Filmtipp von den Produzenten von Plastic Planet
Für alle, die wieder einmal Lust auf einem aufrüttelnden Dokumentarfilm haben.
Achtung: Er könnte Ihr Einkaufsverhalten entscheidend verändern!
Der Dokumentarfilm Bulb Fiction nimmt das Verbot der Glühlampe zum Anlass, um Macht und Machenschaften der Industrie, sowie den Widerstand gegen die „Richtlinie zur Regulierung von Lichtprodukten in privaten Haushalten“ zu portraitieren. Es geht um die Macht der Lobbys, die Verstrickung der Politik, um Profit und Scheinheiligkeit, um bewusste Fehlinformation. Von den Produzenten von Plastic Planet. Ab 16.9.2011 im Kino.
Genauere Infos zum Film unter: http://www.bulbfiction-derfilm.com
Aufruf an Firmen
Auf vielfachen Wunsch nun endlich den Musterbrief, den Esther Weinz aus Kassel mit uns gemeinsam erstellt hat.
Verschickt ihn an möglichst viele Firmen, deren Produkte Ihr lieber OHNE Plastikverpackung kaufen würdet.
Wer mir ein MAil an keinheimfuerplastik@aon.at schickt bekommt auch gerne die Words - Version von mir zugeschickt! Natürlich auch gerne zum Weiterschicken!!
Plastikfrei besser leben!
An die Firma:
_________________, den __________
Verbraucheranfrage zur Verwendung von Kunst- und Schadstoffen in Ihren Produkten und als Verpackungsmaterialien
Sehr geehrte Damen und Herren,
wir von der Initiative „Plastikfrei besser leben“ und „Kein Heim für Plastik“ sind seit vielen Jahren VerbraucherInnen Ihrer hervorragenden Produkte. Leider ist zu beobachten, dass auch bei Ihnen der Plastikanteil in der Verpackung von ökologischen Produkten ständig zunimmt oder immer noch viel zu hoch ist. Wir sind empört und sehr besorgt über diese Entwicklung.
Deshalb haben wir, inspiriert durch den Film Plastic Planet von Werner Boote und der Initiative „Kein Heim für Plastik“ aus Österreich auch in Kassel begonnen, möglichst plastikfrei einzukaufen - mit dem Ergebnis, dass unsere Einkaufswagen deutlich weniger gefüllt waren.
Im Experiment „Kein Heim für Plastik“ versuchen Sandra Krautwaschl und Peter Rabensteiner gemeinsam mit ihren 3 Kindern seit mehr als einem Jahr, den alltäglichen Einkauf so weit als möglich plastikfrei zu gestalten. Das ist jedoch gerade bei Bioprodukten oft besonders schwierig.
Wie Ihnen sehr wahrscheinlich bekannt sein dürfte, bringt der nachlässige Umgang mit Plastik große Belastungen für Umwelt und Gesundheit bei gleichzeitiger Ressourcenverschwendung mit sich. Die Plastikverseuchung in den Weltmeeren und auf den Kontinenten, besonders in Asien und Afrika, gelangt erst langsam ins Bewusstsein der Öffentlichkeit. Leider sind effektive Maßnahmen noch viel zu selten. Das wollen wir ändern.
Deshalb können wir uns vorstellen, dass Sie als Hersteller/Händler oder Ladeninhaber in der Lage sind, Ihre ökologische Ware umweltfreundlich zu verpacken oder dieses in naher Zukunft zu veranlassen. Vieles kann ohne Verpackung oder in Papier und in Biokunststoff verkauft werden. Wir sind der Meinung, dass es zu Ihrer Sorgfaltspflicht als Anbieter im Ökobereich gehört, umwelt- und gesundheits-verträgliche Produkte auch in der Verpackung zu verwenden!
Welche Bemühungen gibt es in Ihrem Unternehmen umweltschädliche Verpackungen zu vermeiden?
Gerne möchten wir Ihre positive Entwicklung in unserer Öffentlichkeitskampagne verbraucherwirksam darstellen.
