen des Überraschungseffekts vorübergehend ein wenig sprachlos war, schlug meine berüchtigte „Sprechlust“  wieder einmal voll zu und ich plauderte – nun völlig frei von jeglicher Nervosität – über meine Idee nach der Premiere von „Plastic Planet“, den ersten Kontakt mit Werner und den bisherigen Verlauf des Experiments. Als Werner schließlich wieder kurz ans Wort kam, bekam ich richtig Lust, auf eine Diskussion mit dem Publikum, so wie wir es bei verschiedenen Gelegenheiten schon öfter gemeinsam gemacht hatten. Zum Glück stand aber, der für den Ablauf verantwortliche Moderator schon ein wenig drängend mit dem Holzplaneten neben mir und so blieb mein Auftritt inklusive der Überreichung des Planeten doch noch einigermaßen im zeitlichen Rahmen.

Danach durfte ich gemeinsam mit Werner in der ersten Reihe Platz nehmen und noch der Verleihung der Preise in den Kategorien „Neue Medien“ und „Sonderpreis“ beiwohnen.

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Beim anschließenden Empfang waren Peter und ich dann von der positiven Resonanz und vom Interesse der Menschen an unserem Experiment schlichtweg begeistert und konnten uns auch mit einigen der  PreisträgerInnen unterhalten. Es wurde ein unglaublich interessanter und motivierender Abend, an dem wir wieder viele neue Kontakte knüpfen konnten und sich bei mir die Hoffnung verstärkte, dass unser Experiment im 2. Jahr in eine ganz neue, bisher nicht vorhersehbare Dimension eintreten könnte.

Diese Hoffnung will ich Euch natürlich nicht vorenthalten, doch da es dabei um Euch alle geht, werde ich dazu in Kürze eine eigene kleine Geschichte schreiben.

Einen  kleinen Wermutstropfen gab es an diesem wunderbaren Abend übrigens auch noch: Kein einziger Mensch war auf die Idee gekommen, mich zu fragen, aus welchem Material meine Strümpfe sind.

Ein großes Dankeschön übrigens noch einmal an die Deutsche Umwelthilfe und ganz besonders an Erika Blank (siehe Foto), die uns die Teilnahme an dieser Preisverleihung ermöglicht haben.

12Dec/109

Deutscher Umweltmedienpreis

Teil 1:  Die Vorbereitungen

Am 30. November wurde Werner Boote für „Plastic Planet“ mit der Verleihung des Deutschen Umweltmedienpreises in der Kategorie Film geehrt. Dieser Preis wird von der deutschen Umwelthilfe (DUH) für „herausragende Leistungen bei der journalistischen und schriftstellerischen Auseinandersetzung mit der Erhaltung der natürlichen Lebensgrundlagen“ verliehen und gehört mittlerweile zu den begehrtesten Auszeichnungen im Bereich Umwelt -und Nachhaltigkeitsjournalismus.

Als ich ca. 6 Wochen vor der Preisverleihung erfuhr, dass Werner diesen Preis heuer bekommen würde, war die Freude natürlich riesengroß. Wir hatten ja seit dem Beginn unseres Experiments vor mehr als einem Jahr viele sehr motivierende gemeinsame Erlebnisse und ich habe Werner bei all seinen Auftritten immer genauso engagiert, chaotisch, authentisch und witzig erlebt, wie damals im September 09, als ich ihn bei der Filmpremiere von „Plastic Planet“ zum ersten Mal sah.

Daher zögerten Peter und ich auch nicht lange, als uns die Deutsche Umwelthilfe zur Preisverleihung einlud, um dort als „Überraschungsgäste“ für Werner aufzutreten.

Allerdings hatte ich die Vorbereitungen für den Auftritt ein wenig unterschätzt.

Peter, dem die ehrenvolle Aufgabe zufiel, meine Geschenksidee für Werner in die Tat umzusetzen, schuf in unzähligen Arbeitsstunden einen wirklich einzigartigen Planeten aus Holz, Messingdraht und Papiermache. Ich hatte mir das alles wieder einmal viel einfacher vorgestellt….

