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2Nov/105

Ein plastikfreies Hüttenwochenende

HüttenwochenendeSeit nunmehr 6 Jahren veranstalte ich jährlich einmal ein Hüttenwochenende für Kinder im Volksschulalter (ca. 6 bis 10 Jahre), das seit jeher unter dem Motto „Erlebniswochenende“ stand.

Damit ist gemeint, dass es an diesen 2 Tagen hauptsächlich darum gehen soll die Natur und die Gemeinschaft in der Gruppe zu erleben, sich an der Essenszubereitung zu beteiligen, zu Schnitzen, im Wald Lager zu bauen, Steckerlbrot und Würstel am Lagerfeuer zu braten…usw.

Konsumieren und sich berieseln Lassen sollte für diese kurze Zeit einmal Pause haben.

Ich erinnere mich noch gut an die Frage eines 7-Jährigen auf der Fahrt zum 1.Hüttenwochenende: „Gibt es da oben einen Fernseher?“

Ich musste damals lachen, als er auf meine Verneinung mit einem enttäuschten „Oh je, das wird dann sicher fad!“ reagierte.

Tatsächlich ist es in all den Jahren noch nie vorgekommen, dass sich eines der Kinder über Langeweile beklagt hätte.

Und auch wir Erwachsenen konnten in diesen 2 Tagen noch nie über Unterbeschäftigung klagen, da wir normalerweise höchstens zu Dritt sind und 25 bis 30 Kinder mitnehmen.

DSCN7713In der Ausschreibung für das Wochenende habe ich auch bisher schon immer darum gebeten, den Kindern kein elektronisches Spielzeug, kein Handy und keine Naschsachen mitzugeben.

Heuer kam noch ein wichtiger Punkt dazu: Wir wollten so wenig Müll wie möglich produzieren. Das Essen sollte natürlich gesund, aber auch möglichst einfach und schnell zu kochen sein. Wir entschieden uns daher für Spaghetti mit Tomatensauce und Erdäpfelgulasch.

Mit Iris und Paul, die heuer erstmalig als Betreuungspersonen mitfuhren, erstellte ich einen detaillierten Einkaufsplan, um wirklich alle Lebensmittel so verpackungsarm wie möglich und natürlich vor allem ohne Plastikverpackung kaufen zu können.

Äpfel, Erdäpfel, Zwiebel und Eier bekam ich nach telefonischer Vorbestellung von Bauern in meiner Nähe. Die Äpfel wurden mir sogar zugestellt, wobei ich wieder mal vergessen hatte, darauf hinzuweisen, dass ich sie nicht in Plastiksäcke verpackt haben wollte. Prompt kam auch eine Lieferung von 15 kg bester Bioäpfel in 2 großen, hässlichen, grünen Plastiksäcken. Mein Lieferant war zwar ein wenig erstaunt, hatte aber nichts dagegen, die Plastiksäcke wieder mit zunehmen, nachdem ich die Äpfel in eine Kartonschachtel umgelehrt und ihm erklärt hatte, dass er die Säcke sicher noch für irgendetwas brauchen könne.

Die Biofrankfurter, die wir am Abend am Lagerfeuer grillen wollten, besorgte Iris am Bauernmarkt in Graz – extra für uns nicht in Plastik eingeschweißt, sondern lose. Für den Transport wurden sie in einen großen Kochtopf verpackt.

HüttenwochenendeDie Tomaten für die Spaghettisauce kamen ebenfalls von Iris Stamm- Biobäurin. Paprika, Gurken und Käse bestellte ich über das wöchentliche „Biokisterl“.

Butter, Mehl, Spaghetti, Zucker und Tee besorgte ich im Supermarkt. Selbst gemachte Marmelade nahm ich von zu Hause mit und das Brot kauften wir direkt am Abreisetag bei einem Bäcker ganz in der Nähe.

Was die Milch betraf so entschied ich mich letztendlich nur für ein kleines Fläschchen für unseren Kaffe. 5 bis 6 Liter in Glasflaschen mitzunehmen und diese große Menge Milch vorher womöglich auch noch abzukochen, erschien mir einfach zu aufwändig. Heuer würden die Kinder in der Früh eben einfach Tee trinken.

Das alles klingt wahrscheinlich recht kompliziert, aber ich empfand den Einkauf heuer so angenehm wie nie zuvor. Wir hatten einfach weniger verschiedene Dinge gekauft und uns auf das Wesentliche reduziert, dafür war es uns aber gelungen, den gesamten Lebensmittelbedarf für das Wochenende plastikfrei und größtenteils in Bioqualität einzukaufen.

Bis auf – na ja, das obligate Packerl Chips natürlich, das gemeinsam mit einer Flasche Rotwein die traditionelle Belohnung für das Betreuungsteam darstellte, wenn irgendwann zwischen 10 und 11 Uhr endlich Ruhe einkehrte und wir das erste und einzige Mal in diesen 2 Tagen Zeit zum Durchschnaufen hatten.

DSCN7690Für die Naschereien der Kinder sorgten netterweise wieder einige freiwillige Elternteile (Mütter!!) in Form von selbst gemachtem Kuchen und Keksen.