Wir starten von Kassel, Deutschland, und von Eisbach, Österreich, aus eine europaweite Initiative und hoffen, Ihre plastik- und schadstofffreien und biologisch erzeugten Waren in unsere Produkten-Positivliste aufnehmen zu können. Ihr Unternehmen kann diese Produkte hier einsehen und einstellen: www.plastikfrei.at
Bei Beratungsbedarf stehen wir gerne zur Verfügung. Über unsere Kontaktdaten gelangen Sie zu ausführlichen Informationen, siehe unten.
Verbunden mit unserem großen Wunsch für eine nachhaltige und zukunftssichernde Wirtschaftsweise hoffen wir auf gute Kooperation mit Ihnen.
Mit freundlichen Grüßen
Esther Weinz, UmweltCoach, Theatertrainerin, Kassel, D
Isabel Wilke, Diplom-Biologin, Kassel, D
Heino Kirchhof, Diplom-Ingenieur, Lohfelden, D
Katrin Wessolowski, Diplom-Ingenieurin Landschafts- und Freiraumplanung, Kassel, D
Sandra Krautwaschl, Physiotherapeutin, Eisbach, A
Peter Rabensteiner, Sonderschullehrer, Eisbach, A
Werner Boote, Regisseur Plastic Planet, Theaterwissenschaftler, Publizist, Soziologe, A
Elke Zwinge, Lehrerin, Berlin, D
Ulrike Arndt-Ladleiff, Ärztin, Kassel, D
Erna Fertinger, Diplom-Sozialpädagogin, Lobenhausen, D
Susanne Johannsmann, Meisterin Kleinradmechanik, Lobenhausen, D
Kurzer Zwischenstand
Liebe "Kein Heim für Plastik" LeserInnen"!
Sicher wundern sich Einige von Euch schon, dass ich aus dem fast plastikfreien Haushalt im Moment so wenig Neues berichte. Das liegt allerdings nicht daran, dass sich nichts tut, sondern eigentlich im Gegenteil, daran, dass sich enorm viel tut!
Ich arbeite zur Zeit sehr intensiv am Manuskript für das Buch über unser Experiment, das ich Ende September abgeben muss und gleichzeitig läuft ja, wie Ihr wisst das Projekt "Change bag - Vom Kunststoff zum Echtstoff".
Beides macht mit großen Spass, ist aber auch durchaus arbeitsintensiv und daher komme ich im Moment nicht wirklich dazu, auch noch andere Dinge zu schreiben.
Ich bitte Euch daher noch ein wenig um Geduld. Kommentare und Fragen beantworte ich natürlich auch bis September, aber neue Inputs von meiner Seite wird es voraussichtlich erst danach geben. Nach dem Urlaub gibt es ja sicher wieder viel Neues zu berichten!
Nun bin ich erstmal bis 15. August weg (ganz ohne Internet!!!). Ich freue mich aber natürlich trotzdem sehr über Fragen und Kommentare von Eurer Seite und natürlich über jede Stofftasche, die Ihr mir für mein Projekt zukommen lasst! (siehe auch unter "Change bag" auf facebook!)
Bis dahin wünsche ich allen einen erholsamen Sommer und viel Spas beim Plastik Vermeiden!
LG Sandra
Der STOFF aus dem die TASCHEN sind….
Wir freuen uns, wenn wir für das Projekt "Vom Kunststoff zum Echtstoff" (siehe weiter unten), Stofftaschen auch von weit her bekommen würden!
Schickt Eure Taschen an: Sandra Krautwaschl, Hörgas 56, A-8103 Eisbach
Flurreinigung 2011
Unsere Tochter Marlene und ihre Freundin Melinda haben anlässlich der heurigen Flurreinigung in unserer Gemeinde unseren Umweltminister eingeladen:
Sg. Hr. Umweltminister Berlakovich!
Vor einigen Monaten sahen wir uns im Fernsehen eine Sendung zum Thema Müll und Plastiksackerlverbot, in der Sie ein kurzes Interview gaben. Sie sagten darin, dass es kein Müllproblem in Österreich gibt.
Wir möchten Sie darauf aufmerksam machen, dass wir bei der Flurreinigung 2010 auf einer Fläche von max. 800 Quartratmetern 110 Liter Müll eingesammelt haben. Falls Sie sich davon überzeugen möchten, wie viel Müll es bei uns in Wäldern, Wiesen und überall dort, wo er nicht hin gehört, gibt, laden wir Sie herzlich zur diesjährigen Flurreinigung am 16. April 2011 ein (Treffpunkt: um 8 Uhr im ASZ Eisbach-Rein).
