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11May/1413

Was die EU könnte – wenn wir wollten… (Teil1)

Wiedermal mit dem Zug Richtung Amsterdam....

Nachdem Peter und ich vor ein paar Jahren alleine in Amsterdam waren, sind wir in den Osterferien diesmal gemeinsam mit den Kindern dorthin aufgebrochen. Auf der Hinfahrt war eine Zwischenstation mit 3 Tagen Aufenthalt bei Freunden in Aachen eingeplant. Dorthin fuhren wir tagsüber und für die Zugfahrt, mussten wir 2 Mahlzeiten einplanen.

Da unsere Kinder nicht gerade kleine Esser sind, war die Lebensmittelmenge, die wir mit auf den Weg nahmen beträchtlich. Und weil Getränke im Zug (bis auf Bier und Wein seltsamerweise!!) fast ausschließlich in Plastikflaschen oder Dosen erhältlich sind, mussten wir auch unseren Wasserbedarf für einen Tag mit ins Gepäck nehmen.

Peter staunte nicht schlecht, als wir schließlich zu unserem ansonsten recht sparsamen Gepäck (jeder hatte nur einen relativ kleinen Rucksack) noch 3 große Stoffsackerln mit Essen und Getränken in den Zug schleppten: Wasser bzw. Tee in Edelstahl- und Glasflaschen, Brot in Stoffbeuteln, Käse, Butter, Aufstriche und ein wenig aufgeschnittenes Gemüse in Edelstahldosen und Dank einer großen Edelstahldose mit Dichtungsring, hatten wir sogar die restlichen Spaghetti mit Tomatensauce vom Vortag dabei.

..und auch diesmal fast ohne Müll

Klingt für manche vielleicht ein wenig aufwendig, hatte für uns aber zwei entscheidende Vorteile: Erstens ersparten wir uns im doppelten Wortsinn die Fertiggerichte im Zugspeisewaagen und zweitens fiel auf der gesamten Reise bis auf 2 Papiersackerl kein Müll an. Eine kleine Ausnahme gab es lediglich als, die Kinder, während Peter und ich im Zugrestaurant (schon in der „Deutschen Bahn“) einen Kaffe tranken, Limonade bestellten: Diese kam natürlich in der Plastikflasche, allerdings fiel uns allen sofort auf, dass diese „dicker“ als die bei uns üblichen war. Bei genauerem Hinsehen stellte sich heraus, dass es sich um eine Pfandflasche handelte. In Österreich ist die Einführung von Pfand auf Plastikflaschen hingegen noch immer kein Thema !!

Aber was hat das mit der EU zu tun?DSCN2409

Angesichts der nahenden Europaparlamentswahlen drängte sich mir in diesem Zusammenhang eine Frage auf: Nachdem es der EU gelungen ist, „krumme“ Gurken und Glühbirnen zu verbieten und sogar über ein Verbot nachfüllbarer Glasflaschen für Olivenöl ernsthaft nachgedacht wurde, warum werden sinnvolle Maßnahmen wie ein flächendeckender Pfand auf Plastikflaschen nicht einmal ernsthaft diskutiert, geschweige denn umgesetzt?

Ob es wohl damit zusammenhängt, dass es durch die Einführung eines Flaschenpfandes kaum einen kurzfristigen finanziellen Nutzen zu lukrieren gäbe? Der Nutzen für die Allgemeinheit wäre zwar groß (weniger Müll, weniger Umweltverschmutzung, weniger Ressourcenverbrauch, bessere Recyclingmöglichkeiten,….) doch die Erzeuger von Kunststoffen würden bei einem funktionierenden Pfandsystem wohl ein bisschen weniger verdienen.

Solche Vorstellungen rufen in gewissen Kreisen aller reflexartige Panikzustände hervor: Gewinneinbußen, Arbeitsplatzabbau, Regression,…das sind unter anderem die Horrorszenarien, die unser „Misswirtschaftssystem“ aufrechterhalten. Wir müssen bis zum Umfallen konsumieren, verschwenden und wegwerfen, damit „die Wirtschaft“ etwas zu tun hat. Wirtschaft als Selbstzweck – koste es, was es wolle!

Für mich ist es immer wieder völlig rätselhaft, dass die große Mehrzahl der politischen und wirtschaftlichen Eliten quer durch Europa (und eigentlich wohl weltweit) dieses von Grund auf kranke System nach wie vor weiter vertritt und so tut, als gäbe es keine Alternativen.

Am schlimmsten daran ist allerdings, dass die Profiteure einer angeblich so „freien Marktwirtschaft“ dann auch noch bei jeder Gelegenheit auf teils sehr subtile Art und Weise subventioniert und von jeglicher Verantwortung für den gesellschaftlichen und ökologischen (und damit natürlich auch finanziellen) Schaden den sie anrichten befreit werden. Man denke nur an das zurzeit ebenfalls viel diskutierte Freihandelsabkommen (TTIP).

Kostenwahrheit ist nach wie vor kein Thema für unseren „freien Markt“ – ansonsten könnte man mit der Produktion von Wegwerfplastikflaschen wohl schon längst kein Geld mehr verdienen. „Frei“ steht in diesem Zusammenhang wohl hauptsächlich für: frei von Verantwortung!

Und damit wären wir wieder bei meinem Ansatz:

Es darf sich einfach nicht mehr lohnen auf Kosten der Allgemeinheit Schaden anzurichten. Die „Wirtschaft“, die „Politik“, alle, die an den Hebeln der Macht sitzen, müssen wieder lernen, im Dienste des Gemeinwohls zu agieren und nicht für die kurzfristige, Gewinnmaximierung von ganz wenigen. Wir alle können ihnen dabei helfen, indem wir in erster Linie einmal sinnvolles (bedürfnisorientiertes, nachhaltiges, gesundes) Wirtschaften von „Misswirtschaft“ („bedürfniserzeugender“, ausbeuterischer, kurzsichtiger, nicht zukunftstauglicher, verschwenderischer) unterscheiden und uns dann ganz bewusst entscheiden! Was Kaufentscheidungen anbelangt, bedeutet das oft schlicht und einfach: NICHT Kaufen!!

