Ein plastikfreies Hüttenwochenende
Seit nunmehr 6 Jahren veranstalte ich jährlich einmal ein Hüttenwochenende für Kinder im Volksschulalter (ca. 6 bis 10 Jahre), das seit jeher unter dem Motto „Erlebniswochenende“ stand.
Damit ist gemeint, dass es an diesen 2 Tagen hauptsächlich darum gehen soll die Natur und die Gemeinschaft in der Gruppe zu erleben, sich an der Essenszubereitung zu beteiligen, zu Schnitzen, im Wald Lager zu bauen, Steckerlbrot und Würstel am Lagerfeuer zu braten…usw.
Konsumieren und sich berieseln Lassen sollte für diese kurze Zeit einmal Pause haben.
Ich erinnere mich noch gut an die Frage eines 7-Jährigen auf der Fahrt zum 1.Hüttenwochenende: „Gibt es da oben einen Fernseher?“
Ich musste damals lachen, als er auf meine Verneinung mit einem enttäuschten „Oh je, das wird dann sicher fad!“ reagierte.
Tatsächlich ist es in all den Jahren noch nie vorgekommen, dass sich eines der Kinder über Langeweile beklagt hätte.
Und auch wir Erwachsenen konnten in diesen 2 Tagen noch nie über Unterbeschäftigung klagen, da wir normalerweise höchstens zu Dritt sind und 25 bis 30 Kinder mitnehmen.
In der Ausschreibung für das Wochenende habe ich auch bisher schon immer darum gebeten, den Kindern kein elektronisches Spielzeug, kein Handy und keine Naschsachen mitzugeben.
Heuer kam noch ein wichtiger Punkt dazu: Wir wollten so wenig Müll wie möglich produzieren. Das Essen sollte natürlich gesund, aber auch möglichst einfach und schnell zu kochen sein. Wir entschieden uns daher für Spaghetti mit Tomatensauce und Erdäpfelgulasch.
Mit Iris und Paul, die heuer erstmalig als Betreuungspersonen mitfuhren, erstellte ich einen detaillierten Einkaufsplan, um wirklich alle Lebensmittel so verpackungsarm wie möglich und natürlich vor allem ohne Plastikverpackung kaufen zu können.
Äpfel, Erdäpfel, Zwiebel und Eier bekam ich nach telefonischer Vorbestellung von Bauern in meiner Nähe. Die Äpfel wurden mir sogar zugestellt, wobei ich wieder mal vergessen hatte, darauf hinzuweisen, dass ich sie nicht in Plastiksäcke verpackt haben wollte. Prompt kam auch eine Lieferung von 15 kg bester Bioäpfel in 2 großen, hässlichen, grünen Plastiksäcken. Mein Lieferant war zwar ein wenig erstaunt, hatte aber nichts dagegen, die Plastiksäcke wieder mit zunehmen, nachdem ich die Äpfel in eine Kartonschachtel umgelehrt und ihm erklärt hatte, dass er die Säcke sicher noch für irgendetwas brauchen könne.
Die Biofrankfurter, die wir am Abend am Lagerfeuer grillen wollten, besorgte Iris am Bauernmarkt in Graz – extra für uns nicht in Plastik eingeschweißt, sondern lose. Für den Transport wurden sie in einen großen Kochtopf verpackt.
Die Tomaten für die Spaghettisauce kamen ebenfalls von Iris Stamm- Biobäurin. Paprika, Gurken und Käse bestellte ich über das wöchentliche „Biokisterl“.
Butter, Mehl, Spaghetti, Zucker und Tee besorgte ich im Supermarkt. Selbst gemachte Marmelade nahm ich von zu Hause mit und das Brot kauften wir direkt am Abreisetag bei einem Bäcker ganz in der Nähe.
Was die Milch betraf so entschied ich mich letztendlich nur für ein kleines Fläschchen für unseren Kaffe. 5 bis 6 Liter in Glasflaschen mitzunehmen und diese große Menge Milch vorher womöglich auch noch abzukochen, erschien mir einfach zu aufwändig. Heuer würden die Kinder in der Früh eben einfach Tee trinken.
Das alles klingt wahrscheinlich recht kompliziert, aber ich empfand den Einkauf heuer so angenehm wie nie zuvor. Wir hatten einfach weniger verschiedene Dinge gekauft und uns auf das Wesentliche reduziert, dafür war es uns aber gelungen, den gesamten Lebensmittelbedarf für das Wochenende plastikfrei und größtenteils in Bioqualität einzukaufen.
Bis auf – na ja, das obligate Packerl Chips natürlich, das gemeinsam mit einer Flasche Rotwein die traditionelle Belohnung für das Betreuungsteam darstellte, wenn irgendwann zwischen 10 und 11 Uhr endlich Ruhe einkehrte und wir das erste und einzige Mal in diesen 2 Tagen Zeit zum Durchschnaufen hatten.
Für die Naschereien der Kinder sorgten netterweise wieder einige freiwillige Elternteile (Mütter!!) in Form von selbst gemachtem Kuchen und Keksen.