Wir würden uns wenigstens über eine Rückmeldung freuen.
Mit freundlichen Grüßen,
Marlene Rabensteiner (12 Jahre)
Melinda Schatz (12 Jahre)
Die Flurreinigung ging dann allerdings doch ohne unseren Umweltminister über die Bühne:
Video von der Flurreinigung
Zumindest hat unser Umweltminister ihnen aber einige Tage später eine Antwort geschickt:
Liebe Marlene! Liebe Melinda!
Vielen Dank für euer Mail. Der Schutz der Umwelt ist auch mir persönlich ein ganz besonderes Anliegen. Euer Eifer, an der Flurreinigungsaktion eurer Gemeinde teilzunehmen, ist ein toller, aktiver Beitrag zum Naturschutz.
Wenn ich in dem Interview gesagt habe, dass die Plasticksackerln in Österreich kein Problem darstellen, dann war das im Vergleich zu anderen Ländern gemeint, in denen es keine so gut funktionierende Sammlung und Entsorgung gibt wie bei uns. in Österreich fallen viel weniger Plastiksackerln als Abfall an als etwa in Italien (Dort ersticken jedes jahr unzählige Meerestiere daran.) Klar ist jedoch, dass jedes Plastiksackerl weniger ein wichtiger Schritt zu noch mehr Umweltschutz ist!
Sehr gerne hätte ich euch persönlich bei eurer Säuberungsaktion unterstützt, aber mein übervoller Terminkalender hat eine Teilnahme leider nicht zugelassen.
Ich verspreche euch, dass ich mich auch weiterhin für eine gesunde und lebenswerte Umwelt einsetzen werde. Als kleines Dankeschön für deinen Eifer übersende ich dir eine Stofftasche und einen Einkaufsblock.
Mit herzlichen Grüßen
Nikolaus Berlakovich
Wir freuen uns natürlich sehr über die neue Erkenntnis von Herrn Berlakovich und werden die schöne Stofftasche des Lebensministeriums natürlich in die Aktion "Vom Kunststoff zum Echtstoff" aufnehmen.
Bitte schickt uns auch Eure überzähligen Stofftaschen für unsere große Stofftaschensammelaktion!
“Vom Kunststoff zum Echtstoff”
Wir wollen einen Weltrekord brechen!
Alle, die uns dabei unterstützen wollen, bitte ich um ein kurzes Mail an keinheimfuerplastik@aon.at. Ich schicke Euch dann die Adresse, an die Ihr die Taschen schicken könnt!
Wie bereits angekündigt, möchte ich Euch nun ein Projekt vorstellen, das ich für meine Heimatgemeinde Eisbach, gemeinsam mit den 3 Nachbargemeinden Judendorf-Strassengel, Gratwein und Gratkorn (diese Gemeinden bilden die kürzlich gegründete Kleinregion JEGG und umfassen ca. 20 000 EinwohnerInnen) geplant habe und das nun tatsächlich von allen 4 Gemeinderäten angenommen wurde.
Die Gemeinderäte der 4 Gemeinden der Kleinregion haben sich, angeregt durch einen Projektvorschlag und die Aktualität des Themas, zur Durchführung einer gemeindeübergreifenden Aktion entschlossen.
Die Idee zu diesem Projekt kam mir schon bei der Weltrekordsfeier in Wieselburg. Ich war von dieser Aktion sehr begeistert und fragte mich, wie man die gesammelten Stofftaschen aus aller Welt nun weiterverwenden könnte. Daraus entstand dann die Idee zu meineem Projekt, über dessen Verlauf ich nun immer wieder berichten werde.
Als erstes möchte ich Euch heute den text vorstellen, der nun in allen 4 Gemeindeblättern erscheinen wird, bzw schon erschienen ist:
"Im Projekt „Vom Kunststoff zum Echtstoff“ sollen Maßnahmen zur Müllreduktion,
CO2-Einsparung und Ressourcenschonung mit bewusstseinsbildenden Maßnahmen und einem Wettbewerb verbunden werden.
Die Startaktion für das Projekt
„Change Bag“ ist eine große
STOFFTASCHENSAMMELAKTION!