Der Holzplanet

Meine Vorbereitungen waren indes nicht weniger anspruchsvoll. Da für den Auftritt bei der Preisverleihung Abendgarderobe gewünscht war, benötigte ich nämlich ein Paar plastikfreie Strümpfe, die ich zu meinem Kleid tragen konnte. Bei diversen anderen Veranstaltungen im Zusammenhang mit unserem Experiment, hatte ich nämlich unangenehme Fragen bezüglich des Materials meiner Strümpfe über mich ergehen lassen müssen, weshalb ich dazu übergegangen war, zu solchen Anlässen nur mehr Hosen aus 100% Naturfaser zu tragen. Beides – die unangenehmen Fragen und die Naturfaserhosen – wollte ich bei diesem speziellen Anlass umgehen.

Doch auch hier wieder dasselbe Problem: Ich stelle mir einfach alles immer viel zu einfach vor!! Nachdem ich ganz Graz vergeblich nach Seidenstrümpfen abgeklappert hatte und dabei sicher 20 mal erklärt hatte, dass es in diesem speziellen Fall eben NICHT ausreichte, dass sich „silktouch“ Nylonstrümpfe genauso seidig anfühlen, wie echte Seidenstrümpfe, versuchte ich mein Glück im Internet. Ich fand auch tatsächlich einen deutschen Versand der zumindest eine Art von Seidenstrumpfhosen und Seidenstrümpfen im Programm hatte. Allerdings war das erst 7 Tage vor unserem Auftritt und ich befürchtete, dass die Sendung nicht mehr rechtzeitig ankommen würde und ich dann umsonst ein kleines Vermögen ausgegeben haben würde.

Meine letzte Hoffnung war also Wien, wo ich vor unserer Berlinreise noch ein paar Tage mit einer Freundin verbringen wollte. Doch auch hier schien die “Operation Seidenstrümpfe“ vorerst aussichtslos zu sein. Ich war bereits 2 Tage erfolglos in Wien unterwegs, als ich schließlich von Werner, den ich in meiner Verzweiflung um Rat gefragt hatte, einen sehr entscheidenden Hinweis bekam (und das obwohl er angeblich nur „sehr selten“ solche Sachen kauft!). Das von ihm empfohlene Geschäft führte zwar selbst keine Seidenstrümpfe, ich bekam aber dort eine weitere Empfehlung. Schon beim Betreten dieses Ladens war mir klar, dass es hier sicher keine „Schnäppchen“ geben würde, doch als die Verkäuferin auf meine wenig hoffnungsvolle Frage nach Seidenstrümpfen tatsächlich nickte, hätte ich sie am liebsten umarmt! In so einem Fall fragt man dann nicht mehr nach dem Preis….

Mein Gewissen konnte ich nur damit beruhigen, dass ich im letzten Jahr, seit Beginn unseres Experiments kaum mehr Geld für Bekleidung ausgegeben hatte.

Und was Peters Reaktion anbelangte,  so hatte ich in diesem speziellen Fall die berechtigte Hoffnung, dass er sich aus einem gewissen Eigennutz heraus über dieses Luxusgut nicht allzu sehr aufregen würde…

(Fortsetzung folgt in Kürze)

28Nov/106

Anstiftung zur Plastiksackerlverweigerung und ein plastikfreier Geschenktipp

Nach nunmehr über einem Jahr Laufzeit unseres Experiments hat sich ein großer Erfahrungsreichtum in Hinblick auf „plastikfreies Einkaufen“ angesammelt und man sollte meinen, dass wir uns mittlerweile nur mehr mit den wirklich diffizilen Details der Plastikvermeidung beschäftigen müssen.

Eines dieser ungelösten Detailprobleme wäre zum Beispiel die Frage, ob vielleicht doch irgendwo Lebensmittel (wie z.B. Zuckermais, Honig ..usw.) in Gläsern mit Metallschraubverschlüssen ohne die üblichen Kunststoffdichtungen erhältlich sind oder wie man sich eine Holzzahnbürste im Internet bestellen kann, ohne dass diese in mehrere Plastikhüllen verpackt geliefert wird oder wie man es schafft, diverse Kataloge und Zeitschriften, die man prinzipiell gerne lesen würde, ohne Plastikverpackung zu erhalten….