Es war also bestens für unser leibliches Wohl gesorgt und bereitete mir großes Vergnügen, zu beobachten, wie sogar die „sehr heiklen“ Kinder ihren Zwischendurchhunger ganz einfach mit Äpfeln und Butterbroten stillten. Außerdem machten uns einige Kinder Komplimente für unsere selbst gemachte Tomatensauce, nur ein 1.Klässler meinte, dass Mamas Sauce aus dem Glas besser sei, weil sie nicht „solche Stücke“ hätte.
Ich hatte natürlich auch mit den Kindern darüber geredet, dass wir die Hütte heuer praktisch ohne Müll wieder verlassen wollten und am Ende der 2 Tage waren daher alle sehr stolz, dass wir nur die Butterverpackungen, einige gebrauchte Taschentücher, die ich beim letzten Rundgang in der Hütte gefunden hatte und ein paar leere Glasflaschen wieder mitnehmen mussten.
Die Papierverpackungen waren am Vortag zum Anheizen des Lagerfeuers verwendet worden, den Biomüll, der hauptsächlich aus Erdäpfel - und Zwiebelschalen bestand, durften die Kinder im Wald „vergraben“ und die Chipsverpackung hatte ich aus pädagogischen Gründen unterschlagen.
Bei der abschließenden „Was hat Dir am besten gefallen?“ – Runde, war zwar auch diesmal , das Lagerfeuer unschlagbarer Spitzenreiter, aber eine von Leos Mitschülerinnen, schloss die Rund schließlich mit einem mitleidigen Blick auf das kleine Papiermüllsackerl, das ich während der gesamten Abschlussrunde in der Hand gehalten hatte, mit den Worten.“…dass wir so wenig Müll gemacht haben!“
Und so konnten wir alle die Hütte am Sonntagabend zwar etwas erschöpft, aber glücklich, zufrieden und frei von Plastikmüll verlassen.
Urlaub am Meer (Teil 3)
Recycling der besonderen Art
Bei einem abendlichen Gespräch mit unseren Freunden über die unübersehbare „Plastikflut“ hatte Hans eine zwar gewagte, aber angesichts der unleugbaren Tatsachen vielleicht nicht ganz unrealistische Zukunftsvision. Er meinte dass es spätestens für die Kinder unserer Kinder völlig normal sein würde, auf „Plastikstränden“ Urlaub zu machen. Plastik statt Schotter, Sand und Fels – teilweise ja heute schon Realität. Man könnte es auch als eine spezielle Art von Recycling sehen. Denn in der Argumentation mancher Zeitgenossen wird ja praktisch jede über den primären Verwendungszweck hinausgehende Existenz von Plastikprodukten als Recycling bezeichnet. Vielleicht muss man es den Menschen ja nur richtig verkaufen und sie werden eines Tages auf den schönen, bunten Plastikstränden ganz glücklich sein….
Gegen solche und ähnliche zynische Gedanken musste ich im Laufe dieses Urlaubes des Öfteren ankämpfen. Und dabei war auch mir nicht zuletzt das altbekannte und bewährte Ausblenden hilfreich. Als wir dann gegen Ende des Urlaubs erfuhren, dass „unsere“ schöne Bucht nicht von Natur aus nahezu plastikfrei war, sondern einfach regelmäßig gesäubert wird und ich bei einem Strandlauf schließlich in der Nachbarbucht das Ergebnis dieser Sammelaktionen entdeckte, konnte mich das gar nicht mehr besonders erschüttern. Auch hierzu gibt es aber natürlich ein Foto!
Die Sinnfrage
Ich muss zugeben, dass mir unser kleines Experiment an den Stränden von Vis einige Male fast sinnlos erschien – ein kleines Sandkorn in einem riesigen Plastikuniversum!
Doch die Anflüge von Resignation währten zum Glück nur kurz. Die Strände von Vis haben mir ob ihres extremen Kontrastes von unglaublicher Schönheit und Zerstörung nicht nur Tränen der Fassungslosigkeit beschert, nein, sie haben auch meinen Widerstandsgeist ganz extrem angestachelt, ganz ähnlich wie es vor fast einem Jahr durch „Plastic Planet“ passiert ist. Die mir so bekannte Gefühlsmischung aus Trotz, Eigensinn, Mut und Leidenschaft half mir schließlich, den Fokus wieder dorthin zu legen, wo die Ohnmacht endet und die eigene Verantwortung beginnt.
Nachdem sich in einem von Peter etwas bruchstückhaft gedolmetschten Gespräch mit unserer Vermieterin unsere Vermutung bestätigt hatte, dass es auf Vis keine Mülltrennung gibt (im Gegensatz zum kroatischen Festland), beschlossen wir also unseren Müll wieder mit nach Hause zu nehmen. So landeten also alle mitgebrachten und vor Ort gekauften Gläser und Flaschen, Metalldeckel, Karton- und Papierverpackungen, sowie die „Plastiksünden“ dieses Urlaubs (eine 1Liter Joghurtflasche und 2 Chipsverpackungen) wieder in unserem Kofferraum. Nur der Biomüll blieb auf der Insel.