Die Stadt Wieselburg hat im Herbst letzten Jahres bei einem Weltrekordversuch über 4300 verschiedene Stofftaschen gesammelt und ausgestellt und ist seither auf dem Weg zur ersten plastiktaschenfreien Stadt Österreichs. Wir wollen diesen Weltrekord nun brechen und die gesammelten Stofftaschen in weiterer Folge einer nachhaltigen Verwendung innerhalb unserer Region zuführen.
Aufruf an die
GemeindebürgerInnen
Alle GemeindebürgerInnen der Region sind nun also in einem ersten Schritt dazu aufgerufen Stofftaschen, die in ihren Haushalten überzählig sind, für die Aktion zu spenden. Die Stofftaschen werden ab sofort in den Altstoffzentren der 4 Gemeinden gesammelt. Es können sowohl gebrauchte (wenn möglich gewaschene) als auch selbst genähte oder gestaltete Stofftaschen, aber natürlich auch gerne neue Stofftaschen abgegeben werden. Die SpenderInnen können den Taschen auch gerne mittels Unterschrift eine ganz persönliche Gestaltung verleihen. Auch Stofftaschen aus anderen Regionen und Ländern sind willkommen.
Durch die Sammelaktion soll das Bewusstsein gestärkt werden, dass die meisten Haushalte über sehr nachhaltige und immer wieder verwendbare Einkaufstaschen verfügen, die einfach nur verwendet werden müssten!
In weiterer Folge wird es für Schulen, Kindergärten, Vereine und Einrichtungen auch die Möglichkeit geben, sich mittels eines Gestaltungswettbewerbes für Stofftaschen und eines Ideenwettbewerbes zur Müllreduktion an der Aktion zu beteiligen. Außerdem sollen auch die Gewerbetriebe der Region motiviert werden, ihre Ideen einzubringen und sich an der Aktion mit der Umsetzung konkreter Maßnahmen zu beteiligen.
Am Ende der Sammelaktion soll eine gemeinsame Veranstaltung mit Ausstellung der gesammelten Stofftaschen, evtl. Weltrekordsfeier und Preisverleihung für die schönsten und originellsten Stofftaschen sowie die besten Ideen aus dem Ideenwettbewerb stehen."
Ich hoffe natürlich auf rege Beteiligung der Bevölkerung unserer Region, freue mich aber auch ganz besonders, wenn Ihr mir Taschen aus Euren Regionen oder aus aller Welt zuschickt und für die Aktion spendet!
Immerhin müssen wir über 4300 Taschen zusammenbekommen, um den Weltrekord zu brechen!!
Hoffnungsschimmer
Es gibt Tage, die mich mit all dem Ungemach, der Ignoranz und Ideenlosigkeit von Politik und Wirtschaft und selbst mit der oft unerträglichen Begrenztheit meines eigenen Handlungsspielraumes wieder versöhnen.
Da letzten Freitag so ein Tag war, möchte ich hier davon berichten, um vielleicht auch ein paar von Euch, die sich gerade in einem Motivationstief befinden, wieder ein bisschen aufzubauen.
Der Tag fing schon gut an: Peter und ich waren am Vormittag zu einem Vortrag über unser Experiment in eine Behindertenwerkstatt eingeladen. Da wir beide selbst mit behinderten Menschen arbeiten, waren wir sehr gespannt, wie es uns gelingen würde, das Thema entsprechend aufzubereiten.
Nach kurzer Zeit entwickelte sich der Vortrag aber automatisch zu einer sehr abwechslungsreichen und teilweise sehr amüsanten Diskussion. Die behinderten jungen Männer hatten "Plastic Planet" gemeinsam mit den Betreuern der Werkstätte gesehen und waren teilweise sehr pragmatisch in ihren Ideen zur Plastikvermeidung. Auf meine Frage, wie man ihrer Meinung nach Plastikmüll reduzieren könne, antwortete einer von ihnen ganz trocken:" Nicht kaufen!"
Ja, so einfach könnte es sein und genau so einfach ist es auch tatsächlich oft. Gerade im Bestreben alles zu optimieren und zu verbessern, vergessen wir oft, als erstes an die Dinge zu denken, die gänzlich überflüssig sind.