Und letztendlich gibt es zum Glück (wenn auch von vielen mit Verdrossenheit betrachtet) bei uns immer noch die Möglichkeit, politisch mit zu entscheiden.

Ich halte beides für wichtig: den Beginn einer „Revolution von unten“ und die Stärkung politischer Kräfte, die sich am ehesten für einen Systemwandel und die Begrenzung der bestehenden Geld - Machtstrukturen einsetzt.

Nicht zuletzt deshalb kandidiere ich auch bei der EU Wahl am 25.5. wieder für die Grünen (Platz 26 auf der Grünen Liste!!) - und freue mich natürlich über jede Vorzugsstimme!

12Sep/122

Gläser im “Mantel” und erste Urlaubsimpressionen

Heute habe ich wieder ein sehr nettes Mail mit 2 guten Tipps bekommen, die ich Euch nicht vorenthalten möchte!

Hallo Sandra,

nachdem mein Liebster im Internet auf "Plastic Planet" gestoßen ist, ist er ganz angepickt und möchte euch nacheifern. Bisher viel Theorie ;-) , aber ich lese mich ebenfalls ein und halte die Augen offen. Mir war von eurer Seite im Gedächtnis geblieben, dass nach Spültuch-Alternativen nach wie vor gesucht wird. Für die, die keine Gästehandtücher im Spülbecken mögen könnte ein Schwammtuch von "memo clean" etwas sein. In unserem Bio-Supermarkt (denn´s) habe ich sie heute entdeckt und gleich zum ausprobieren mitgenommen. Ausschließlich natürliche Rohstoffe, keine künstlichen Feuchtmacher, kochfest und zu 100% verrottbar (nach EMPA-Test, der mir nichts sagt). Und verpackt nur mit einem Stück Recycling-Pappe - ok, und 5 cm Tesafilm....

Ich bin ein großer Freund von Schwammtüchern und gespannt auf einen Test. Lt. www.memoworld.com werden die Produkte auch in Österreich vertrieben, auch wenn der Rest der Hygiene-Palette leider in Polyethylen-Folie verpackt ist.

Eine zweite kleine Änderung, die wir vorgenommen haben ist Joghurt im Glas. Um für die Kinder etwas abzufüllen habe ich bisher vor allem Platikdöschen verwendet. Da ich viel nähe haben nun zwei kleine Marmeladen-Gläser ein "Mäntelchen" aus dickem Filz bekommen. So wandern die Gläser sicher im Rucksack mit in den Kindergarten und zurück und sind nach dem Spülen wieder einsatzbereit. Das Design ist noch ein wenig provisorisch, aber funktioniert bisher tadellos und auch der Kindergarten hatte bisher nichts zu beanstanden. Zum Tauschen wird es nun noch zwei weitere Mantelgläschen geben.

LG und weiter viel Erfolg und vor allem viel Spaß,

Nina


Gut, dass es immer wieder so aufmunternde Erfahrungsberichte von Eurer Seite gibt...

Bei unserem heurigen Kroatienurlaub  auf einem Campingplatz der Insel Murter  hat sich nämlich, nun nicht mehr ganz unerwartet, wieder einmal die typische Ernüchterung eingestellt.

Obwohl sich unser eigener Plastikmüll auch diesmal wieder auf einige spezielle Ausnahmen beschränkt hat,  die da waren: Eine Literflasche Joghurt, ein Tetrapack Milch, 6 Eislutscherverpackungen  und natürlich das obligate Packerl  "Urlaubschips" - für eine Woche in einem fremden Land eine akzeptabel Menge, finde ich.

Unser erster Besuch im kleinen Restaurant auf dem Campingplatzgelände sorgte allerdings für eine unerwartete Plastiküberraschung.  Die von uns arglos bestellten Getränke kamen bis auf Peters Bier ausnahmslos in Plastikflaschen und damit nicht genug auch noch alle mit einem extra Plastikbecher garniert daher. Der Versuch, zumindest die Becher zurückzuschicken gestaltete sich daraufhin auch nicht wirklich erfolgreich, da der Kellner sie zwar wieder mitnahm, sie aber trotz ihrer absoluten Unberührtheit direkt im "Gesamtmüll" (von Restmüll will ich in diesem Zusammenhang gar nicht sprechen) landeten. Und als dann schließlich die Pommes für die Kinder und meine Tomaten mit Mozarella serviert wurden war das "Plastikmenü" perfekt: alles auf Plastiktellern und mit Plastikbesteck!

Gegessen haben wir trotzdem - allen abbrechenden und zersplitternden Plastikgabeln und Messern zum Trotz -  doch von unserem ursprünglichen Plan, in dieser Woche öfter mal im Lokal zu speisen, hat uns dieses Menü abgebracht. Lediglich Peters Lieblingsgetränk - offenbar das einzige, das es weltweit in Pfandflaschen gibt - haben wir noch 2,3mal dort eingenommen.

Das einzig Positive, das ich diesem Erlebnis abgewinnen konnte, war die abermalige Bestätigung der Erkenntnis, dass Resaurantbesuche auch ohne derartige Plastikexzesse sicher niemals so "müllarm" sein können wie selber Kochen!!

Weitere "Plastikerlebnisse" aus Murter folgen in Kürze!


6Sep/122

Ein aufmunternder Tipp zum Urlaubsende

Liebe LeserInnen!

Da ich gerade erst aus dem Urlaub zurück gekommen und eigentlich noch gar nicht so richtig wieder angekommen bin, mache ich es mir heute mal einfach und stelle als ersten Beitrag einen Tipp in den Blog, den ich von einer Leserin bekommen habe und den ich wirklich sehr nett finde. Lest selbst....