Und sogar beim Einkaufen, das hier wirklich von Plastik geprägt ist (sogar einzelne PET-Flaschen ließen sich die Leute teilweise in Plastiksackerl verpacken und selbst das Bier ist hiervor Plastikflaschen nicht sicher!), gab es letztlich noch kleine Erfolgserlebnisse. Peters erster Weineinkauf direkt beim Weinbauern war noch ein wenig schwierig, obwohl der Wein selbst zum Glück noch in Glasflaschen verkauft wird. Doch bevor er sich versah, waren die Weinflaschen schon in Plastiksackerln verpackt. Als Peter diese mit Hinweis auf die mitgebrachten Stofftasche ablehnte, wollte der bemühte Weinverkäufer ihm die Flaschen samt Plastiksackerln in die Tasche stellen und erst nachdem auch das an Peters zähem Widerstand gescheitert war, „verstand“ er schließlich, stellte die Weinflaschen unverpackt in die Stofftasche, knüllte die Plastiksackerln zusammen und warf sie zum Müll…
Dafür reagierten sowohl der Bäcker, der jeden Morgen nach Rucavac kam, als auch die Obst - und Gemüseverkäuferin äußerst aufmerksam auf unsere speziellen Wünsche. Schon beim 2. Einkauf ließ der Bäcker ohne weitere Aufforderung das Plastiksackerl liegen und füllte mir Brot und Gebäck in die mitgebrachte Tasche.
Und die Obst -und Gemüseverkäuferin war überhaupt sensationell. Trotz sprachlicher Barriere interpretierte sie meine hilflosen Versuche, ihr zu erklären, dass ich trotz heillos überfüllter Stofftasche für die Erdäpfel kein Extraplastiksackerl wollte richtig und kramte lächelnd ein Papiersackerl hinter ihren Gemüsekisten hervor.
Unser Weineinkauf im Hafen von Vis direkt vor der Abreise war dann auch noch ein wirklich versöhnlicher Abschluss: Als wir der dortigen Verkäuferin unser Stoffsackerl vor die Nase hielten, um sie gar nicht erst auf die Idee kommen zu lassen, nach den omnipräsenten Plastiksackerln zu greifen, nickte sie verständnisvoll und sagte:“ Oh yes, I understand, it´s really terrible, this plastic…!“ In diesem Moment hätte ich die gute Frau am liebsten umarmt.Als wir die Insel Vis schließlich hinter uns ließen und von der Ferne wieder alles so heil aussah, bemerkte ich plötzlich, das das Zweifeln und Hadern, der letzten Tage vorbei war. Und ich war mir plötzlich wieder sicher, dass die Menschheit nicht nur eine ungehörig große zerstörerische Kraft besitzt, sondern sich auch nach Schönheit, Unberührtheit und Lebendigkeit sehnt. Das ist die große Hoffnung, die ich trotz aller Realitäten aus dem heurigen Sommer mitnehme.
Urlaub am Meer (Teil 2)

Die Insel Vis wurde erst nach Ende der Tito –Ära für Touristen zugängig gemacht – das war bei unserem letzten Besuch vor 15 Jahren noch sehr deutlich spürbar. Aber auch jetzt ist die kleine Insel noch kein Ort des Massentourismus. Es gibt ein einziges kleine Hotel direkt in der Stadt Vis und sonst nur private Apartments oder Zimmer. Deren Anzahl ist zwar in den letzten 15 Jahren stark gestiegen, dennoch hat man, beim Erkunden der Insel oft noch das Gefühl, sich in einem kleinen Paradies zu befinden.
Schon bei der Quartiersuche waren wir von der Schönheit der Insel überwältigt und der Ausblick von der Terrasse unseres Apartments aufs Meer, vermittelte mir jeden Morgen wieder das Gefühl, mich in einem schönen Traum zu befinden. Bevor wir gegen Abend des ersten Tages zum ersten Mal den südöstlich gelegenen Strand unseres Urlaubsortes Rucavac aufsuchten, war das paradiesische Bild nahezu perfekt.
Das änderte sich wie nicht anders zu erwarten mit dem ersten Strandbesuch. Schon auf dem Weg dorthin stolperten wir über die ersten Plastikflaschen und sowohl im felsigen, schroffen bereich der Küste als auch in der Schotterbucht, fanden sich verschiedene Arten von Plastikmüll – allerdings in relativ geringem Ausmaß und so gesehen war ich nach den Erlebnissen des Vorjahres beinahe schon positiv überrascht.
Diese Überraschung steigerte sich noch, als wir am nächsten Tag auf Empfehlung unserer Wirtin die westlich gelegene Bucht von Rucavac aufsuchten. In dieser wunderschönen, von flach ansteigendem Fels umrahmten Schotterbucht, fand ich bei einem ersten Rundgang tatsächlich so gut wie keinen Müll. Im hinteren, bewaldeten Bereich der Bucht gab es auch einige Mülltonnen und sogar 4 chemische Toiletten.
Die Tatsache, dass auch über Nacht anscheinend kein Müll aus dem Meer angeschwemmt wurde, führte ich vorerst vor allem auf die etwas geschützte Lage zurück.
Das verlorene Paradies
Nach einigen Tagen begannen wir mit der weiteren Erkundung der Insel. Der Weg in die kleine Stadt Komisa war geprägt von beeindruckenden Naturschönheiten: Azurblaues Meer, wilde Küste mit vorgelagerten Inselchen, kleine Buchten, Olivenhaine, Steinmauern – jeder Blick ein Foto wert.
