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17Mar/112

Hoffnungsschimmer

Es gibt Tage, die mich mit all dem Ungemach, der Ignoranz und Ideenlosigkeit von Politik und Wirtschaft und selbst mit der oft unerträglichen Begrenztheit meines eigenen Handlungsspielraumes wieder versöhnen.

Da letzten Freitag so ein Tag war, möchte ich hier davon berichten, um vielleicht auch ein paar von Euch, die sich gerade in einem Motivationstief befinden, wieder ein bisschen aufzubauen.

Der Tag fing schon gut an:  Peter und ich waren am Vormittag zu einem Vortrag über unser Experiment in eine Behindertenwerkstatt eingeladen. Da wir beide selbst mit behinderten Menschen arbeiten, waren wir sehr gespannt, wie es uns gelingen würde, das Thema entsprechend aufzubereiten.

Nach kurzer Zeit entwickelte sich der Vortrag aber automatisch zu einer sehr abwechslungsreichen und teilweise sehr amüsanten Diskussion. Die behinderten jungen Männer hatten "Plastic Planet" gemeinsam mit den Betreuern der Werkstätte gesehen und waren teilweise sehr pragmatisch in ihren Ideen zur Plastikvermeidung. Auf meine Frage, wie man ihrer Meinung nach Plastikmüll reduzieren könne, antwortete einer von ihnen ganz trocken:" Nicht kaufen!"

Ja, so einfach könnte es sein und genau so einfach ist es auch tatsächlich oft. Gerade im Bestreben alles zu optimieren und zu verbessern, vergessen wir oft, als erstes an die Dinge zu denken, die gänzlich überflüssig sind.

Am Ende der Veranstaltung hatten wir gemeinsam einige einfach umzusetzende Ideen zur Reduzierung des Plastikmülls in der Einrichtung erarbeitet. Außerdem werden Peter und ich möglicherweise auch noch an einem weiteren Projekt in dieser Firma mitwirken.

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Nachmittags bekamen wir Besuch von einer WWF-Jugendgruppe. Der  Betreuer der Gruppe Nathan Spees hatte mit uns Kontakt aufgenommen und ich war schon sehr gespannt auf dieses Treffen. Auch Samuel war erfreut über den Besuch und erzählte gleich bereitwillig von den Anfängen unseres Experiments und wie er die ganze Sache erlebt hatte. Mir war schon nach den ersten 10 Minuten mit diesen 7 Jugendlichen klar, dass sie sich nicht nur sehr für das Thema interessierten, sondern sich auch schon ein unglaubliches Wissen dazu angeeignet hatten. So war es für sie – im Gegensatz zu vielen Erwachsenen - zum Beispiel eine Selbstverständlichkeit, dass es keinen Sinn macht, alle gängigen Plastikverpackungen und Plastiksackerln durch Papier, Bioplastik oder andere Alternativen zu ersetzen. Für sie war genau das sonnenklar, was so vielen Menschen (auch solchen, die in der Politik tätig sind!) so schwer begreiflich zu machen ist: Nicht das Ersetzen von Plastik durch andere Materialien, sondern Einsparung und Reduzierung sind die wichtigsten, einfachsten und auch kostengünstigsten Maßnahmen. In unseren Gesprächen und Diskussionen wurden sehr viele Details unseres Experiments beleuchtet, aber auch viele andere Themen angeschnitten.

Ich war fasziniert und beeindruckt, wie leicht diese jungen Leute Zusammenhänge zwischen dem Thema "Plastik" und Themen wie Energiekrise, Klimawandel, Gesundheit, Ernährung, Überfluss, Zerstörung von Lebensräumen....usw. herstellen konnten.

Wirklich begeistert und einige Male auch fast zu Tränen gerührt war ich allerdings von dem grenzenlosen Optimismus, der positiven Herangehensweise und den kreativen Ideen dieser Jugendlichen.

So kam zum Beispiel beim Thema Plastiksackerln sehr schnell die Idee auf, Stofftaschen aus nicht mehr getragenen Kleidungsstücken zu nähen und daraus einen kleinen Wettbewerb zu machen – eine Idee, die ich in kurzer Zeit im Zusammenhang mit einem von mir geplanten Projekt, gerne noch einmal aufgreifen würde. Der Hintergrund dieses Gedankens: Durch den extrem verschwenderischen Umgang der industrialisierten Welt mit Baumwolle, ist auch dieses Material sehr problematisch (Pestizide, Wasserverbrauch, chemische Behandlung und Färbung, Transportwege,...). Deshalb sollten wir nicht laufend neue Stofftaschen anschaffen, sondern das nutzen, was vorhanden ist. So einfach kann das sein! Ja, und so weit denken manche Menschen schon im Alter zwischen 14 und 18 Jahren.

Die sich überschlagenden Ereignisse und die atomare und humanitäre Katastrophe in Japan haben mich persönlich einen Tag später in eine ziemliche Sinnkrise gestürzt.

Was nutzen angesichts des Unfassbaren all meine Bemühungen? Wen kümmern schon ein paar Plastiksackerln, wenn die Welt oder vielmehr die Menschheit sich selbst mit einer unbeherrschbaren und vernichtenden Technologie an den Rande der Selbstauslöschung bringt?

