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1Mar/1011

Stranderlebnisse

Eine „Vorahnung“ von Plastic Planet hatten wir bereits vergangenen Sommer. Wie schon in den letzten paar Jahren, sind wir in der letzten Ferienwoche nach Kroatien gefahren. Natürlich ist uns nicht zum ersten Mal aufgefallen, dass an den – um diese Zeit wirklich schon einsamen und idyllischen Stränden – teilweise beträchtliche Mengen an Müll lagern.

Irgendetwas war im Vorjahr allerdings anders. Vielleicht lag es daran, dass Kroatien (möglicherweise als eine Art „Notwehrreaktion“) 2009 ein Pfandsystem für Plastikflaschen eingeführt hat. Für Plastikflaschen jeder Art und Größe erhält man nun bei Rückgabe im Geschäft bares Geld. Wahrscheinlich hat das unseren Fokus noch stärker auf den Plastikmüll an den Stränden gelegt. Samuel, dem man eine gewisse „natürliche“ Geschäftstüchtigkeit attestieren muss, witterte auch sogleich eine Gelegenheit, sein Taschengeld ein wenig aufzubessern.

Allerdings hat sich die Thematik damit nur um einen neuen Aspekt erweitert. Auf die wirklich brennende Frage unserer Kinder „Warum schmeißen die Leute ihren ganzen Müll auf die schönen Strände?“, konnten wir seit Jahren nicht befriedigend antworten, was allerdings – und das wurde mir tatsächlich erst im letzten Jahr in voller Tragweite bewusst – nicht nur an der mangelnden Fähigkeit lag, sich in die Motivationslage anderer Menschen einzufühlen. In gewisser Weise war hier tatsächlich die Frage falsch gestellt.

Der Müll kommt "von selbst", aber nicht freiwillig

Wir hatten uns angewöhnt, die Buchten, die wir im Laufe des Vormittags aufsuchten, zuerst von Plastik (und sonstigem Müll) zu „befreien“, den wir dann vorläufig an einer Stelle anhäuften. Unsere eigenen, auch nicht unbeträchtlichen Mengen an Plastikmüll samt den gesammelten „Fremdmüllhäufen“ transportierten wir allabendlich brav vom Strand ab. Da wir teilweise tatsächlich bis zum Abend alleine am Strand waren, wurde es schließlich doch klar, dass die großen Mengen an Plastikmüll, die sich schon am nächsten Morgen wieder am selben Strand angesammelt hatten, nicht von irgendwelchen vereinzelten nächtlichen Strandbesuchern stammen konnten. Nicht nur Menge, sondern auch die Beschaffenheit des Mülls waren für diese Erkenntnis Ausschlag gebend: Plastikkisten, Plastikpaletten, Plastikflaschen und –verschlüsse jeglicher Art, verschiedenste Verpackungen aus Plastik und natürlich jede Menge Plastiksackerl in allen Größen und Farben. Es gibt zwar auch noch immer genug Urlauber, die es nicht schaffen, die mitgebrachten Verpackungen im leeren Zustand wieder vom Strand mitzunehmen, aber diese Menge und Mischung war dadurch alleine nicht erklärbar.

Der Müll kam also tatsächlich „von selbst“ auf den Strand, was aber natürlich auch keine wirklich plausible Erklärung war. Aber wie erklärt man Kindern (oder sich selbst) plausibel, weshalb ein Meer, an dessen Ufer man sich zum Zwecke des Naturerlebens und der Erholung begibt, über Nacht einen sauber verlassenen Strand in eine Müllhalde verwandelt? Naja, natürlich macht das Meer das nicht „freiwillig“.

In Plastic Planet gibt es eine sehr schöne Szene, in der John Taylor, der Chef von PlasticsEurope, Werner Boote erklärt, dass „die Gesellschaft“ für die Umweltproblematik, die durch Plastik entsteht, verantwortlich ist. Als ich voriges Jahr beim Anblick der immer wieder kehrenden Plastikflut leicht deprimiert in der Sonne saß, kannte ich diese Aussage noch nicht! Beim Nachdenken darüber, warum das Meer all diese Dinge anspült, machte ich mir dennoch auch ein paar Gedanken darüber, wer denn nun dafür verantwortlich sein könnte. Und mir kam auch schon der Gedanke, dass da in der angeblich so logischen Kette von Mülltrennung, Recycling, schadstoffarmer Verbrennung usw. irgendetwas nicht stimmen kann. Denn woher käme sonst all der Müll? Diese vielleicht für manche etwas naiv anmutende Frage stellte ich mir allerdings im ernsthaften Bemühen, eine verständliche Antwort auf die Fragen der Kinder zu finden.