Kurz bevor wir Komisa erreichten, bot sich uns dann allerdings ein Bild, das sich kaum beschreiben lässt. Hier sagen Bilder wirklich mehr als 1000 Worte – sogar die Kinder waren, nachdem wir die mitten in die Küstenlandschaft eingebettete Mülldeponie entdeckt hatten, für kurze Zeit sprachlos.
Die weitere Erkundung der Küste und anderer Buchten brachte das Paradies leider noch mehr ins Wanken.
Auch hier möchte ich am liebsten wieder Bilder sprechen lassen.
Der kleine Müllberg vor dem Schwemmholz ist zum Beispiel das Ergebnis einer 3 bis 4-minütigen Sammelaktion im Umkreis von einigen Quadratmetern um unseren Liegeplatz und zwar in einer der schönsten Buchten der Insel, der Stiniva-Bucht.
Wirklich schlimm wurde es dann allerdings, als wir in der Nähe der Stadt Vis ein potentielles Quartier für das nächste Jahr besichtigten. Aus der Entfernung wirkte auch hier alles perfekt: Ein altes Steinhaus, alleine in Mitten eines Weingartens auf einer Landzunge, rundherum Blick aufs Meer, die Hänge zum Meer mit wildem Rosmarin und Lorbeer bewachsen, schroffe Felsen und 2 kleine Schotterbuchten. Auf dem Weg zur Bucht bemerkte ich allerdings schon aus der Weite einige bunte Flecken am Strand, die ich zuerst noch für liegen gebliebene Handtücher hielt – ein interessantes Phänomen, dieses „Nicht-wahr-haben-wollen“!
Unschwer zu erraten, was wir tatsächlich in der Schotterbucht vorfanden – auch dort habe ich zahlreiche Fotos gemacht, was mir in meiner Familie den Beinamen „Mülljournalistin“ einbrachte – aber ich konnte irgendwie nicht anders.
Als Peter, Marlene und Leonard schließlich ihren Versuch - trotz des durchgehend mit Plastikmüll verunreinigten Strandes - im glasklaren Wasser ein kurzes Bad zu nehmen, aufgaben, weil auch dort überall die typischen kleinen Plastikfetzen herumtrieben, war ich tatsächlich den Tränen nahe.
Diese Fotos zumachen, war in diesem Moment für mich einfach ein wichtiger Akt gegen das Ausblenden der Realität. Es wäre einfach nicht richtig gewesen nur die Schönheit der Insel festzuhalten, es wäre eine völlig unzulässige Verfälschung des Gesamtbildes gewesen.
(Fortsetzung inklusive Hoffnungsschimmer folgt in Kürze!!)
Urlaub am Meer (Teil 1: Vorbereitungen und Reise)
Von den Überlegungen bezüglich unseres heurigen Kroatienurlaubes habe ich ja bereits berichtet. Unser ursprüngliches Wasserproblem hat sich im Endeffekt aber sogar mehrfach gelöst:
Zwei Tage vor der Abreise fand nämlich Veronika, eine gute Freundin von mir, in einem Markt für landwirtschaftlichen Bedarf einen Edelstahlkanister mit Zapfhahn und großer Nachfüll- und Reinigungsöffnung. Damit und mit den drei 5-Liter Glasflaschen, die wir uns schon vorher besorgt hatten, waren wir zumindest fürs Erste mit Trinkwasser versorgt.
Auf Vis erfuhren wir dann von unserer dortigen Quartiergeberin, dass das Leitungswasser auch hier mittlerweile Trinkwasserqualität hat und im einzigen echten Supermarkt der kleinen Insel entdeckten wir schließlich auch noch Mineralwasser in Glaspfandflaschen. Die plastikfreie Wasserversorgung war also gesichert.
Die weitere Verpflegung bestand aus Getreide, Müsli, Reis, Nudeln, Gemüse und Erdäpfeln aus unserem Garten, einigen Gläsern mit Spaghettisauce, Honig, Marmelade und Aufstrichen in Gläsern.
Ich hatte die Insel Vis von unserem letzten Besuch vor 15 Jahren geradezu paradiesisch in Erinnerung und mir daher fest vorgenommen, so wenig Müll wie möglich dort zurück zu lassen. An dieser Stelle muss ich auch eingestehen, dass uns – nach den Stranderlebnissen des letzten Sommers auf Istrien – unter anderem auch die Hoffnung auf weniger vermüllte Strände auf die etwas abgelegenere Insel Vis gebracht hatte.
Doch schon die Fahrt mit der Fähre von Split nach Vis raubte mir diesbezüglich einige meiner Illusionen. So wunderbar blau, türkis, klar und weit das Meer an vielen Stellen auch erscheint – Plastikmüll ist auch hier allgegenwärtig. Die Momente, in denen man tatsächlich meint, mit freiem Auge nur mehr Meer zu sehen, sind ausgesprochen rar, von einem Plastikteil zum nächsten sozusagen und dazwischen liegen selten mehr als ein paar Minuten. Dennoch ist man angesichts der unglaublichen Schönheit von Meer und Inselwelt geneigt, diese „kleinen“ Störfaktoren auszublenden – es gibt ja doch noch so viel mehr Meer als Müll…oder?