Am Ende der Veranstaltung hatten wir gemeinsam einige einfach umzusetzende Ideen zur Reduzierung des Plastikmülls in der Einrichtung erarbeitet. Außerdem werden Peter und ich möglicherweise auch noch an einem weiteren Projekt in dieser Firma mitwirken.
Nachmittags bekamen wir Besuch von einer WWF-Jugendgruppe. Der Betreuer der Gruppe Nathan Spees hatte mit uns Kontakt aufgenommen und ich war schon sehr gespannt auf dieses Treffen. Auch Samuel war erfreut über den Besuch und erzählte gleich bereitwillig von den Anfängen unseres Experiments und wie er die ganze Sache erlebt hatte. Mir war schon nach den ersten 10 Minuten mit diesen 7 Jugendlichen klar, dass sie sich nicht nur sehr für das Thema interessierten, sondern sich auch schon ein unglaubliches Wissen dazu angeeignet hatten. So war es für sie – im Gegensatz zu vielen Erwachsenen - zum Beispiel eine Selbstverständlichkeit, dass es keinen Sinn macht, alle gängigen Plastikverpackungen und Plastiksackerln durch Papier, Bioplastik oder andere Alternativen zu ersetzen. Für sie war genau das sonnenklar, was so vielen Menschen (auch solchen, die in der Politik tätig sind!) so schwer begreiflich zu machen ist: Nicht das Ersetzen von Plastik durch andere Materialien, sondern Einsparung und Reduzierung sind die wichtigsten, einfachsten und auch kostengünstigsten Maßnahmen. In unseren Gesprächen und Diskussionen wurden sehr viele Details unseres Experiments beleuchtet, aber auch viele andere Themen angeschnitten.
Ich war fasziniert und beeindruckt, wie leicht diese jungen Leute Zusammenhänge zwischen dem Thema "Plastik" und Themen wie Energiekrise, Klimawandel, Gesundheit, Ernährung, Überfluss, Zerstörung von Lebensräumen....usw. herstellen konnten.
Wirklich begeistert und einige Male auch fast zu Tränen gerührt war ich allerdings von dem grenzenlosen Optimismus, der positiven Herangehensweise und den kreativen Ideen dieser Jugendlichen.
So kam zum Beispiel beim Thema Plastiksackerln sehr schnell die Idee auf, Stofftaschen aus nicht mehr getragenen Kleidungsstücken zu nähen und daraus einen kleinen Wettbewerb zu machen – eine Idee, die ich in kurzer Zeit im Zusammenhang mit einem von mir geplanten Projekt, gerne noch einmal aufgreifen würde. Der Hintergrund dieses Gedankens: Durch den extrem verschwenderischen Umgang der industrialisierten Welt mit Baumwolle, ist auch dieses Material sehr problematisch (Pestizide, Wasserverbrauch, chemische Behandlung und Färbung, Transportwege,...). Deshalb sollten wir nicht laufend neue Stofftaschen anschaffen, sondern das nutzen, was vorhanden ist. So einfach kann das sein! Ja, und so weit denken manche Menschen schon im Alter zwischen 14 und 18 Jahren.
Die sich überschlagenden Ereignisse und die atomare und humanitäre Katastrophe in Japan haben mich persönlich einen Tag später in eine ziemliche Sinnkrise gestürzt.
Was nutzen angesichts des Unfassbaren all meine Bemühungen? Wen kümmern schon ein paar Plastiksackerln, wenn die Welt oder vielmehr die Menschheit sich selbst mit einer unbeherrschbaren und vernichtenden Technologie an den Rande der Selbstauslöschung bringt?
Ja, es gibt Momente, da quälen mich solche Fragen und alles erscheint aussichtslos.
Doch dann fragte ich mich, was wohl die 7 jungen Frauen und Männer, der WWF Gruppe zu meinen resignativen Gedanken sagen würden.
Und plötzlich schien wieder alles recht einfach zu sein: In jedem Ding, das wir kaufen und gleich wieder wegwerfen, in jedem Sackerl, in jedem Handy, das wir nach 2 Jahren austauschen, nur weil wir ein Neues gratis bekommen, stecken ja nicht nur Ressourcen und Chemikalien, sondern auch all die Energie, die für die Erzeugung dieser Produkte und Verpackungen aufgewendet werden musste.