Auf den eigentlich so einfachen und logischen Schluss, dass das Problem ganz entscheidend mit jeder einzelnen unserer Kaufentscheidungen zusammenhängt, brachte mich endgültig aber erst der Film.

Vom Umdenken zum „Umhandeln“

Gewiss gibt es für Plastik auch sehr sinnvolle Anwendungsbereiche, aber „die Gesellschaft“ verwendet Plastik (also Materialien, die einige 100 Jahre haltbar sein können) in rauen Mengen als Wegwerfprodukt und fördert damit eine Industrie, die uns zwar weismachen will, dass das alles unbedenklich und sauber ist, für die unübersehbaren Konsequenzen dieser Unwahrheit allerdings keine Verantwortung übernimmt. Um das festzustellen, brauchen wir nicht in den Pazifik zu reisen!

Selbst wenn wir es schaffen, uns die Schadstoffbelastung durch Kunststoffe teilweise „schönzureden“ (was ja ein nicht ganz unverständliches Schutzverhalten ist, wenn man diese Materialien jahrzehntelang unbekümmert benutzt hat…), daran dass Mülltrennen nicht reicht, daran, dass Recycling nicht ausreichend funktioniert, daran, dass sich auch die Schadstoffe in den Filtern der besten Müllverbrennungsanlagen der Welt NICHT in Luft auflösen, führt kein Weg vorbei!

Für mich als Teil dieser Gesellschaft war es letztlich ein logischer Schluss, dass ich auch eine Verantwortung für all das trage (insofern muss ich dem PlasticsEurope-Chef tatsächlich Recht geben). Unser Experiment war in diesem Sinne auch ein Versuch, festzustellen, wie wir diese Verantwortung wahrnehmen können und wie sich das auf unser alltägliches Leben auswirkt.Sozusagen der logische Schritt vom Umdenken zum „Umhandeln“ .

Und aufmerksame LeserInnen dieses Blogs konnten vielleicht schon erkennen, dass es sich bisher äußerst positiv ausgewirkt hat.

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Über Sandra

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Kommentare (11) Trackbacks (0)
  1. Wir hatten vorigen Sommer in Kroatien genau das gleiche Erlebnis: über Nacht war der Müll, den wir am Vortag weggeräumt haben, wieder da. Und in den verwinkelten Ecken und Kanten der steinigen Strände fand sich auch Plastik, das bereits sehr alt zu sein schien und ganz zerschlissen war, sodaß man es gar nicht entfernen konnte, weil es in kleine Teile zerfiel, sobald man daran zog.

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  2. Liebe Sandra, endlich komme ich dazu, Euch meine Gedanken zu den “Stranderlebnissen” zu übermitteln. Dasselbe haben wir auch schon oft erlebt, meine Beobachtung vom Schiff habe ich schon erwähnt.
    Meine Erklärung dazu ist, daß
    1. die Mentalität, Ordnungssinn, Hygienestandards usw. in vielen südlichen Ländern anders sind als bei uns.
    2. die “logische Kette von Mülltrennung, Recycling usw.” dort, wenn überhaupt vorhanden, noch sehr in den Kinderschuhen steckt,
    3. die Bevölkerung vieler solcher Länder erst in der Anfangs-Euphorie im Plastikverbrauch steckt , nur die guten Seiten, aber nicht die Risiken und Gefahren realisiert hat.
    Wieder einmal ist von der Wichtigkeit der “Kaufentscheidung” die Rede. Seit ich mich so intensiv mit Eurem Experiment beschäftige, habe ich mir wieder stärker die angebotenen Produkte und Verpackungen angesehen, und stelle fest: Es gibt immer mehr Plastik, Alu, kaum mehr Pfandflaschen u. -Gläser, und das
    TROTZ unserer jahrzehntelangen Kaufentscheidung GEGEN Plastik und Alu und FÜR Pfandglas!
    Plastikverpackungen sind auch oft nicht mehr vorschriftsmässig gekennzeichnet! Daraus schließe ich, daß der Wirtschaft unsere Kaufentscheidung ziemlich wurscht ist, da sie nur auf ihren Gewinn schaut!
    Nun wieder Schluß für heute. LG Lucia