Weltrekord in Wieselburg

Weltrekord in Wieselburg

Es gibt also auch nach einem Jahr durchaus noch genügend ungelöste Kleinigkeiten auf dem Weg zur absoluten „Plastikmüllverweigerung“ und ich gebe die Hoffnung nicht auf, auch dafür früher oder später noch eine Lösung zu finden oder einen guten Tipp zu erhalten.

Die wirklich „großen“ Themen sind aber auch ein Jahr nach „Plastic Planet“ noch immer viel banaler. Das hat mir zuletzt erst vor einigen Tagen wieder einmal eine kurze Notiz in der „Kleinen Zeitung“ klar gemacht. Im Bezirk Los Angeles werden ab Juli 2011 Plastiktaschen verboten, womit die jährliche Abfallflut von ca. 6 Milliarden Plastiktaschen bekämpft werden soll. In San Francisco, Washington und Malibu gelten bereits solche Verbote…hier könnte man sich also durchaus einmal ein gutes Beispiel an amerikanischen Großstädten nehmen.

An mir selbst bemerke ich in letzter Zeit, dass mir das selbstverständliche Verpacken von z.B. Kleidungsstücken in Plastiksäcke und speziell die konsequente Werbestrategie eines bekannten Drogeriemarktes: „Darf´s ein Gratissackerl sein?“ zunehmend mehr Beherrschung abverlangen. Der Impuls, ungefragter Weise für die, vor mir an der Kassa stehenden Menschen mit einem deutlichen und klaren „Nein“ zu antworten, wird manchmal schon bedrohlich stark.

Zum Glück waren mein fester Entschluss, mich trotz aller Überzeugung nicht dem Ökoterroristenimage anzunähern und mein Glaube an die Entscheidungsfreiheit jedes Einzelnen bis jetzt immer noch ein bisschen stärker.

Aber man kann dieser Entscheidungsfreiheit ja zumindest ein paar neue Grundlagen verschaffen.

So hat etwa die niederösterreichische Stadt Wieselburg heuer im Herbst im Rahmen der Aktion „my bag is not plastic“ über 4000 verschiedene Stofftaschen gesammelt und möchte im Folgenden die erste plastiktaschenfreie Stadt Österreichs werden.

Und damit sind wir beim entscheidenden Punkt dieser Geschichte angelangt: Für das Gros der KonsumentInnen geht es in Bezug auf  Plastikvermeidung nicht um die oben genannten Detailfragen. Nein, es sind die „stinknormalen täglichen Gratis- (oder auch nicht gratis) plastiksackerl“, die immer noch in rauen Mengen über die Ladentische wandern und einen riesigen Müllberg verursachen  (Ein Mensch verbraucht im Schnitt 288 Stück davon pro Jahr!!).

Und damit komme ich auch schon zu meinem heutigen plastikfreien Geschenkstipp:

Einige von Euch haben auf diesem Blog sicher schon meine ersten Versuche, eine Stofftasche selber zu nähen, verfolgt und hoffentlich gebührend bewundert. Peters Nähmaschine stammt nämlich noch von seiner Oma und ich bin alles andere als eine geübte Schneiderin. Dennoch ist es mir gelungen (mit ein wenig Coaching von Peter) eine eigene Stofftasche zu nähen. Wer sich das partout nicht zutraut, hat zumindest die Möglichkeit sich eine bereits fertig genähte Tasche zu besorgen und diese kreativ zu gestalten. Mit ein wenig Mut und Phantasie, können auf diese Weise wunderbare, höchstpersönliche Weihnachtsgeschenke entstehen!

Angesichts der drohenden weihnachtlichen Plastik(verpackungs)flut wäre natürlich auch noch eine kleine „Gebrauchsanweisung“ für das selbst gemachte Stoffsackerl sinnvoll. Dabei kann man, je nach Bewusstseinsstand des Beschenkten, seiner Phantasie freien Lauf lassen.