Hallo Sandra,

ich möchte noch einen Tipp loswerden, vielleicht kannst du ihn für deinen Blog gebrauchen. Ich habe zuhause viele Gästehandtücher, die ich nie verwende, da ich meist die großen Handtücher brauche. Die Tücher liegen  mit einem Stück Seife im Schrank und duften wunderbar. Jetzt habe ich mir ein Tuch für die Arbeit mitgenommen und eines habe ich stets in der Tasche. Ich verwende sie, wenn ich mir auf der Toilette die Hände wasche. Ich hasse die Einmal-Wegwerf-tücher, die Heißluftgebläse und auch die Abroller von Hygienehandtüchern gefallen mir nicht, da sie oft einen schmuddeligen Eindruck machen. Mit meinem duftenden Gästehandtuch spare ich nicht nur Strom und/oder Wegwerftücher, es wird selbst der Gang auf die Bahnhofstoilette zum Wellnesserlebnis ;o)

Gästehandtücher als Schwamm Ersatz zum Spülen/Saubermachen zu verwenden, finde ich auch einen ganz prima Tipp von dir! Mein Mann zieht da leider nicht mit, der will die alten Schwämme haben. Ansonsten gibt es auch Kupfertücher/-schwämme, die jeden Schmutz wegbekommen, die kann man sogar waschen, auch eine Alternative zu den Wegwerfschwämmen.

Liebe Grüße,
Kirsten

In Kürze werde ich auch noch einige weiter interessante und teiweise sehr diskussionswürdige Beiträge, die ich während meines Urlaubs bekommen habe, veröffentlichen und bin schon gespannt auf Eure Reaktionen und Beiträge dazu.

Und meine eigenen Urlaubseindrücke werden natürlich auch wieder ein Thema sein. Vorläufig kann ich nur sagen: Es gibt noch viel zu tun!!

4Aug/122

Urlaubswünsche 2012 und noch ein paar Kleinigkeiten

Da ich in den nächsten Wochen wegen meines Urlaubs wenig Gelegenheit haben werde, auf dem Blog zu schreiben, möchte ich vorher gerne noch ein paar Dinge anbringen:

1.)    Sollte aus irgendwelchen Gründen diese Seite (www.keinheimfuerplastik.at) nach meinem Urlaub nicht  funktionieren, so schreibt mir bitte direkt an keinheimfuerplastik@aon.at

2.)    An alle, die überzählige Stofftaschen zu Hause oder sonstwo herumliegen haben:

Bitte schickt sie an oder bringt sie zu

Jeanine Hechl
Rothenweg 26
D-55768 Hoppstädten-Weiersbach

3.)    Ich werde sicher wieder einige mehr oder weniger plastikfreie Urlaubserlebnisse sammeln und würde mich sehr über Eure (positiven oder negativen) Beispiele und Erlebnisse aus dem Urlaub freuen. Wenn Ihr sie mir an die oben angegebene Mailadresse schickt, kann ich einige davon vielleicht auch als Posts im Blog veröffentlichen.

4.)    Ich wünsche allen LeserInnen der "Plastikfreien Zone" weiterhin viel Spass dabei und hoffe, Ihr könnt auch viele in Eurem Umkreis zum Lesen und Nachahmen animieren.

Ich wünsche allen, die ihn noch vor sich haben einen wunderschönen Urlaub, allen die ihn schon genossen haben, einen guten Start bei Arbeit, Schule oder was auch immer und freue mich auf viele weitere Kommentare und Diskussionen auf diesem Blog und im Herbst auch bei den Buchpräsentationen und Diskussionsveranstaltungen zu denen ich eingeladen bin.

LG und bis bald

Sandra

2Nov/105

Ein plastikfreies Hüttenwochenende

HüttenwochenendeSeit nunmehr 6 Jahren veranstalte ich jährlich einmal ein Hüttenwochenende für Kinder im Volksschulalter (ca. 6 bis 10 Jahre), das seit jeher unter dem Motto „Erlebniswochenende“ stand.

Damit ist gemeint, dass es an diesen 2 Tagen hauptsächlich darum gehen soll die Natur und die Gemeinschaft in der Gruppe zu erleben, sich an der Essenszubereitung zu beteiligen, zu Schnitzen, im Wald Lager zu bauen, Steckerlbrot und Würstel am Lagerfeuer zu braten…usw.

Konsumieren und sich berieseln Lassen sollte für diese kurze Zeit einmal Pause haben.

Ich erinnere mich noch gut an die Frage eines 7-Jährigen auf der Fahrt zum 1.Hüttenwochenende: „Gibt es da oben einen Fernseher?“

Ich musste damals lachen, als er auf meine Verneinung mit einem enttäuschten „Oh je, das wird dann sicher fad!“ reagierte.

Tatsächlich ist es in all den Jahren noch nie vorgekommen, dass sich eines der Kinder über Langeweile beklagt hätte.

Und auch wir Erwachsenen konnten in diesen 2 Tagen noch nie über Unterbeschäftigung klagen, da wir normalerweise höchstens zu Dritt sind und 25 bis 30 Kinder mitnehmen.

DSCN7713In der Ausschreibung für das Wochenende habe ich auch bisher schon immer darum gebeten, den Kindern kein elektronisches Spielzeug, kein Handy und keine Naschsachen mitzugeben.

Heuer kam noch ein wichtiger Punkt dazu: Wir wollten so wenig Müll wie möglich produzieren. Das Essen sollte natürlich gesund, aber auch möglichst einfach und schnell zu kochen sein. Wir entschieden uns daher für Spaghetti mit Tomatensauce und Erdäpfelgulasch.

Mit Iris und Paul, die heuer erstmalig als Betreuungspersonen mitfuhren, erstellte ich einen detaillierten Einkaufsplan, um wirklich alle Lebensmittel so verpackungsarm wie möglich und natürlich vor allem ohne Plastikverpackung kaufen zu können.