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  3. Erst einmal vielen Dank für diese tolle Webseite!
    Zum Strand-Thema:
    Schon als kleines pferdebegeistertes Mädchen wollte ich unbedingt einmal am Meeresstrand reiten. Als Erwachsene konnte ich mir diesen Traum in einem Tunesienurlaub erfüllen, allerdings war es nicht annähernd so schön, wie ich erhofft hatte. Zu einem großen Teil war dies dem unglaublichen Müllaufkommen geschuldet. Die meiste Zeit hatte ich Sorge, dass das Pferd sich verletzen könnte und konnte so das (durch den Müll ansich schon stark eingeschränkte) Naturerlebnis gar nicht genießen.
    Zu meinem Glück hatte ich später noch mehrfach die Gelegenheit, meinen Mädchentraum an der dt. Ostsee zu verwirklichen. Hier ist der Strand viel sauberer, “natürlicher”. Ich frage mich nun, ob das geringe(re) Müllaufkommen am Verlauf der Meeresströmungen liegt oder an den von Lucia genannten Punkten.
    Oder ist es – wie so oft – eine Mischung?
    LG Flora

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    TheK Reply:

    Das Mittelmeer ist für die dortigen Müllmengen schon berüchtigt, wobei die große Halbinsel da in der Mitte (Italien) als einer der Hauptverursacher gilt. Die Ostsee hatte als angrenzende Staaten eben nur die traditionell naturbewussteren Skandinavier einerseits und die Mangelwirtschaft Osteuropas andererseits. Da war dann nicht SO viel.

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  4. Hallo, also Seglerin kann ich einige Antworten geben: Zum einen muss man sich einfach mal die Ostsee und das Mittelmeer auf einem Globus anschauen um zu sehen, dass die Ostsee im Vergleich zum Mittelmeer ein relativ kleines Meer mit wenig Verbindung zu anderen Meeresgewässern ist. Laut Marpol-Abkommen ist die Entsorgung sind beide Meere Sondergebiete in denen Plastikmüll nicht entsorgt werden darf. Aber wie Ihr aus dem Film wisst, wird der meiste Müll über Flüsse aus dem Landesinneren ins Meer gespült wird. Fragt sich also, warum es dort soviel Plastikmüll gibt, der – wie auch immer – in die Flüsse gelangt. Kann es daran liegen, dass die westliche Industrie ihre in immer mehr Plastik verpackte Ware auch in Länder verkauft, in denen es keine funktionierende Abfallwirtschaft gibt, weil die dort niemand bezahlen kann??? Ich fürchte dass wir uns eingestehen müssen, dass wir Teil des globalen Wirtschafssystems sind, der diesen Müll mit verantwortet, auch wenn wir unseren eigenen Müll reduzieren und entsprechend unserer Möglichkeiten sorgsam entsorgen… Dennoch vielen Dank an alle, die dadurch, dass sie den Müll an den Stränden sammeln und weg schaffen schon wenigstens einen kleinen Beitrag zur Eindämmung des Problems leisten! Könnten wir nach Wegen suchen, die die Recyclingquoten auch in anderen Ländern erhöhen?

    [Reply]

  5. Hallo, also Seglerin kann ich einige Antworten geben: Zum einen muss man sich einfach mal die Ostsee und das Mittelmeer auf einem Globus anschauen um zu sehen, dass die Ostsee im Vergleich zum Mittelmeer ein relativ kleines Meer mit wenig Verbindung zu anderen Meeresgewässern ist. Laut Marpol-Abkommen sind beide Meere Sondergebiete in denen Plastikmüll nicht entsorgt werden darf. Aber wie Ihr aus dem Film wisst, wird der meiste Müll über Flüsse aus dem Landesinneren ins Meer gespült wird. Fragt sich also, warum es dort soviel Plastikmüll gibt, der – wie auch immer – in die Flüsse gelangt. Kann es daran liegen, dass die westliche Industrie ihre in immer mehr Plastik verpackte Ware auch in Länder verkauft, in denen es keine funktionierende Abfallwirtschaft gibt, weil die dort niemand bezahlen kann??? Ich fürchte dass wir uns eingestehen müssen, dass wir Teil des globalen Wirtschafssystems sind, der diesen Müll mit verantwortet, auch wenn wir unseren eigenen Müll reduzieren und entsprechend unserer Möglichkeiten sorgsam entsorgen… Dennoch vielen Dank an alle, die dadurch, dass sie den Müll an den Stränden sammeln und weg schaffen schon wenigstens einen kleinen Beitrag zur Eindämmung des Problems leisten! Könnten wir nach Wegen suchen, die die Recyclingquoten auch in anderen Ländern erhöhen?