Den wichtigsten Punkt, der meiner Meinung nach jedenfalls Inhalt der Gebrauchsanweisung sein sollte, möchte ich Euch dennoch nicht vorenthalten:

Zumindest ein Stoffsackerl sollte wirklich IMMER mitgenommen werden (auch wenn man ursprünglich gar nicht vorhat, einkaufen zu gehen) um es im Fall des Falles je nach individuellem Charakter und Tagesverfassung triumphierend, schüchtern oder einfach ganz nüchtern hervorzuholen, bevor man mehr oder weniger unfreiwillig in den Besitz eines weiteren unnötigen Plastiksackerls kommt. Vielleicht bin ich ja nach einem Jahr Experimentzeit tatsächlich schon ein wenig seltsam, aber mir gibt das jedes Mal ein super Gefühl.

Weltrekord in Wieselburg

Außerdem haben wir im Zuge einer Ausmistaktion gerade erst ein riesiges geheimes Plastiksackerldepot entdeckt, das wir bei unserer Hausräumung vor einem Jahr anscheinend "übersehen" haben und das nun bei den übrigen ausgemisteten Plastiksachen im alten Stall gelandet ist. Dieser Anblick hat mich wieder ganz massiv in der radikalen Plastiksackerlverweigerung bestärkt! Wir werden den Plastiksackerlhaufen jedenfalls noch eine Zeit lang als Mahnmal im Stall belassen.

Also: Am besten gleich heute zu nähen beginnen, denn Weihnachten ist nicht mehr weit und es gibt definitiv noch genügend Leute, die von der „Plastiksackerlverweigerung“ überzeugt werden könnten.

Ich wünsche Euch viel Spaß beim Ausprobieren und freue mich schon sehr auf die ersten Erfahrungsberichte!

2Nov/105

Ein plastikfreies Hüttenwochenende

HüttenwochenendeSeit nunmehr 6 Jahren veranstalte ich jährlich einmal ein Hüttenwochenende für Kinder im Volksschulalter (ca. 6 bis 10 Jahre), das seit jeher unter dem Motto „Erlebniswochenende“ stand.

Damit ist gemeint, dass es an diesen 2 Tagen hauptsächlich darum gehen soll die Natur und die Gemeinschaft in der Gruppe zu erleben, sich an der Essenszubereitung zu beteiligen, zu Schnitzen, im Wald Lager zu bauen, Steckerlbrot und Würstel am Lagerfeuer zu braten…usw.

Konsumieren und sich berieseln Lassen sollte für diese kurze Zeit einmal Pause haben.

Ich erinnere mich noch gut an die Frage eines 7-Jährigen auf der Fahrt zum 1.Hüttenwochenende: „Gibt es da oben einen Fernseher?“

Ich musste damals lachen, als er auf meine Verneinung mit einem enttäuschten „Oh je, das wird dann sicher fad!“ reagierte.

Tatsächlich ist es in all den Jahren noch nie vorgekommen, dass sich eines der Kinder über Langeweile beklagt hätte.

Und auch wir Erwachsenen konnten in diesen 2 Tagen noch nie über Unterbeschäftigung klagen, da wir normalerweise höchstens zu Dritt sind und 25 bis 30 Kinder mitnehmen.

DSCN7713In der Ausschreibung für das Wochenende habe ich auch bisher schon immer darum gebeten, den Kindern kein elektronisches Spielzeug, kein Handy und keine Naschsachen mitzugeben.

Heuer kam noch ein wichtiger Punkt dazu: Wir wollten so wenig Müll wie möglich produzieren. Das Essen sollte natürlich gesund, aber auch möglichst einfach und schnell zu kochen sein. Wir entschieden uns daher für Spaghetti mit Tomatensauce und Erdäpfelgulasch.

Mit Iris und Paul, die heuer erstmalig als Betreuungspersonen mitfuhren, erstellte ich einen detaillierten Einkaufsplan, um wirklich alle Lebensmittel so verpackungsarm wie möglich und natürlich vor allem ohne Plastikverpackung kaufen zu können.