Äpfel, Erdäpfel, Zwiebel und Eier bekam ich nach telefonischer Vorbestellung von Bauern in meiner Nähe. Die Äpfel wurden mir sogar zugestellt, wobei ich wieder mal vergessen hatte, darauf hinzuweisen, dass ich sie nicht in Plastiksäcke verpackt haben wollte. Prompt kam auch eine Lieferung von 15 kg bester Bioäpfel in 2 großen, hässlichen, grünen Plastiksäcken. Mein Lieferant war zwar ein wenig erstaunt, hatte aber nichts dagegen, die Plastiksäcke wieder mit zunehmen, nachdem ich die Äpfel in eine Kartonschachtel umgelehrt und ihm erklärt hatte, dass er die Säcke sicher noch für irgendetwas brauchen könne.

Die Biofrankfurter, die wir am Abend am Lagerfeuer grillen wollten, besorgte Iris am Bauernmarkt in Graz – extra für uns nicht in Plastik eingeschweißt, sondern lose. Für den Transport wurden sie in einen großen Kochtopf verpackt.

HüttenwochenendeDie Tomaten für die Spaghettisauce kamen ebenfalls von Iris Stamm- Biobäurin. Paprika, Gurken und Käse bestellte ich über das wöchentliche „Biokisterl“.

Butter, Mehl, Spaghetti, Zucker und Tee besorgte ich im Supermarkt. Selbst gemachte Marmelade nahm ich von zu Hause mit und das Brot kauften wir direkt am Abreisetag bei einem Bäcker ganz in der Nähe.

Was die Milch betraf so entschied ich mich letztendlich nur für ein kleines Fläschchen für unseren Kaffe. 5 bis 6 Liter in Glasflaschen mitzunehmen und diese große Menge Milch vorher womöglich auch noch abzukochen, erschien mir einfach zu aufwändig. Heuer würden die Kinder in der Früh eben einfach Tee trinken.

Das alles klingt wahrscheinlich recht kompliziert, aber ich empfand den Einkauf heuer so angenehm wie nie zuvor. Wir hatten einfach weniger verschiedene Dinge gekauft und uns auf das Wesentliche reduziert, dafür war es uns aber gelungen, den gesamten Lebensmittelbedarf für das Wochenende plastikfrei und größtenteils in Bioqualität einzukaufen.

Bis auf – na ja, das obligate Packerl Chips natürlich, das gemeinsam mit einer Flasche Rotwein die traditionelle Belohnung für das Betreuungsteam darstellte, wenn irgendwann zwischen 10 und 11 Uhr endlich Ruhe einkehrte und wir das erste und einzige Mal in diesen 2 Tagen Zeit zum Durchschnaufen hatten.

DSCN7690Für die Naschereien der Kinder sorgten netterweise wieder einige freiwillige Elternteile (Mütter!!) in Form von selbst gemachtem Kuchen und Keksen.

Es war also bestens für unser leibliches Wohl gesorgt und bereitete mir großes Vergnügen, zu beobachten, wie sogar die „sehr heiklen“ Kinder ihren Zwischendurchhunger ganz einfach mit Äpfeln und Butterbroten stillten. Außerdem machten uns einige Kinder Komplimente für unsere selbst gemachte Tomatensauce, nur ein 1.Klässler meinte, dass Mamas Sauce aus dem Glas besser sei, weil sie nicht „solche Stücke“ hätte.

Ich hatte natürlich auch mit den Kindern darüber geredet, dass wir die Hütte heuer praktisch ohne Müll wieder verlassen wollten und am Ende der 2 Tage waren daher alle sehr stolz, dass wir nur die Butterverpackungen, einige gebrauchte Taschentücher, die ich beim letzten Rundgang in der Hütte gefunden hatte und ein paar leere Glasflaschen wieder mitnehmen mussten.

Die Papierverpackungen waren am Vortag zum Anheizen des Lagerfeuers verwendet worden, den Biomüll, der hauptsächlich aus Erdäpfel - und Zwiebelschalen bestand, durften die Kinder im Wald „vergraben“ und die Chipsverpackung hatte ich aus pädagogischen Gründen unterschlagen.

Bei der abschließenden „Was hat Dir am besten gefallen?“ – Runde, war zwar auch diesmal , das Lagerfeuer unschlagbarer Spitzenreiter, aber eine von Leos Mitschülerinnen, schloss die Rund schließlich mit einem mitleidigen Blick auf das kleine Papiermüllsackerl, das ich während der gesamten Abschlussrunde in der Hand gehalten hatte, mit den Worten.“…dass wir so wenig Müll gemacht haben!“

Und so konnten wir alle die Hütte am Sonntagabend zwar etwas erschöpft, aber glücklich, zufrieden und frei von Plastikmüll verlassen.

7Oct/101

Urlaub am Meer (Teil 3)

Recycling der besonderen Art

u31Bei einem abendlichen Gespräch mit unseren Freunden über die unübersehbare „Plastikflut“ hatte Hans eine zwar gewagte, aber angesichts der unleugbaren Tatsachen vielleicht nicht ganz unrealistische Zukunftsvision. Er meinte dass es spätestens für die Kinder unserer Kinder völlig normal sein würde, auf „Plastikstränden“ Urlaub zu machen. Plastik statt Schotter, Sand und Fels – teilweise ja heute schon Realität. Man könnte es auch als eine spezielle Art von Recycling sehen. Denn in der Argumentation mancher Zeitgenossen wird ja praktisch jede über den primären Verwendungszweck hinausgehende Existenz von Plastikprodukten als Recycling bezeichnet. Vielleicht muss man es den Menschen ja nur richtig verkaufen und sie werden eines Tages auf den schönen, bunten Plastikstränden ganz glücklich sein….
Gegen solche und ähnliche zynische Gedanken musste ich im Laufe dieses Urlaubes des Öfteren ankämpfen. Und dabei war auch mir nicht zuletzt das altbekannte und bewährte Ausblenden hilfreich. Als wir dann gegen Ende des Urlaubs erfuhren, dass „unsere“ schöne Bucht nicht von Natur aus nahezu plastikfrei war, sondern einfach regelmäßig gesäubert wird und ich bei einem Strandlauf schließlich in der Nachbarbucht das Ergebnis dieser Sammelaktionen entdeckte, konnte mich das gar nicht mehr besonders erschüttern. Auch hierzu gibt es aber natürlich ein Foto!