Wenn wir aufhören wollen durch unseren Lebensstil, die Zerstörungunserer eigenen Lebensräumen zu verursachen, dann müssen wir in aller erster Linie einmal die Verschwendung beenden. Und zwar in allen Bereichen!!
Und dabei zählt eben auch JEDER noch so kleine Beitrag jedes Einzelnen von uns!
Danke für den Hoffnungsschimmer und weiterhin alles gute für Eure Projekte!!
Wer sich für eine WWF Jugendgruppe interessiert, findet genauere Infos unter:
Bericht über ein “plastikreduziertes” Studentenleben
Heute möchte ich Euch stellvertretend für viele Mails, die mich erreichen, den Beitrag von Carolin K. aus Trier vorstellen, der mich besonders gefreut hat, weil er zeigt, dass auch sehr junge Menschen sich nicht nur Gedanken machen, sondern in ihrem Alltag auch sehr viele sinnvolle Handlungsansätze finden und umsetzen können.
Beeindruckend finde ich auch, dass Carolin in ihrem Selbstversuch in sehr kurzer Zeit auf ganz ähnliche Ergebnisse gekommen ist, wie wir und auch sehr ähnliche Erfahrungen und Gefühle beschreibt.
Nun zu Carolins Bericht:
Liebe Familie Krautwaschl,
ich folge hiermit mal eurem Aufruf zum Jahreswechsel und berichte über meine kleinen Umstellungen bezüglich des Plastik-Verbrauchs.
Ich habe "Plastic Planet" Ende letzten Jahres gesehen und war, wie wahrscheinlich die meisten Zuschauer, über die Auswirkungen, die der Konsum von Plastikgegenständen mit sich bringt, erschrocken.
Gerade die Tatsache, das ein so allgegenwärtiger und mittlerweile kaum zu vermeidender Stoff so schädlich ist - nicht nur für den Konsumenten, sondern auch für die Tier- und Umwelt -, hinterließ nach dem Ende des Films ein Gefühl der Wut bei mir. Da Wut allein aber nicht hilft, habe ich beschlossen, mir an die eigene Nase zu packen und zu verändern, was in meiner Macht liegt.
Ich bin 21 Jahre und im Oktober letzten Jahres aus dem Elternhaus ausgezogen und lebe nun in einem Studentenwohnheim (und muss demnach auch alle Einkäufe selbst erledigen). Um soviel Plastikmüll wie möglich zu vermeiden, habe ich mir folgende "Regeln" gesetzt:
1. Ich kaufe Obst, Gemüse im Bioladen, wo sie frei ausliegen und nicht verpackt sind. Zum Selbst-Verpacken gibt´s dort Plastik- und Papiertüten. Ich verwende die Papiertüten und benutze sie auch mehrmals, sprich ich nehme sie von zuhause mit, wenn ich zum Einkaufen in die Stadt fahre.
2. Ich versuche auch sonst jegliche Lebensmittel so zu wählen, dass ich Plastikverpackungen umgehen kann (z.B. Getränke und Sahne in Glasflaschen)
3. Ich nehme mir zum Einkaufen immer Stofftaschen mit, um mir die Plastiktüten zu sparen, die einem in manchen Läden beinahe hinterher geschmissen werden. Ich hab aufgehört zu zählen, wie oft ich schon sagen musste "Packen Sie's bitte wieder aus, ich brauch keine Plastiktüte!"
Indem ich diese sehr einfachen Regeln befolge, beschränkt sich mein Plastikmüll auf eine sehr geringe Menge. Da ich ohnehin kein sehr konsumfreudiger Mensch bin, halten sich nämlich auch die Verpackungen sonstiger Gegenstände sehr in Grenzen. Was die Gegenstände an sich betrifft, vermeide ich Plastik ohnehin. Ich brauchte zum Beispiel vor kurzem einen Papierkorb und anstatt eines Plastikeimers habe ich mir einen tollen knallblauen Blecheimer mit Griff geholt.
Besonders in der Küche ist es mir wichtig, Plastik zu umgehen, nicht nur aus Gesundheits- sondern auch aus Geschmacksgründen. Ich fand es schon als Kind furchtbar, wenn man mir Getränke im Plastikbecher angeboten hat, gerade Wasser, weil das immer sofort nach dem Behälter geschmeckt hat.