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  6. Interessant bei solchen Findlingen (bei mir isses allerdings ein kleiner Wald am Stadtrand, in dem der Kram naturgemäß weniger auf Wanderschaft geht als am Strand) ist immer, auf irgendetwas zu achten, was mit einem Datum zu tun hat. Hierbei findet man vornehmlich zwei Extreme. Zum einen Kram, der eindeutig nagelneu ist (Chipstüte, deren MHD noch Monate in der Zukunft liegt). Dieser ist, wenn man ihn liegen lässt, binnen weniger Tage verschwunden. Und dann gibt es den Kram, der erkennbar uralt ist (schon zerfleddert und wenn was lesbar ist, dann >5 Jahre). Der liegt auch in weiteren 5 Jahren noch da.

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  7. “Laut Marpol-Abkommen sind beide Meere Sondergebiete in denen Plastikmüll nicht entsorgt werden darf.”
    Nach dem Lesen dieses Satzes schoß mir die Frage durch den Kopf: Ok, in Ostsee und Mittelmeer ists verboten, wie siehts aber hinsichtlich der anderen Meere unserer Erde aus?!

    Bei nachfolgenden Recherchen stolperte ich dabei über folgenden Artikel:
    http://www.handelsblatt.com/technologie/umwelt-news/expedition-zum-muellstrudel-der-menschheit;2392858

    Wir scheinen es hier also wie so oft insg. wieder mit einem sog. diffusen Eintrag zu tun zu haben… Sprich direkte Verklappung ins Meer plus was direkt von Küsten und über Fließgewässer eingetragen wird.
    Ursachen? Genauso vielfältig, jedoch im Endeffekt das Resultat nicht zu Kreisläufen geschlossener Stoffstromketten, genau wie beim Thema Nährstoffe wieder mal mit dem Meer als Ort der Akkumulation.

    => Um eine zeitlich als auch energieeinsatzmäßig möglichst effiziente Verringerung der Vermüllung unserer Meere zu erreichen, wäre zunächst eine Bilanzierung, von wo ungefähr wieviel eingetragen wird, sinnvoll – nur dürfte dies wegen der Schwierigkeit der dafür nötigen Datenerhebung alles andere als einfach werden…

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  8. Hallo,
    Es ist schön zufällig auf eine Seite zu stossen und dann zu merken, wauh ich bin ja gar nicht alleine mit meinem “Problem”. Mein Mann findet zwar auch, dass Plastik nicht das Gelbe vom Ei ist, er nimmt aber nicht den gleichen Anstoss daran wie ich. Es tut mir unglaublich weh, wenn ich sehe, wie unsere Strände, Felder und Wälder mit Plastik übersät sind. In den letzten Ferien im Sommer am Strand (Korsika) konnte ich dann einfach nicht mehr an mich halten und habe begonnen, den Müll einzusammeln (das Gleiche mache ich inzwischen auch auf Wanderungen). Zwar schauen dich die Leute etwas seltsam an, ist mir aber egal. Ich erhoffe mir insgeheim den kleinen Effekt, das Bewusstsein für den Plastikmüll etwas zu schärfen. Was mich jetzt allerdings in Vietnam erwartet hat, lässt alle Hoffnung wieder dahinschmelzen. Vietnam, wie die viele asiatischen Länder, ist durch den wirtschaftlichen Boom beinahe zugemüllt mit Plastik und durch die lokale Müllverbrennung vor den Häusern ist das Problem leider auch nicht gelöst…. :-(

    [Reply]

  9. Liebe Sandy!

    Ich kann Deinen Frust sehr gut verstehen. Mir ist es in unserem heurigen Sommerurlaub ähnlich ergangen, obwohl die kroatischen Verhältnise sicher nicht so dramatischsind wie die in Vietnam…
    Mir ist es einmal beim “Strandsäubern” sogar passiert, dass 2 junge Mädchen begonnen haben, mir zu helfen. Ich glaube, so klein der Tropfen auf den heißen Stein auch sein mag, so gibt es doch immer auch ein paar Leute, für die sowas ein Denkanstoße ist…und vor allem, geht es mir damit immer noch besser, als wenn ich mich quasi mitten in eine Müllhalde lege und so tue als wäre alles ganz normal!

    LG sandra

    [Reply]


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