Die Sinnfrage

Urlaub am MeerIch muss zugeben, dass mir unser kleines Experiment an den Stränden von Vis einige Male fast sinnlos erschien – ein kleines Sandkorn in einem riesigen Plastikuniversum!
Doch die Anflüge von Resignation währten zum Glück nur kurz. Die Strände von Vis haben mir ob ihres extremen Kontrastes von unglaublicher Schönheit und Zerstörung nicht nur Tränen der Fassungslosigkeit beschert, nein, sie haben auch meinen Widerstandsgeist ganz extrem angestachelt, ganz ähnlich wie es vor fast einem Jahr durch „Plastic Planet“ passiert ist. Die mir so bekannte Gefühlsmischung aus Trotz, Eigensinn, Mut und Leidenschaft half mir schließlich, den Fokus wieder dorthin zu legen, wo die Ohnmacht endet und die eigene Verantwortung beginnt.
Nachdem sich in einem von Peter etwas bruchstückhaft gedolmetschten Gespräch mit unserer Vermieterin unsere Vermutung bestätigt hatte, dass es auf Vis keine Mülltrennung gibt (im Gegensatz zum kroatischen Festland), beschlossen wir also unseren Müll wieder mit nach Hause zu nehmen. So landeten also alle mitgebrachten und vor Ort gekauften Gläser und Flaschen, Metalldeckel, Karton- und Papierverpackungen, sowie die „Plastiksünden“ dieses Urlaubs (eine 1Liter Joghurtflasche und 2 Chipsverpackungen) wieder in unserem Kofferraum. Nur der Biomüll blieb auf der Insel.

Urlaub am MeerUnd sogar beim Einkaufen, das hier wirklich von Plastik geprägt ist (sogar einzelne PET-Flaschen ließen sich die Leute teilweise in Plastiksackerl verpacken und selbst das Bier ist hiervor Plastikflaschen nicht sicher!), gab es letztlich noch kleine Erfolgserlebnisse. Peters erster Weineinkauf direkt beim Weinbauern war noch ein wenig schwierig, obwohl der Wein selbst zum Glück noch in Glasflaschen verkauft wird. Doch bevor er sich versah, waren die Weinflaschen schon in Plastiksackerln verpackt. Als Peter diese mit Hinweis auf die mitgebrachten Stofftasche ablehnte, wollte der bemühte Weinverkäufer ihm die Flaschen samt Plastiksackerln in die Tasche stellen und erst nachdem auch das an Peters zähem Widerstand gescheitert war, „verstand“ er schließlich, stellte die Weinflaschen unverpackt in die Stofftasche, knüllte die Plastiksackerln zusammen und warf sie zum Müll…
Dafür reagierten sowohl der Bäcker, der jeden Morgen nach Rucavac kam, als auch die Obst - und Gemüseverkäuferin äußerst aufmerksam auf unsere speziellen Wünsche. Schon beim 2. Einkauf ließ der Bäcker ohne weitere Aufforderung das Plastiksackerl liegen und füllte mir Brot und Gebäck in die mitgebrachte Tasche.
Und die Obst -und Gemüseverkäuferin war überhaupt sensationell. Trotz sprachlicher Barriere interpretierte sie meine hilflosen Versuche, ihr zu erklären, dass ich trotz heillos überfüllter Stofftasche für die Erdäpfel kein Extraplastiksackerl wollte richtig und kramte lächelnd ein Papiersackerl hinter ihren Gemüsekisten hervor.

Urlaub am MeerUnser Weineinkauf im Hafen von Vis direkt vor der Abreise war dann auch noch ein wirklich versöhnlicher Abschluss: Als wir der dortigen Verkäuferin unser Stoffsackerl vor die Nase hielten, um sie gar nicht erst auf die Idee kommen zu lassen, nach den omnipräsenten Plastiksackerln zu greifen, nickte sie verständnisvoll und sagte:“ Oh yes, I understand, it´s really terrible, this plastic…!“ In diesem Moment hätte ich die gute Frau am liebsten umarmt.Als wir die Insel Vis schließlich hinter uns ließen und von der Ferne wieder alles so heil aussah, bemerkte ich plötzlich, das das Zweifeln und Hadern, der letzten Tage vorbei war. Und ich war mir plötzlich wieder sicher, dass die Menschheit nicht nur eine ungehörig große zerstörerische Kraft besitzt, sondern sich auch nach Schönheit, Unberührtheit und Lebendigkeit sehnt. Das ist die große Hoffnung, die ich trotz aller Realitäten aus dem heurigen Sommer mitnehme.

30Sep/106

Urlaub am Meer (Teil 2)

Urlaub am Meer

Die Insel Vis wurde erst nach Ende der Tito –Ära für Touristen zugängig gemacht – das war bei unserem letzten Besuch vor 15 Jahren noch sehr deutlich spürbar. Aber auch jetzt ist die kleine Insel noch kein Ort des Massentourismus. Es gibt ein einziges kleine Hotel direkt in der Stadt Vis und sonst nur private Apartments oder Zimmer. Deren Anzahl ist zwar in den letzten 15 Jahren stark gestiegen, dennoch hat man, beim Erkunden der Insel oft noch das Gefühl, sich in einem kleinen Paradies zu befinden.