Was den exzessiven Umgang mit Plastik anbelangt, hatte die Fahrt mit der Fähre auch noch ein besonderes Schmankerl zu bieten:
Vom Sonnendeck aus beobachtete ich einen Stock tiefer 3 Frauen, die eine Sitzbank erst einmal gründlich mit Feuchttüchern reinigten, die benützten Reinigungstücher anschließend feinsäuberlich in ein Plastiksackerl verpackten, danach mit einem Desinfektionsspray die gesamte Bank einnebelten und letztlich die Sitzfläche sorgfältig mit Plastiksackerln auslegten, bevor sie sich schließlich doch entschlossen, sich auf der mittlerweile wohl ziemlich keimfreien Unterlage niederzulassen (allerdings hatten sie am Schluss vergessen, auch noch die Plastiksackerl zu desinfizieren!), worauf eine der Dreien unmittelbar begann, sich die Fingernägel zu lackieren. Obwohl ich einerseits über die groteske Szene schmunzeln musste, war andererseits die hygienische Geruchsmischung, die nach oben stieg, so beachtlich, dass mir eine kalte Schauer über den Rücken lief.
Plastik und Hygiene – für viele offenbar zwei untrennbar miteinander verbundene Begriffe, egal, ob es um die Verpackung von Lebensmitteln oder die Nutzbarmachung von Sitzbänken auf Fähren geht. Doch was von der Hygiene übrig bleibt landet leider nicht selten auf kürzestem Weg dort, wo wir es dann gar nicht mehr als hygienisch empfinden…
(Fortsetzung folgt)
Kurzer Zwischenbericht über unsere Zugreise nach Amsterdam
Während unsere Kinder eine Woche lang auf einem Hüttenlager waren, hatten Peter und ich eine (Luxus-)Zugreise nach Amsterdam gebucht.Für mich war es die erste Reise mit einem Nachtzug im Schlafwaggon, und da wir ein 2er Abteil reserviert hatten, war es tatsächlich fast luxuriös.
Schon beim Betreten unseres Abteils, fanden wir allerdings die erste „Plastiküberraschung“ auf unseren Betten vor: Jeweils eine Plastikflasche mit Wasser, wobei es sich, wie ich zu meinem Erstaunen feststellte, um Pfandflaschen handelte. Wirklich amüsiert haben mich allerdings die mit Wasser gefüllten und mit einer Art Alufolie verschlossenen Plastikbecher, deren Zweck ich mir vorerst nicht erklären konnte. Der Schaffner klärte mich schließlich darüber auf, dass es sich hierbei um „Zahnputzwasser“ handle. Meine angeborene Neugierde veranlasste mich letztlich dazu, mir tatsächlich damit meine Zähne zu putzen. Was allerdings dazu führte, dass ich schon durch den etwas ruckartigen Öffnungsvorgang ca. die Hälfte des Inhalts im Nachtzugbadezimmer verteilte und damit endete, dass der Becher schließlich während des Zähneputzens umfiel (Plastik ist ja sooo leicht!), wodurch auch noch der Rest des Zahnputzwassers ungenützt verschüttet wurde. Letzten Endes musste ich, um den Raum für nachfolgende Reisende wieder einigermaßen benutzbar zu hinterlassen, auch noch den Boden und Teile der Wand mit Einmalhandtüchern trocken wischen – soviel Müll habe ich bei einmal Zähneputzen sicher noch nie produziert!
Die Nacht verlief dafür dann aber doch einigermaßen plastikfrei. Einer der vielen Vorteile einer Zugfahrt ist ja die Abwesenheit von diversen Konsumverlockungen. Und da Peter sich – ob seiner Größe - schon alleine auf seiner Liegestatt kaum rühren konnte, der Schaffner direkt nebenan sein Abteil hatte und ich, nachdem wir die mitgebrachte Flasche Rotwein gelehrt hatten, in einen tiefen und angenehm geborgenen Zugschlaf fiel, war auch die einzige verbleibende Option für den Einsatz von Plastik in dieser Nacht kein Thema......
Umso deutlicher holte uns die Realität am nächsten Morgen ein. Nachdem wir unseren ersten Durst noch mit den Wasservorräten von zu Hause stillen konnten, erwartete uns ein Frühstück der besonderen Art. Eigentlich sagt hier ein Bild mehr als 1000 Worte. Die einzigen, nicht in Plastik verpackten Teile des Frühstücks waren das Brötchen und die Serviette – eine wirklich interessante Erfahrung nach beinahe 10 Monaten plastikfreier Ernährungspraxis!
Dennoch blieb von unserem Frühstück tatsächlich „nur“ die Verpackung übrig – so eine Nacht im Zug macht einfach hungrig! Aber in diesem Fall war „nur“ die Verpackung -zumindest was das Volumen anbelangt - fast mehr als das ursprüngliche Frühstück. Meine Bemühungen unseren Frühstücksmüllberg wenigstens nach Müllarten zu trennen und entsprechend zu entsorgen (es gab nämlich im Zug sogar eigene Müllbehälter für unterschiedliche Materialien) endeten allerdings recht abrupt damit, dass mir der Herr Schaffner den ganzen Krempel mit den Worten. „Geben´S das mir! Da hab ich einen eigenen Sack dafür!“ aus der Hand nahm und ohne jegliches Zögern in einen richtig tollen „Gesamtmüllsack“ warf!