Äpfel, Erdäpfel, Zwiebel und Eier bekam ich nach telefonischer Vorbestellung von Bauern in meiner Nähe. Die Äpfel wurden mir sogar zugestellt, wobei ich wieder mal vergessen hatte, darauf hinzuweisen, dass ich sie nicht in Plastiksäcke verpackt haben wollte. Prompt kam auch eine Lieferung von 15 kg bester Bioäpfel in 2 großen, hässlichen, grünen Plastiksäcken. Mein Lieferant war zwar ein wenig erstaunt, hatte aber nichts dagegen, die Plastiksäcke wieder mit zunehmen, nachdem ich die Äpfel in eine Kartonschachtel umgelehrt und ihm erklärt hatte, dass er die Säcke sicher noch für irgendetwas brauchen könne.

Die Biofrankfurter, die wir am Abend am Lagerfeuer grillen wollten, besorgte Iris am Bauernmarkt in Graz – extra für uns nicht in Plastik eingeschweißt, sondern lose. Für den Transport wurden sie in einen großen Kochtopf verpackt.

HüttenwochenendeDie Tomaten für die Spaghettisauce kamen ebenfalls von Iris Stamm- Biobäurin. Paprika, Gurken und Käse bestellte ich über das wöchentliche „Biokisterl“.

Butter, Mehl, Spaghetti, Zucker und Tee besorgte ich im Supermarkt. Selbst gemachte Marmelade nahm ich von zu Hause mit und das Brot kauften wir direkt am Abreisetag bei einem Bäcker ganz in der Nähe.

Was die Milch betraf so entschied ich mich letztendlich nur für ein kleines Fläschchen für unseren Kaffe. 5 bis 6 Liter in Glasflaschen mitzunehmen und diese große Menge Milch vorher womöglich auch noch abzukochen, erschien mir einfach zu aufwändig. Heuer würden die Kinder in der Früh eben einfach Tee trinken.

Das alles klingt wahrscheinlich recht kompliziert, aber ich empfand den Einkauf heuer so angenehm wie nie zuvor. Wir hatten einfach weniger verschiedene Dinge gekauft und uns auf das Wesentliche reduziert, dafür war es uns aber gelungen, den gesamten Lebensmittelbedarf für das Wochenende plastikfrei und größtenteils in Bioqualität einzukaufen.

Bis auf – na ja, das obligate Packerl Chips natürlich, das gemeinsam mit einer Flasche Rotwein die traditionelle Belohnung für das Betreuungsteam darstellte, wenn irgendwann zwischen 10 und 11 Uhr endlich Ruhe einkehrte und wir das erste und einzige Mal in diesen 2 Tagen Zeit zum Durchschnaufen hatten.

DSCN7690Für die Naschereien der Kinder sorgten netterweise wieder einige freiwillige Elternteile (Mütter!!) in Form von selbst gemachtem Kuchen und Keksen.

Es war also bestens für unser leibliches Wohl gesorgt und bereitete mir großes Vergnügen, zu beobachten, wie sogar die „sehr heiklen“ Kinder ihren Zwischendurchhunger ganz einfach mit Äpfeln und Butterbroten stillten. Außerdem machten uns einige Kinder Komplimente für unsere selbst gemachte Tomatensauce, nur ein 1.Klässler meinte, dass Mamas Sauce aus dem Glas besser sei, weil sie nicht „solche Stücke“ hätte.

Ich hatte natürlich auch mit den Kindern darüber geredet, dass wir die Hütte heuer praktisch ohne Müll wieder verlassen wollten und am Ende der 2 Tage waren daher alle sehr stolz, dass wir nur die Butterverpackungen, einige gebrauchte Taschentücher, die ich beim letzten Rundgang in der Hütte gefunden hatte und ein paar leere Glasflaschen wieder mitnehmen mussten.

Die Papierverpackungen waren am Vortag zum Anheizen des Lagerfeuers verwendet worden, den Biomüll, der hauptsächlich aus Erdäpfel - und Zwiebelschalen bestand, durften die Kinder im Wald „vergraben“ und die Chipsverpackung hatte ich aus pädagogischen Gründen unterschlagen.