Auch bei Kleidung und sonstigen Textilien (Kissenbezüge, Bettwäsche etc.) achte ich darauf, möglichst Sachen aus natürlichen Fasern wie Baumwolle, Wolle, Seide etc. zu kaufen. Was mir dabei aufgefallen ist: Synthetik-Klamotten nehmen Schweißgeruch viel eher auf, als Kleidung aus Naturfasern und sehen wesentlich schneller abgenutzt aus.
Ich arbeite seit kurzem übrigens in einem großen Einzelhandel an der Kasse und muss mich jedes Mal wundern, wie viel (in meinen Augen unnötiger) Ramsch gekauft wird. Und jedes kleinste Teil ist doppelt- und dreifach verpackt. Ich würde manchen Leuten am liebsten sagen "Das brauchst du nicht, das brauchst du nicht und das erst Recht nicht!" Und natürlich dann noch die Plastiktüte dazu, um noch ne Schicht darumzulegen.
So, das war´s von mir. Ich möchte zum Schluss noch sagen, dass euer Experiment eine große Inspiration für mich war und ist. Ich finde es ganz toll, was ihr macht und hoffe, ihr werdet noch viele weitere Menschen zum Nachdenken und zu Veränderungen anregen.
Ganz herzliche Grüße aus dem verschneiten Trier,
Carolin
PS: Vielleicht interessierts euch, am 15. März läuft auf arte der Dokumentarfilm "Unser täglich Gift". Auf der Homepage kann man sich einige Ausschnitte ansehen, einer davon ist über Bisphenol A.
http://www.arte.tv/de/Die-Welt-verstehen/Unser-taeglich-Gift/3673748,CmC=3673928.html
Vielen Dank für Deinen Beitrag Carolin.
Ich hoffe, es erreichen mich noch viele derartig motivierende Berichte! (keinheimfuerplastik@aon.at)
Eine Datenbank entsteht (www.plastikfrei.at)
Da sich meine Fähigkeiten im Umgang mit Computern bis vor einem Jahr auf das Schreiben und Ausdrucken meiner Honorarnoten und das damals noch sporadische Beantworten von Mails beschränkte, war ich sehr erfreut, als sich vor ca. einem halben Jahr eine Leserin von „Kein heim für Plastik“, Rima A. bei mir meldete.
Sie war angeregt durch unser Experiment auf der Suche nach plastikfreien Produkten und da meine „Tipps für den plastikfreien Einkauf“ eher allgemeiner Natur sind, bzw. sich in vielen Bereichen auf die speziellen Gegebenheiten in unserer Region beziehen, war sie auf die Idee gekommen, eine Datenbank für plastikfreie und plastikarme Produkte zu entwerfen.
Ich war von der Idee begeistert und bot Rima von meiner Seite jede mögliche Unterstützung inhaltlicher Art an. Kurz darauf stattete Rima uns einen Besuch ab und wir verbrachten einen äußerst anregenden Abend und Vormittag mit Gedanken Spinnen, Ideen Sammeln und Visionen Ausmalen…..am Ende dieses kreativen Prozesses hatten wir die fertige Datenbank eigentlich schon in unseren Köpfen.
Als mich kurz darauf mein guter Bekannter Thomas Eitzenberger fragte, ob ich schon einmal an eine Datenbank für plastikfreie Produkte gedacht hätte, war das natürlich die perfekte Gelegenheit, einen Kontakt zwischen den beiden kreativen Geistern herzustellen.
Thomas – ein übrigens allgemein sehr umtriebiger Mensch mit einem schier unerschöpflich scheinenden Energiepotential – trieb die Sache nun recht zügig voran.
Die Früchte dieser Arbeit werden Euch allen nun in ca. 2 Wochen auf www.plastikfrei.at zur Verfügung stehen.
Für mich stellt dieses Projekt eine perfekte Ergänzung zu „Kein Heim für Plastik“ dar.
Hier wird mit Eurer Mithilfe eine Sammlung von ökologisch sinnvollen (ein kleiner Hinweis darauf, dass Softdrinks in Aludosen nicht unbedingt auf die Seite passenJ) möglichst plastikfreien Produkten entstehen, die nicht nur allen Interessierten die Suche erleichtern soll, sondern letztlich auch zu Verbreitung solcher Produkte beitragen kann.