Mit diesen Reiseimpressionen beende ich meinen kurzen Zwischenbericht! Amsterdam war übrigens wunderschön, aber das ist eine eigene Geschichte. Morgen brechen wir in unseren Kroatienurlaub auf und auch hier wird schon die Anreise eine weitere Bewährungsprobe für unser Experiment sein. Ab der 2.Septemberwoche wird es dann wieder neue und hoffentlich positive Berichte über unsere heurige Sommerurlaubssaison geben.
Urlaubsplanung
Die Planung unseres heurigen Sommerurlaubs erfordert in mancher Hinsicht etwas mehr Denkarbeit als bisher.
Wie an anderer Stelle schon ausführlich beschrieben, war ja schon unser letzter Kroatienurlaub fast so etwas wie eine Vorahnung von „Plastic Planet“. In Kroatien war damals gerade ein Pfandsystem für Plastikflaschen eingeführt worden – wohl eine Art „Notfallsmaßnahme“, denn von Plastikmüll überflutete Strände und Küstenstreifen machen in einer der beliebtesten Sommerurlaubsdestinationen Europas eben doch keinen besonders attraktiven Eindruck.
Da wir uns über die gesundheitlichen Beeinträchtigungen durch Plastik damals mangels entsprechender Informationen noch keine Gedanken gemacht hatten, waren wir mit zwei 5-Liter Plastikkanistern sowie einigen 1,5 – Liter Plastikflaschen gefüllt mit heimischem Leitungswasser angereist. Ausschlaggebend dafür waren allerdings eher praktische bzw. wirtschaftliche Überlegungen, als der Gedanke an Müllvermeidung gewesen. Warum Wasser im Supermarkt kaufen, wenn das eigene Leitungswasser in bester Qualität zur Verfügung steht das noch dazu weitaus günstiger ist?
Als unsere österreichischen Wasservorräte schließlich aufgebraucht waren, entdeckten wir in kroatischen Supermärkten große 5-Liter Plastikflaschen mit Wasser. Zwei von diesen Flaschen habe ich am Ende des Urlaubs sogar nach Österreich importiert, um beim nächsten Urlaub noch auf zusätzliche Wasserbehälter zurückgreifen zu können.
Mittlerweile stehen diese Flaschen allerdings gemeinsam mit unseren Plastikkanistern und all den anderen aussortierten Plastikartikeln in unserem leerstehenden Stallgebäude. Der Gedanke, unser Trinkwasser in diese Plastikbehälter zu füllen, widerstrebt mir inzwischen sehr. Da wir bis jetzt aber noch keine Metallkanister in transportabler Größe gefunden haben und ich es mir überhaupt recht schwierig vorstelle, die gesamte Trinkwassermenge für unsere 5-köpfige Familie für ca. 10 Tage in unserem PKW zu transportieren, ist mir bei meinen Überlegungen schließlich wieder eingefallen, dass unser kroatischer Quartiergeber uns im Vorjahr erklärt hat, man könne das kroatische Leitungswasser mittlerweile bedenkenlos trinken. Peter hat das angeblich eh schon immer gewusst und auch früher schon kroatisches Leitungswasser getrunken. Und auch meine diesbezüglichen Selbstversuche, zeigten keinerlei negative Auswirkungen. Dennoch hat es sich bei uns im letzten Jahr noch nicht wirklich durchgesetzt, dass wir alle einfach das kroatische Leitungswasser getrunken hätten. Es stellt sich die Frage, warum die Wasserqualität in „südlichen“ Ländern überhaupt so problematisch zu sein scheint. Ob das vielleicht mit dem immensen Wasserverbrauch durch den immer stärker werdenden Massentourismus zusammenhängt? Sind wir also am Ende selbst die Wurzel des Problems? Müssen wir jetzt auch noch anfangen, unser „Urlaubsverhalten“ zu überdenken?
In diesem Zusammenhang fällt mir eine Szene aus einem anderen österreichischen Dokumentarfilm ein: In „We feed the world“ mokiert sich der Nestle Chef Peter Brabeck über die „extreme Position gewisser NGOs, die ein Recht auf Trinkwasser für alle Menschen fordern“, um im selben Atemzug unmissverständlich den Standpunkt des Konzerns darzustellen: Wasser als Lebensmittel, das nun mal einen gewissen Marktwert hat! Damals hat mich daran vor allem erbost, dass eine der elementarsten Lebensgrundlagen aufgrund von blanker Profitgier zum Spekulationsobjekt degradiert werden soll. Heute erscheint mir die Szene allerdings noch um einiges absurder: das Lebensmittel Wasser in Plastik abgefüllt für diejenigen, die es sich leisten können. Ein Luxusgut also und dennoch belastet mit einem für Laien nicht näher definierbaren, chemischen Cocktail, der sich unweigerlich aus der ach so hygienischen Plastikverpackung löst. Die Verschmutzung von Wasser macht also nicht Halt vor unserem westlichen Massenkonsumalltag, sie hat nur eine andere Gestalt angenommen, ist subtiler geworden, nicht so offensichtlich und zugegebenermaßen nicht so akut gesundheits- oder gar lebensbedrohend wie dort, wo Menschen tatsächlich noch aus braunen, übelriechenden Tümpeln ihr „Trinkwasser“ schöpfen müssen. Mir drängt sich der Vergleich mit der „sauberen“ Atomenergie auf , an die viele offenbar auch nur deshalb noch immer glauben, weil man ihre Auswirkungen, nicht sofort sehen, hören oder riechen kann.