Ja, es gibt Momente, da quälen mich  solche Fragen und alles erscheint aussichtslos.

Doch dann fragte ich mich, was wohl die 7 jungen Frauen und Männer, der WWF Gruppe zu meinen resignativen Gedanken sagen würden.

Und plötzlich schien wieder alles recht einfach zu sein: In jedem Ding, das wir kaufen und gleich wieder wegwerfen, in jedem Sackerl, in jedem Handy, das wir nach 2 Jahren austauschen, nur weil wir ein Neues gratis bekommen, stecken ja nicht nur Ressourcen und Chemikalien, sondern auch all die Energie, die für die Erzeugung dieser Produkte und Verpackungen aufgewendet werden musste.

Wenn wir aufhören wollen durch unseren Lebensstil, die Zerstörungunserer eigenen Lebensräumen zu verursachen, dann müssen wir in aller erster Linie einmal die Verschwendung beenden. Und zwar in allen Bereichen!!

Und dabei zählt eben auch JEDER  noch so kleine Beitrag jedes Einzelnen von uns!

Danke für den Hoffnungsschimmer und weiterhin alles gute für Eure Projekte!!

Wer sich für eine WWF Jugendgruppe interessiert, findet genauere Infos unter:

www.wwf.at/ytae

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Über Sandra

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Kommentare (2) Trackbacks (0)
  1. Ein sehr schöner und treffender Beitrag, DANKE!

    Jeder (Öko, Plastikvermeider, Umweltaktivist, Müllvermeider, Recycler oder wie man “uns” treffend bezeichnen soll) , der die Nachrichten aus Japan verfolgt kann diese Gedanken und Gefühle nachvollziehen!

    Und ich bin zum selben Schluss gekommen, Wegwerfgesellschaft ist ja bereits ein treffendes Stichwort – Energieverschwender ist noch nicht so gängig – leider – aber wir wurden wieder schmerzlich daran erinnert was Atomkraft für uns bedeutet – den Segen verschwenderisch zu sein und den Fluch der akuten Vergiftung und der “ewigen Strahlung”!

    In Japan stehen angeblich die sichersten AKW – ja – was genau ist Sicherheit denn dann? Die Naturgewalten unseres Planeten kann niemand einschätzen/kalkulieren. Sie sind unberechenbar!

    Die Alternativen zu Atomkraft sind vielleicht mit höheren Kosten verbunden – oder sollte man sagen “angeblich” …
    Radioaktiver Müll – mal überlegen – wie wird der eigentlich in der Praxis entsorgt? Ich weiß ja nicht – aber wir bedrucken Papier mit bunten Farben und nehmen das dann als Anlass unser Leben und die Zukunft der Menschheit mit Papier und bunten Farben aufzuwiegen.

    Tja anscheinend laufen genug hirnlose Menschen auf unserem Planeten rum …
    Ich hab mir in den letzten Tagen gerne Dokumentationen über Tschernobyl angesehen – es gibt nichteinmal Zahlen wieviele Menschen wirklich vor 25 Jahren starben – mit Schaufeln und Händen haben sie radioaktives Material zurück in den Reaktor geworfen – und das AKW ist später sogar wieder ans Netz gegangen …
    Heute bröckelt der Betonmantel – müsste erneuert werden nur leider fehlt das Geld …

    Warum mich 25 Jahre so sehr bewegen:
    Ich bin 24 Jahre alt – meine Mutter war mit mir schwanger als die Katastrophe passierte – und die “Wolke” über Europa zog.
    Heute bin ich schwanger und bringe in wenigen Tagen oder Wochen mein erstes Kind zur Welt. Gewünscht und geliebt wird es – eine Plastikfreie Erstausstattung und eine zumindest Plastikreduzierte Umgebung. Aber Sicherheit und eine schöne Zukunft – das hätte ich noch gerne oben drauf – also lass ich den Kopf nicht hängen, mach weiter widme mich noch mal genauer der Stromvermeidung/Einsparung und hoffe dass die Politik einlenkt – die AKW rund um Österreich werden uns sonst schneller zum Verhängnis als unsere Politiker in Europa Ausreden für den Atomausstieg finden können ;-) – (sorry) – und dann gibts da nix mehr zu regieren.

    [Reply]

  2. Liebe Barbara!

    Dein Schreiben bewegt mich sehr.

    Ich hab ja selber 3 Kinder und so ohnmächtig ich mich auch manchmal fühle, so groß ist doch auch wieder die Hoffnung, wenn ich in die Augen meiner Kinder sehe. Und für diese Hoffnung und dafür, dass wir alles versuchen, um unseren Kindern eine lebenswerte Welt zu hinterlassen, lohnt es sich auch zu kämpfen.
    Ich glaube man soll diesen Kampf nicht verbissen führen, denn das kann einem leicht die Lebensfreude rauben, aber man sollte dranbleiben und kein Gespräch, keine Diskussion scheuen.

    Ich bin froh und jeden Tag dankbar dafür, dass es Menschen wie Dich gibt und wünsche Dir alles Gute für das bevorstehende große Ereignis und viel Ruhe und Freude für die erste Zeit mit Deinem Kind!

    Alles Liebe Sandra

    [Reply]


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