Urlaub am MeerSchon bei der Quartiersuche waren wir von der Schönheit der Insel überwältigt und der Ausblick von der Terrasse unseres Apartments aufs Meer, vermittelte mir jeden Morgen wieder das Gefühl, mich in einem schönen Traum zu befinden. Bevor wir gegen Abend des ersten Tages zum ersten Mal den südöstlich gelegenen Strand unseres Urlaubsortes Rucavac aufsuchten, war das paradiesische Bild nahezu perfekt.

Das änderte sich wie nicht anders zu erwarten mit dem ersten Strandbesuch. Schon auf dem Weg dorthin stolperten wir über die ersten Plastikflaschen und sowohl im felsigen, schroffen bereich der Küste als auch in der Schotterbucht, fanden sich verschiedene Arten von Plastikmüll – allerdings in relativ geringem Ausmaß und so gesehen war ich nach den Erlebnissen des Vorjahres beinahe schon positiv überrascht.

Diese Überraschung steigerte sich noch, als wir am nächsten Tag auf Empfehlung unserer Wirtin die westlich gelegene Bucht von Rucavac aufsuchten. In dieser wunderschönen, von flach ansteigendem Fels umrahmten Schotterbucht, fand ich bei einem ersten Rundgang tatsächlich so gut wie keinen Müll. Im hinteren, bewaldeten Bereich der Bucht gab es auch einige Mülltonnen und sogar 4 chemische Toiletten.

Die Tatsache, dass auch über Nacht anscheinend  kein Müll aus dem Meer angeschwemmt wurde, führte ich vorerst vor allem auf die etwas geschützte Lage zurück.

Das verlorene Paradies

Urlaub am MeerNach einigen Tagen begannen wir mit der weiteren Erkundung der Insel. Der Weg in die kleine Stadt Komisa war geprägt von beeindruckenden Naturschönheiten: Azurblaues Meer, wilde Küste mit vorgelagerten Inselchen, kleine Buchten, Olivenhaine, Steinmauern – jeder Blick ein Foto wert.

Kurz bevor wir Komisa erreichten, bot sich uns dann allerdings ein Bild, das sich kaum beschreiben lässt. Hier sagen Bilder wirklich mehr als 1000 Worte – sogar die Kinder waren, nachdem wir die mitten in die Küstenlandschaft eingebettete Mülldeponie entdeckt hatten, für kurze Zeit sprachlos.

Die weitere Erkundung der Küste und anderer Buchten brachte das Paradies leider noch mehr ins Wanken.

Auch hier möchte ich am liebsten wieder Bilder sprechen lassen.

Urlaub am MeerDer kleine Müllberg vor dem Schwemmholz ist zum Beispiel das Ergebnis einer 3 bis 4-minütigen Sammelaktion im Umkreis von einigen Quadratmetern um unseren Liegeplatz und zwar in einer der schönsten Buchten der Insel, der Stiniva-Bucht.

Wirklich schlimm wurde es dann allerdings, als wir in der Nähe der Stadt Vis ein potentielles Quartier für das nächste Jahr besichtigten. Aus der Entfernung wirkte auch hier alles perfekt: Ein altes Steinhaus, alleine in Mitten eines Weingartens auf einer Landzunge, rundherum Blick aufs Meer, die Hänge zum Meer mit wildem Rosmarin und Lorbeer bewachsen, schroffe Felsen und 2 kleine Schotterbuchten. Auf dem Weg zur Bucht bemerkte ich allerdings schon aus der Weite einige bunte Flecken am Strand, die ich zuerst noch für liegen fr.wikisource.org gebliebene Handtücher hielt – ein interessantes Phänomen, dieses „Nicht-wahr-haben-wollen“!

Urlaub am MeerUnschwer zu erraten, was wir tatsächlich in der Schotterbucht vorfanden – auch dort habe ich zahlreiche Fotos gemacht, was mir in meiner Familie den Beinamen „Mülljournalistin“ einbrachte – aber ich konnte irgendwie nicht anders.

Als Peter, Marlene und Leonard schließlich ihren Versuch - trotz des durchgehend mit Plastikmüll verunreinigten Strandes - im glasklaren Wasser ein kurzes Bad zu nehmen, aufgaben, weil auch dort überall die typischen kleinen Plastikfetzen herumtrieben, war ich tatsächlich den Tränen nahe.

Diese Fotos zumachen, war in diesem Moment für mich einfach ein wichtiger Akt gegen das Ausblenden der Realität. Es wäre einfach nicht richtig gewesen nur die Schönheit der Insel festzuhalten, es wäre eine völlig unzulässige Verfälschung des Gesamtbildes gewesen.

Zum Fotoalbum

(Fortsetzung inklusive Hoffnungsschimmer folgt in Kürze!!)

18Sep/102

Urlaub am Meer (Teil 1: Vorbereitungen und Reise)

Urlaub am MeerVon den Überlegungen bezüglich unseres heurigen Kroatienurlaubes habe ich ja bereits berichtet. Unser ursprüngliches Wasserproblem hat sich im Endeffekt aber sogar mehrfach gelöst:

Zwei Tage vor der Abreise fand nämlich Veronika, eine gute Freundin von mir, in einem Markt für landwirtschaftlichen Bedarf einen Edelstahlkanister mit Zapfhahn und großer Nachfüll- und Reinigungsöffnung. Damit und mit den drei 5-Liter Glasflaschen, die wir uns schon vorher besorgt hatten, waren wir zumindest fürs Erste mit Trinkwasser versorgt.

Auf Vis erfuhren wir dann von unserer dortigen Quartiergeberin, dass das Leitungswasser auch hier mittlerweile Trinkwasserqualität hat und im einzigen echten Supermarkt der kleinen Insel entdeckten wir schließlich auch noch Mineralwasser in Glaspfandflaschen. Die plastikfreie Wasserversorgung war also gesichert.

Die weitere Verpflegung bestand aus Getreide, Müsli, Reis, Nudeln, Gemüse und Erdäpfeln aus unserem Garten, einigen Gläsern mit Spaghettisauce, Honig, Marmelade und Aufstrichen in Gläsern.