Viele von uns sind jedenfalls bereit, den Marktpreis für „sauberes“ Wasser in Plastikflaschen zu bezahlen. Ein eindrucksvolles Beispiel dafür erlebte ich, als ich auf dem Weg in den Urlaub (quasi während des Schreibens dieser Zeilen) an der Kassa einer Raststation einen Mann beobachtete, der maximal 0,3 Liter Evian-Wasser in einer Plastikflasche um sage und schreibe 2,70 € erstand. Das muss man sich wirklich erst einmal leisten können. Umgerechnet auf unseren Familienbedarf für den geplanten Kroatienurlaub wären das ca. 890 €, bei einem täglichen Bedarf von maximal 2 Litern pro Person!
Peter Brabeck hätte seine Freude daran.
Natürlich ist das ein extremes Beispiel, denn kaum jemand würde wohl auf die Idee kommen 100 Liter Wasser in 0,3 Liter Fläschchen zu kaufen, dennoch scheint es mir typisch für eine Art Vogel Strauß Politik im Umgang mit unseren Ressourcen. Denn selbst wenn man Peter Brabeck für einen sympathischen Kerl und seine Motive für uneigennützig und menschenfreundlich hält, kommt man bei genauerer Betrachtung nicht daran vorbei, dass es weder für die Qualität noch für die Preisentwicklung unserer Wasservorräte förderlich sein kann, wenn wir durch unser Konsumgewohnheiten eine Industrie unterstützen, die selbst direkt oder indirekt an der Verschmutzung und Schadstoffbelastung und damit eben auch an Verknappung von einwandfreiem Trinkwasser beteiligt ist. Auf diese Art und Weise besteht wohl eher die Gefahr, dass wir uns früher oder später auch in unseren Breiten fragen müssen, woher wir das Wasser nehmen sollen, das wir in unsere hygienischen Plastikflaschen füllen können.
„Einfach Cola, Fanta oder Sprite trinken“, wie es mir ein Kind in der 2.Klasse Volksschule einmal bei einer Diskussion vorgeschlagen hat, wird dann wohl auch nicht das Mittel der Wahl sein...
Nun ja, all diese Überlegungen haben mich bei der Lösung unseres Wasserproblems für den geplanten Kroatienurlaub nicht wirklich weitergebracht. Zum Glück fahren wir jetzt ja erst mal nach Kärnten. Da sollte es mit dem Trinkwasser kein Problem geben, (zumindest solange man es nicht auf Slowenisch bestellt...)
Alle LeserInnen von „Kein Heim für Plastik“ bitte ich um Verständnis dafür, dass ich in den kommenden 4 bis 6 Wochen wegen der geplanten Urlaube voraussichtlich keine neue Geschichten erzählen werde. Danach gibt es allerdings sicher Einiges zu berichten, unter anderem hoffentlich die Lösung für unser Wasserproblem.
Inzwischen wünsche ich allen, die ihn noch vor sich haben, einen schönen und erholsamen Urlaub und freue mich schon auf viele Vorschläge, Tipps und Erfahrungen zum Thema „Plastikfreier Urlaubseinkauf“
Stranderlebnisse
Eine „Vorahnung“ von Plastic Planet hatten wir bereits vergangenen Sommer. Wie schon in den letzten paar Jahren, sind wir in der letzten Ferienwoche nach Kroatien gefahren. Natürlich ist uns nicht zum ersten Mal aufgefallen, dass an den – um diese Zeit wirklich schon einsamen und idyllischen Stränden – teilweise beträchtliche Mengen an Müll lagern.
Irgendetwas war im Vorjahr allerdings anders. Vielleicht lag es daran, dass Kroatien (möglicherweise als eine Art „Notwehrreaktion“) 2009 ein Pfandsystem für Plastikflaschen eingeführt hat. Für Plastikflaschen jeder Art und Größe erhält man nun bei Rückgabe im Geschäft bares Geld. Wahrscheinlich hat das unseren Fokus noch stärker auf den Plastikmüll an den Stränden gelegt. Samuel, dem man eine gewisse „natürliche“ Geschäftstüchtigkeit attestieren muss, witterte auch sogleich eine Gelegenheit, sein Taschengeld ein wenig aufzubessern.
Allerdings hat sich die Thematik damit nur um einen neuen Aspekt erweitert. Auf die wirklich brennende Frage unserer Kinder „Warum schmeißen die Leute ihren ganzen Müll auf die schönen Strände?“, konnten wir seit Jahren nicht befriedigend antworten, was allerdings – und das wurde mir tatsächlich erst im letzten Jahr in voller Tragweite bewusst – nicht nur an der mangelnden Fähigkeit lag, sich in die Motivationslage anderer Menschen einzufühlen. In gewisser Weise war hier tatsächlich die Frage falsch gestellt.