Bei der abschließenden „Was hat Dir am besten gefallen?“ – Runde, war zwar auch diesmal , das Lagerfeuer unschlagbarer Spitzenreiter, aber eine von Leos Mitschülerinnen, schloss die Rund schließlich mit einem mitleidigen Blick auf das kleine Papiermüllsackerl, das ich während der gesamten Abschlussrunde in der Hand gehalten hatte, mit den Worten.“…dass wir so wenig Müll gemacht haben!“

Und so konnten wir alle die Hütte am Sonntagabend zwar etwas erschöpft, aber glücklich, zufrieden und frei von Plastikmüll verlassen.

7Oct/101

Urlaub am Meer (Teil 3)

Recycling der besonderen Art

u31Bei einem abendlichen Gespräch mit unseren Freunden über die unübersehbare „Plastikflut“ hatte Hans eine zwar gewagte, aber angesichts der unleugbaren Tatsachen vielleicht nicht ganz unrealistische Zukunftsvision. Er meinte dass es spätestens für die Kinder unserer Kinder völlig normal sein würde, auf „Plastikstränden“ Urlaub zu machen. Plastik statt Schotter, Sand und Fels – teilweise ja heute schon Realität. Man könnte es auch als eine spezielle Art von Recycling sehen. Denn in der Argumentation mancher Zeitgenossen wird ja praktisch jede über den primären Verwendungszweck hinausgehende Existenz von Plastikprodukten als Recycling bezeichnet. Vielleicht muss man es den Menschen ja nur richtig verkaufen und sie werden eines Tages auf den schönen, bunten Plastikstränden ganz glücklich sein….
Gegen solche und ähnliche zynische Gedanken musste ich im Laufe dieses Urlaubes des Öfteren ankämpfen. Und dabei war auch mir nicht zuletzt das altbekannte und bewährte Ausblenden hilfreich. Als wir dann gegen Ende des Urlaubs erfuhren, dass „unsere“ schöne Bucht nicht von Natur aus nahezu plastikfrei war, sondern einfach regelmäßig gesäubert wird und ich bei einem Strandlauf schließlich in der Nachbarbucht das Ergebnis dieser Sammelaktionen entdeckte, konnte mich das gar nicht mehr besonders erschüttern. Auch hierzu gibt es aber natürlich ein Foto!

Die Sinnfrage

Urlaub am MeerIch muss zugeben, dass mir unser kleines Experiment an den Stränden von Vis einige Male fast sinnlos erschien – ein kleines Sandkorn in einem riesigen Plastikuniversum!
Doch die Anflüge von Resignation währten zum Glück nur kurz. Die Strände von Vis haben mir ob ihres extremen Kontrastes von unglaublicher Schönheit und Zerstörung nicht nur Tränen der Fassungslosigkeit beschert, nein, sie haben auch meinen Widerstandsgeist ganz extrem angestachelt, ganz ähnlich wie es vor fast einem Jahr durch „Plastic Planet“ passiert ist. Die mir so bekannte Gefühlsmischung aus Trotz, Eigensinn, Mut und Leidenschaft half mir schließlich, den Fokus wieder dorthin zu legen, wo die Ohnmacht endet und die eigene Verantwortung beginnt.
Nachdem sich in einem von Peter etwas bruchstückhaft gedolmetschten Gespräch mit unserer Vermieterin unsere Vermutung bestätigt hatte, dass es auf Vis keine Mülltrennung gibt (im Gegensatz zum kroatischen Festland), beschlossen wir also unseren Müll wieder mit nach Hause zu nehmen. So landeten also alle mitgebrachten und vor Ort gekauften Gläser und Flaschen, Metalldeckel, Karton- und Papierverpackungen, sowie die „Plastiksünden“ dieses Urlaubs (eine 1Liter Joghurtflasche und 2 Chipsverpackungen) wieder in unserem Kofferraum. Nur der Biomüll blieb auf der Insel.