Es war also bestens für unser leibliches Wohl gesorgt und bereitete mir großes Vergnügen, zu beobachten, wie sogar die „sehr heiklen“ Kinder ihren Zwischendurchhunger ganz einfach mit Äpfeln und Butterbroten stillten. Außerdem machten uns einige Kinder Komplimente für unsere selbst gemachte Tomatensauce, nur ein 1.Klässler meinte, dass Mamas Sauce aus dem Glas besser sei, weil sie nicht „solche Stücke“ hätte.

Ich hatte natürlich auch mit den Kindern darüber geredet, dass wir die Hütte heuer praktisch ohne Müll wieder verlassen wollten und am Ende der 2 Tage waren daher alle sehr stolz, dass wir nur die Butterverpackungen, einige gebrauchte Taschentücher, die ich beim letzten Rundgang in der Hütte gefunden hatte und ein paar leere Glasflaschen wieder mitnehmen mussten.

Die Papierverpackungen waren am Vortag zum Anheizen des Lagerfeuers verwendet worden, den Biomüll, der hauptsächlich aus Erdäpfel - und Zwiebelschalen bestand, durften die Kinder im Wald „vergraben“ und die Chipsverpackung hatte ich aus pädagogischen Gründen unterschlagen.

Bei der abschließenden „Was hat Dir am besten gefallen?“ – Runde, war zwar auch diesmal , das Lagerfeuer unschlagbarer Spitzenreiter, aber eine von Leos Mitschülerinnen, schloss die Rund schließlich mit einem mitleidigen Blick auf das kleine Papiermüllsackerl, das ich während der gesamten Abschlussrunde in der Hand gehalten hatte, mit den Worten.“…dass wir so wenig Müll gemacht haben!“

Und so konnten wir alle die Hütte am Sonntagabend zwar etwas erschöpft, aber glücklich, zufrieden und frei von Plastikmüll verlassen.

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Kommentare (5) Trackbacks (0)
  1. Interessanter Blogeintrag, Weiter so!

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  2. Sehr netter Versuch. Aber dann sollte man auch die jack wolfskin Jacke ausziehen und gegen einen dicken Wollpullover tauschen. Trotzdem viel Glück….

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  3. Wieso sollte man denn die Jack Wolfskin Jacke ausziehen, wenn sie ca. 7 Jahre alt, noch immer funktionstüchtig und wasserdicht ist und höchstwahrscheinlich einen Großteil der enthaltenenen Schadstoffe inzwischen schon “entwichen” sind? Nur fürs Foto?

    Ich bin da einfach für Ehrlichkeit: Und das bedeutet in diesem Fall, dass wir viele unserer “alten” Kleidungsstücke oder auch solche Dinge wie Fahrradhelme, Telefon, Computer (sonst könnte ich ja diesen Kommentar gar nicht schreiben),…weiterverwenden, Neuanschaffungen aber extrem reduzieren, auf gebrauchte Dinge zurückgreifen bzw. uns wenn nötig nach sinnvollen und erschwinglichen, neuen Alternativen umsehen.
    So gesehen hoffe ich, dass mich diese Jacke noch mein restliches Leben begleiten wird, wobei ich gegen einen gewalkten Schafwolljanker auch nichts einzuwenden hätte; erfüllt wahrscheinlich eine ähnliche Funktion….und da ja bald Weihnachten ist..vielleicht schenkt mir ja jemand einen.

    LG Sandra

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  4. Ich würde solch dumme Kommentare wie von stille Post ignorieren.
    Er hat anscheinend nicht verstanden was ihr macht und warum.

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  5. Liebe Nina!

    Ich versteh, was Du meinst.
    Andererseits sind mir Leute, die sich kritisch äußern auf jeden Fall lieber, als diejenigen, die sich überhaupt nicht für ein Thema interessieren und sich daher gar nicht äußern. Wenn sich jemand die Mühe macht, eine dieser Geschichten zu lesen, zeigt das zumindest schon mal, ein gewisses Grundinteresse für das Thema.

    Und mir ist auch klar, dass Leute, die nur ein oder zwei der Geschichten lesen und daher nicht den ganzen Zusammenhang kennen, kein vollständiges Bild von unserem Versuch und unseren Intentionen haben können. Außerdem kenne ich das Phänomen auch von mir selbst, dass mir Menschen, die “irgendwie anders” zu leben versuchen, oft im ersten Moment ein wenig seltsam erscheinen.
    Ich will aber Menschen (und auch mich selbst) immer wieder ermuntern, genauer hinzuschauen und nicht gleich zu be -oder verurteilen. Ich hab ja selbst auch nicht “die Weisheit mit dem großen Löffel gegfressen” und auch nach mehr als einem Jahr ist “Keinheimfürplastik” immer noch ein Experiment, in dem ich jeden Tag dazu lerne. Am meisten habe ich bisher dabei allerdings nicht über Plastik gelernt, sondern über Menschen (mich selbst wieder eingeschlossen).
    Kommentare wie der von “Stille Post” zeigen einfach eine gewisse Abwehr. Vielleicht ist das ja ein zu idealistischer Gedanke, aber ich glaube eben fest daran, dass Offenheit und die Bereitschaft zur Kommunikation daran etwas verändern können. Sicher nicht bei jedem, aber für mich ist es zumindest immer einen Versuch wert.

    Ganz liebe Grüße
    Sandra

    [Reply]


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