Der Müll kommt "von selbst", aber nicht freiwillig
Wir hatten uns angewöhnt, die Buchten, die wir im Laufe des Vormittags aufsuchten, zuerst von Plastik (und sonstigem Müll) zu „befreien“, den wir dann vorläufig an einer Stelle anhäuften. Unsere eigenen, auch nicht unbeträchtlichen Mengen an Plastikmüll samt den gesammelten „Fremdmüllhäufen“ transportierten wir allabendlich brav vom Strand ab. Da wir teilweise tatsächlich bis zum Abend alleine am Strand waren, wurde es schließlich doch klar, dass die großen Mengen an Plastikmüll, die sich schon am nächsten Morgen wieder am selben Strand angesammelt hatten, nicht von irgendwelchen vereinzelten nächtlichen Strandbesuchern stammen konnten. Nicht nur Menge, sondern auch die Beschaffenheit des Mülls waren für diese Erkenntnis Ausschlag gebend: Plastikkisten, Plastikpaletten, Plastikflaschen und –verschlüsse jeglicher Art, verschiedenste Verpackungen aus Plastik und natürlich jede Menge Plastiksackerl in allen Größen und Farben. Es gibt zwar auch noch immer genug Urlauber, die es nicht schaffen, die mitgebrachten Verpackungen im leeren Zustand wieder vom Strand mitzunehmen, aber diese Menge und Mischung war dadurch alleine nicht erklärbar.
Der Müll kam also tatsächlich „von selbst“ auf den Strand, was aber natürlich auch keine wirklich plausible Erklärung war. Aber wie erklärt man Kindern (oder sich selbst) plausibel, weshalb ein Meer, an dessen Ufer man sich zum Zwecke des Naturerlebens und der Erholung begibt, über Nacht einen sauber verlassenen Strand in eine Müllhalde verwandelt? Naja, natürlich macht das Meer das nicht „freiwillig“.
In Plastic Planet gibt es eine sehr schöne Szene, in der John Taylor, der Chef von PlasticsEurope, Werner Boote erklärt, dass „die Gesellschaft“ für die Umweltproblematik, die durch Plastik entsteht, verantwortlich ist. Als ich voriges Jahr beim Anblick der immer wieder kehrenden Plastikflut leicht deprimiert in der Sonne saß, kannte ich diese Aussage noch nicht! Beim Nachdenken darüber, warum das Meer all diese Dinge anspült, machte ich mir dennoch auch ein paar Gedanken darüber, wer denn nun dafür verantwortlich sein könnte. Und mir kam auch schon der Gedanke, dass da in der angeblich so logischen Kette von Mülltrennung, Recycling, schadstoffarmer Verbrennung usw. irgendetwas nicht stimmen kann. Denn woher käme sonst all der Müll? Diese vielleicht für manche etwas naiv anmutende Frage stellte ich mir allerdings im ernsthaften Bemühen, eine verständliche Antwort auf die Fragen der Kinder zu finden.
Auf den eigentlich so einfachen und logischen Schluss, dass das Problem ganz entscheidend mit jeder einzelnen unserer Kaufentscheidungen zusammenhängt, brachte mich endgültig aber erst der Film.
Vom Umdenken zum „Umhandeln“
Gewiss gibt es für Plastik auch sehr sinnvolle Anwendungsbereiche, aber „die Gesellschaft“ verwendet Plastik (also Materialien, die einige 100 Jahre haltbar sein können) in rauen Mengen als Wegwerfprodukt und fördert damit eine Industrie, die uns zwar weismachen will, dass das alles unbedenklich und sauber ist, für die unübersehbaren Konsequenzen dieser Unwahrheit allerdings keine Verantwortung übernimmt. Um das festzustellen, brauchen wir nicht in den Pazifik zu reisen!
Selbst wenn wir es schaffen, uns die Schadstoffbelastung durch Kunststoffe teilweise „schönzureden“ (was ja ein nicht ganz unverständliches Schutzverhalten ist, wenn man diese Materialien jahrzehntelang unbekümmert benutzt hat…), daran dass Mülltrennen nicht reicht, daran, dass Recycling nicht ausreichend funktioniert, daran, dass sich auch die Schadstoffe in den Filtern der besten Müllverbrennungsanlagen der Welt NICHT in Luft auflösen, führt kein Weg vorbei!
Für mich als Teil dieser Gesellschaft war es letztlich ein logischer Schluss, dass ich auch eine Verantwortung für all das trage (insofern muss ich dem PlasticsEurope-Chef tatsächlich Recht geben). Unser Experiment war in diesem Sinne auch ein Versuch, festzustellen, wie wir diese Verantwortung wahrnehmen können und wie sich das auf unser alltägliches Leben auswirkt.Sozusagen der logische Schritt vom Umdenken zum „Umhandeln“ .
Und aufmerksame LeserInnen dieses Blogs konnten vielleicht schon erkennen, dass es sich bisher äußerst positiv ausgewirkt hat.