Urlaub am MeerUnd sogar beim Einkaufen, das hier wirklich von Plastik geprägt ist (sogar einzelne PET-Flaschen ließen sich die Leute teilweise in Plastiksackerl verpacken und selbst das Bier ist hiervor Plastikflaschen nicht sicher!), gab es letztlich noch kleine Erfolgserlebnisse. Peters erster Weineinkauf direkt beim Weinbauern war noch ein wenig schwierig, obwohl der Wein selbst zum Glück noch in Glasflaschen verkauft wird. Doch bevor er sich versah, waren die Weinflaschen schon in Plastiksackerln verpackt. Als Peter diese mit Hinweis auf die mitgebrachten Stofftasche ablehnte, wollte der bemühte Weinverkäufer ihm die Flaschen samt Plastiksackerln in die Tasche stellen und erst nachdem auch das an Peters zähem Widerstand gescheitert war, „verstand“ er schließlich, stellte die Weinflaschen unverpackt in die Stofftasche, knüllte die Plastiksackerln zusammen und warf sie zum Müll…
Dafür reagierten sowohl der Bäcker, der jeden Morgen nach Rucavac kam, als auch die Obst - und Gemüseverkäuferin äußerst aufmerksam auf unsere speziellen Wünsche. Schon beim 2. Einkauf ließ der Bäcker ohne weitere Aufforderung das Plastiksackerl liegen und füllte mir Brot und Gebäck in die mitgebrachte Tasche.
Und die Obst -und Gemüseverkäuferin war überhaupt sensationell. Trotz sprachlicher Barriere interpretierte sie meine hilflosen Versuche, ihr zu erklären, dass ich trotz heillos überfüllter Stofftasche für die Erdäpfel kein Extraplastiksackerl wollte richtig und kramte lächelnd ein Papiersackerl hinter ihren Gemüsekisten hervor.

Urlaub am MeerUnser Weineinkauf im Hafen von Vis direkt vor der Abreise war dann auch noch ein wirklich versöhnlicher Abschluss: Als wir der dortigen Verkäuferin unser Stoffsackerl vor die Nase hielten, um sie gar nicht erst auf die Idee kommen zu lassen, nach den omnipräsenten Plastiksackerln zu greifen, nickte sie verständnisvoll und sagte:“ Oh yes, I understand, it´s really terrible, this plastic…!“ In diesem Moment hätte ich die gute Frau am liebsten umarmt.Als wir die Insel Vis schließlich hinter uns ließen und von der Ferne wieder alles so heil aussah, bemerkte ich plötzlich, das das Zweifeln und Hadern, der letzten Tage vorbei war. Und ich war mir plötzlich wieder sicher, dass die Menschheit nicht nur eine ungehörig große zerstörerische Kraft besitzt, sondern sich auch nach Schönheit, Unberührtheit und Lebendigkeit sehnt. Das ist die große Hoffnung, die ich trotz aller Realitäten aus dem heurigen Sommer mitnehme.

30Sep/105

Urlaub am Meer (Teil 2)

Urlaub am Meer

Die Insel Vis wurde erst nach Ende der Tito –Ära für Touristen zugängig gemacht – das war bei unserem letzten Besuch vor 15 Jahren noch sehr deutlich spürbar. Aber auch jetzt ist die kleine Insel noch kein Ort des Massentourismus. Es gibt ein einziges kleine Hotel direkt in der Stadt Vis und sonst nur private Apartments oder Zimmer. Deren Anzahl ist zwar in den letzten 15 Jahren stark gestiegen, dennoch hat man, beim Erkunden der Insel oft noch das Gefühl, sich in einem kleinen Paradies zu befinden.

Urlaub am MeerSchon bei der Quartiersuche waren wir von der Schönheit der Insel überwältigt und der Ausblick von der Terrasse unseres Apartments aufs Meer, vermittelte mir jeden Morgen wieder das Gefühl, mich in einem schönen Traum zu befinden. Bevor wir gegen Abend des ersten Tages zum ersten Mal den südöstlich gelegenen Strand unseres Urlaubsortes Rucavac aufsuchten, war das paradiesische Bild nahezu perfekt.