Sobald die Datenbank mit „Kein Heim für Plastik“ verlinkt ist, werde ich noch einmal extra darauf hinweisen. Inzwischen bitte ich alle, die entsprechende Artikel für die Datenbank kennen, sich auf www.plastikfrei.at anzumelden und die Produkte einzugeben. Bei Fragen könnt Ihr Euch auch an Thomas Eitzenberger ( eth@gmx.at) wenden.
Inzwischen freue ich mich auf weitere Beiträge von Eurer Seite und habe abschließend noch eine Bitte:
Da ich es nicht immer schaffe, auf alle Kommentare sofort zu antworten und ich sie dann oft später nicht mehr wieder finde, bitte ich diejenigen von Euch, die zuverlässig eine persönliche Antwort von mir wollen, den Kommentar immer auch als Mail an keinheimfuerplastik@aon.at zu schicken.
„Müll auf den Tisch“
Heute möchte ich ein kleines Experiment beschreiben, das mir eine Leserin vor kurzem in einem Kommentar beschrieben hat.
Da mir die Idee sehr gut gefallen hat, habe ich Martina gebeten, mir etwas genauer zu beschreiben, wie sie dazu gekommen ist und was sie macht.
Martina lebt mit ihrem Mann und 3 Söhnen in Princeton (USA) und hat sich nach einem, für sie sehr beeindruckenden Filmerlebnis ebenfalls zu einem Experiment entschlossen.
Der Film „Bag it“ thematisiert unter anderem wie tausende Tiere täglich an den Folgen des „Plastikfressens“ verenden.
Tief beeindruckt von den erschütternden Informationen beschloss Martina gemeinsam mit ihrer Familie die Menge an „Verpackungsplastik“, das nach einmaliger Verwendung weggeworfen wird (im Englischen gibt es dafür die treffende Bezeichnung „single use plastic“) in ihrem Haushalt so weit als möglich zu reduzieren.
Eine Woche lang wurde nun der gesamte Plastikmüll der Familie gesammelt und obwohl sie bereits vorher keine Plastiktaschen und Plastikflaschen mehr verwendet hatten, kam eine doch beachtliche Menge zusammen. Am Ende der Woche wurden alle gesammelten Plastikteile (insgesamt 87 Stück) zur genauen Besichtigung auf einen Tisch gelegt und bei jedem einzelnen Stück gemeinsam darüber diskutiert, ob man es in Zukunft vermeiden könnte.
Die Familie unterteilte dazu den gesamten Plastikmüll in 3 Kategorien:
- leicht vermeidbar (z.b. Eier im Karton statt in der Plastikverpackung)
- erfordert etwas Anstrengung (z.B. Milch in Pfandflaschen)
- (im Moment)unvermeidbar (z.B. Zahnpasta)
Durch diesen sehr anschaulichen Versuch haben sich für Martina und ihre Familie sehr viel Möglichkeiten eröffnet, die Reduktion von Plastikmüll in ihrem Haushalt voran zu treiben. Alle sind nun schon sehr gespannt darauf, wie viele bzw. wenige Plastikteile bei einer Wiederholung des Experiments nach einigen Wochen noch übrig bleiben werden.
Ich finde diese Idee einfach großartig, weil das Problem dadurch so deutlich sichtbar wird. Das animiert dazu, mit den einfachen Dingen zu beginnen und weckt den Ehrgeiz der Beteiligten.
Außerdem ist es meiner Meinung nach eine wunderbare Möglichkeit, sich selbst klar zu machen, dass das Weglassen von Dingen, die wir nach einmaliger Benutzung wegwerfen, nichts mit Verzicht zu tun hat.
Ganz besonders motivierend für mich selbst ist die Tatsache, dass sich nun auch in diesem Blog schon Kontakte ergeben, die über den deutschsprachigen Raum hinausgehen. Gerade in den USA gibt es in punkto Müllvermeidung sicher sehr viel zu tun und es tut gut, von Menschen zu erfahren, die mit Freude und guten Ideen einen Beitrag dazu leisten.
Ich wünsche viel Erfolg und hoffe sehr, in ein paar Wochen über den weiteren Verlauf der Sache berichten zu können.