Ich hatte die Insel Vis von unserem letzten Besuch vor 15 Jahren geradezu paradiesisch in Erinnerung und mir daher fest vorgenommen, so wenig Müll wie möglich dort zurück zu lassen. An dieser Stelle muss ich auch eingestehen, dass uns – nach den Stranderlebnissen des letzten Sommers auf Istrien – unter anderem auch die Hoffnung auf weniger vermüllte Strände auf die etwas abgelegenere Insel Vis gebracht hatte.

Doch schon die Fahrt mit der Fähre von Split nach Vis raubte mir diesbezüglich einige meiner Illusionen. So wunderbar blau, türkis, klar und weit das Meer an vielen Stellen auch erscheint – Plastikmüll ist auch hier allgegenwärtig. Die Momente, in denen man tatsächlich meint, mit freiem Auge nur mehr Meer zu sehen, sind ausgesprochen rar, von einem Plastikteil zum nächsten sozusagen und dazwischen liegen selten mehr als ein paar Minuten. Dennoch ist man angesichts der unglaublichen Schönheit von Meer und Inselwelt geneigt, diese „kleinen“ Störfaktoren auszublenden – es gibt ja doch noch so viel mehr Meer als Müll…oder?

Was den exzessiven Umgang mit Plastik anbelangt, hatte die Fahrt mit der Fähre auch noch ein besonderes Schmankerl zu bieten:

Vom Sonnendeck aus beobachtete ich einen Stock tiefer 3 Frauen, die eine Sitzbank erst einmal gründlich mit Feuchttüchern reinigten, die benützten Reinigungstücher anschließend feinsäuberlich in ein Plastiksackerl verpackten, danach mit einem Desinfektionsspray die gesamte Bank einnebelten und letztlich die Sitzfläche sorgfältig mit Plastiksackerln auslegten, bevor sie sich schließlich doch entschlossen, sich auf der mittlerweile wohl ziemlich keimfreien Unterlage niederzulassen (allerdings hatten sie am Schluss vergessen, auch noch die Plastiksackerl zu desinfizieren!), worauf eine der Dreien unmittelbar begann, sich die Fingernägel zu lackieren. Obwohl ich einerseits über die groteske Szene schmunzeln musste, war andererseits die hygienische Geruchsmischung, die nach oben stieg, so beachtlich, dass mir eine kalte Schauer über den Rücken lief.

Plastik und Hygiene – für viele offenbar zwei untrennbar miteinander verbundene Begriffe, egal, ob es um die Verpackung von Lebensmitteln oder die Nutzbarmachung von Sitzbänken auf Fähren geht. Doch was von der Hygiene übrig bleibt landet leider nicht selten auf kürzestem Weg dort, wo wir es dann gar nicht mehr als hygienisch empfinden…

(Fortsetzung folgt)

30Aug/101

Kurzer Zwischenbericht über unsere Zugreise nach Amsterdam

Während unsere Kinder eine Woche lang auf einem Hüttenlager waren, hatten Peter und ich eine (Luxus-)Zugreise nach Amsterdam gebucht.Für mich war es die erste Reise mit einem Nachtzug im Schlafwaggon, und da wir ein 2er Abteil reserviert hatten, war es tatsächlich fast luxuriös.

Zugreise Schon beim Betreten unseres Abteils, fanden wir allerdings die erste „Plastiküberraschung“ auf unseren Betten vor: Jeweils eine Plastikflasche mit Wasser, wobei es sich, wie ich zu meinem Erstaunen feststellte, um Pfandflaschen handelte. Wirklich amüsiert haben mich allerdings die mit Wasser gefüllten und mit einer Art Alufolie verschlossenen Plastikbecher, deren Zweck ich mir vorerst nicht erklären konnte. Der Schaffner klärte mich schließlich darüber auf, dass es sich hierbei um „Zahnputzwasser“ handle. Meine angeborene Neugierde veranlasste mich letztlich dazu, mir tatsächlich damit meine Zähne zu putzen. Was allerdings dazu führte, dass ich schon durch den etwas ruckartigen Öffnungsvorgang ca. die Hälfte des Inhalts im Nachtzugbadezimmer verteilte und damit endete, dass der Becher schließlich während des Zähneputzens umfiel (Plastik ist ja sooo leicht!), wodurch auch noch der Rest des Zahnputzwassers ungenützt verschüttet wurde. Letzten Endes musste ich, um den Raum für nachfolgende Reisende wieder einigermaßen benutzbar zu hinterlassen, auch noch den Boden und Teile der Wand mit Einmalhandtüchern trocken wischen – soviel Müll habe ich bei einmal Zähneputzen sicher noch nie produziert!

Die Nacht verlief dafür dann aber doch einigermaßen plastikfrei. Einer der vielen Vorteile einer Zugfahrt ist ja die Abwesenheit von diversen Konsumverlockungen. Und da Peter sich – ob seiner Größe - schon alleine auf seiner Liegestatt kaum rühren konnte, der Schaffner direkt nebenan sein Abteil hatte und ich, nachdem wir die mitgebrachte Flasche Rotwein gelehrt hatten, in einen tiefen und angenehm geborgenen Zugschlaf fiel, war auch die einzige verbleibende Option für den Einsatz von Plastik in dieser Nacht kein Thema......

Umso deutlicher holte uns die Realität am nächsten Morgen ein. Nachdem wir unseren ersten Durst noch mit den  Wasservorräten von zu Hause stillen konnten, erwartete uns ein Frühstück der besonderen Art. Eigentlich sagt hier ein Bild mehr als 1000 Worte. Die einzigen, nicht in Plastik verpackten Teile des Frühstücks waren das Brötchen und die Serviette – eine wirklich interessante Erfahrung nach beinahe 10 Monaten plastikfreier Ernährungspraxis!