Das änderte sich wie nicht anders zu erwarten mit dem ersten Strandbesuch. Schon auf dem Weg dorthin stolperten wir über die ersten Plastikflaschen und sowohl im felsigen, schroffen bereich der Küste als auch in der Schotterbucht, fanden sich verschiedene Arten von Plastikmüll – allerdings in relativ geringem Ausmaß und so gesehen war ich nach den Erlebnissen des Vorjahres beinahe schon positiv überrascht.

Diese Überraschung steigerte sich noch, als wir am nächsten Tag auf Empfehlung unserer Wirtin die westlich gelegene Bucht von Rucavac aufsuchten. In dieser wunderschönen, von flach ansteigendem Fels umrahmten Schotterbucht, fand ich bei einem ersten Rundgang tatsächlich so gut wie keinen Müll. Im hinteren, bewaldeten Bereich der Bucht gab es auch einige Mülltonnen und sogar 4 chemische Toiletten.

Die Tatsache, dass auch über Nacht anscheinend  kein Müll aus dem Meer angeschwemmt wurde, führte ich vorerst vor allem auf die etwas geschützte Lage zurück.

Das verlorene Paradies

Urlaub am MeerNach einigen Tagen begannen wir mit der weiteren Erkundung der Insel. Der Weg in die kleine Stadt Komisa war geprägt von beeindruckenden Naturschönheiten: Azurblaues Meer, wilde Küste mit vorgelagerten Inselchen, kleine Buchten, Olivenhaine, Steinmauern – jeder Blick ein Foto wert.

Kurz bevor wir Komisa erreichten, bot sich uns dann allerdings ein Bild, das sich kaum beschreiben lässt. Hier sagen Bilder wirklich mehr als 1000 Worte – sogar die Kinder waren, nachdem wir die mitten in die Küstenlandschaft eingebettete Mülldeponie entdeckt hatten, für kurze Zeit sprachlos.

Die weitere Erkundung der Küste und anderer Buchten brachte das Paradies leider noch mehr ins Wanken.

Auch hier möchte ich am liebsten wieder Bilder sprechen lassen.

Urlaub am MeerDer kleine Müllberg vor dem Schwemmholz ist zum Beispiel das Ergebnis einer 3 bis 4-minütigen Sammelaktion im Umkreis von einigen Quadratmetern um unseren Liegeplatz und zwar in einer der schönsten Buchten der Insel, der Stiniva-Bucht.

Wirklich schlimm wurde es dann allerdings, als wir in der Nähe der Stadt Vis ein potentielles Quartier für das nächste Jahr besichtigten. Aus der Entfernung wirkte auch hier alles perfekt: Ein altes Steinhaus, alleine in Mitten eines Weingartens auf einer Landzunge, rundherum Blick aufs Meer, die Hänge zum Meer mit wildem Rosmarin und Lorbeer bewachsen, schroffe Felsen und 2 kleine Schotterbuchten. Auf dem Weg zur Bucht bemerkte ich allerdings schon aus der Weite einige bunte Flecken am Strand, die ich zuerst noch für liegen gebliebene Handtücher hielt – ein interessantes Phänomen, dieses „Nicht-wahr-haben-wollen“!

Urlaub am MeerUnschwer zu erraten, was wir tatsächlich in der Schotterbucht vorfanden – auch dort habe ich zahlreiche Fotos gemacht, was mir in meiner Familie den Beinamen „Mülljournalistin“ einbrachte – aber ich konnte irgendwie nicht anders.

Als Peter, Marlene und Leonard schließlich ihren Versuch - trotz des durchgehend mit Plastikmüll verunreinigten Strandes - im glasklaren Wasser ein kurzes Bad zu nehmen, aufgaben, weil auch dort überall die typischen kleinen Plastikfetzen herumtrieben, war ich tatsächlich den Tränen nahe.

Diese Fotos zumachen, war in diesem Moment für mich einfach ein wichtiger Akt gegen das Ausblenden der Realität. Es wäre einfach nicht richtig gewesen nur die Schönheit der Insel festzuhalten, es wäre eine völlig unzulässige Verfälschung des Gesamtbildes gewesen.

Zum Fotoalbum

(Fortsetzung inklusive Hoffnungsschimmer folgt in Kürze!!)