ZugreiseDennoch blieb von unserem Frühstück tatsächlich „nur“ die Verpackung übrig – so eine Nacht im Zug macht einfach hungrig! Aber in diesem Fall war „nur“ die Verpackung -zumindest was das Volumen anbelangt - fast mehr als das ursprüngliche Frühstück. Meine Bemühungen unseren Frühstücksmüllberg wenigstens nach Müllarten zu trennen und entsprechend zu entsorgen (es gab nämlich im Zug sogar eigene Müllbehälter für unterschiedliche Materialien) endeten allerdings recht abrupt damit, dass mir der Herr Schaffner den ganzen Krempel mit den Worten. „Geben´S das mir! Da hab ich einen eigenen Sack dafür!“ aus der Hand nahm und ohne jegliches Zögern in einen richtig tollen „Gesamtmüllsack“ warf!

 

Mit diesen Reiseimpressionen beende ich meinen kurzen Zwischenbericht! Amsterdam war übrigens wunderschön, aber das ist eine eigene Geschichte. Morgen brechen wir in unseren Kroatienurlaub auf und auch hier wird schon die Anreise eine weitere Bewährungsprobe für unser Experiment sein. Ab der 2.Septemberwoche wird es dann wieder neue und hoffentlich positive Berichte über unsere heurige Sommerurlaubssaison geben.

8Aug/103

Urlaubsplanung

Die Planung unseres heurigen Sommerurlaubs erfordert in mancher Hinsicht etwas mehr Denkarbeit als bisher.

Wie an anderer Stelle schon ausführlich beschrieben, war ja schon unser letzter Kroatienurlaub fast so etwas wie eine Vorahnung von „Plastic Planet“. In Kroatien war damals gerade ein Pfandsystem für Plastikflaschen eingeführt worden – wohl eine Art „Notfallsmaßnahme“, denn von Plastikmüll überflutete Strände und Küstenstreifen machen in einer der beliebtesten Sommerurlaubsdestinationen Europas eben doch keinen besonders attraktiven Eindruck.

Da wir uns über die gesundheitlichen Beeinträchtigungen durch Plastik damals mangels entsprechender Informationen noch keine Gedanken gemacht hatten, waren wir mit zwei 5-Liter Plastikkanistern sowie einigen 1,5 – Liter Plastikflaschen gefüllt mit heimischem Leitungswasser angereist. Ausschlaggebend dafür waren allerdings eher praktische bzw. wirtschaftliche Überlegungen, als der Gedanke an Müllvermeidung gewesen. Warum Wasser im Supermarkt kaufen, wenn das eigene Leitungswasser in bester Qualität zur Verfügung steht das noch dazu weitaus günstiger ist?

Als unsere österreichischen Wasservorräte schließlich aufgebraucht waren, entdeckten wir in kroatischen Supermärkten große 5-Liter Plastikflaschen mit Wasser. Zwei von diesen Flaschen habe ich am Ende des Urlaubs sogar nach Österreich importiert, um beim nächsten Urlaub noch auf zusätzliche Wasserbehälter zurückgreifen zu können.

Mittlerweile stehen diese Flaschen allerdings gemeinsam mit unseren Plastikkanistern und all den anderen aussortierten Plastikartikeln in unserem leerstehenden Stallgebäude. Der Gedanke, unser Trinkwasser in diese Plastikbehälter zu füllen, widerstrebt mir inzwischen sehr. Da wir bis jetzt aber noch keine Metallkanister in transportabler Größe gefunden haben und ich es mir überhaupt recht schwierig vorstelle, die gesamte Trinkwassermenge für unsere 5-köpfige Familie für ca. 10 Tage in unserem PKW zu transportieren, ist mir bei meinen Überlegungen schließlich wieder eingefallen, dass unser kroatischer Quartiergeber uns im Vorjahr erklärt hat, man könne das kroatische Leitungswasser mittlerweile bedenkenlos trinken. Peter hat das angeblich eh schon immer gewusst und auch früher schon kroatisches Leitungswasser getrunken. Und auch meine diesbezüglichen Selbstversuche, zeigten keinerlei negative Auswirkungen. Dennoch hat es sich bei uns im letzten Jahr noch nicht wirklich durchgesetzt, dass wir alle einfach das kroatische Leitungswasser getrunken hätten. Es stellt sich die Frage, warum die Wasserqualität in „südlichen“ Ländern überhaupt so problematisch zu sein scheint. Ob das vielleicht mit dem immensen Wasserverbrauch durch den immer stärker werdenden Massentourismus zusammenhängt? Sind wir also am Ende selbst die Wurzel des Problems? Müssen wir jetzt auch noch anfangen, unser „Urlaubsverhalten“ zu überdenken?

In diesem Zusammenhang fällt mir eine Szene aus einem anderen österreichischen Dokumentarfilm ein: In „We feed the world“ mokiert sich der Nestle Chef  Peter Brabeck über die „extreme Position gewisser NGOs, die ein Recht auf Trinkwasser für alle Menschen fordern“, um im selben Atemzug unmissverständlich den Standpunkt des Konzerns darzustellen: Wasser als Lebensmittel, das nun mal einen gewissen Marktwert hat! Damals hat mich daran vor allem erbost, dass eine der elementarsten Lebensgrundlagen aufgrund von blanker Profitgier zum Spekulationsobjekt degradiert werden soll. Heute erscheint mir die Szene allerdings noch um einiges absurder: das Lebensmittel Wasser in Plastik abgefüllt für diejenigen, die es sich leisten können. Ein Luxusgut also und dennoch belastet mit einem für  Laien nicht näher definierbaren, chemischen Cocktail, der sich unweigerlich aus der ach so hygienischen Plastikverpackung löst. Die Verschmutzung von Wasser macht also nicht Halt vor unserem westlichen Massenkonsumalltag, sie hat nur eine andere Gestalt angenommen, ist subtiler geworden, nicht so offensichtlich und zugegebenermaßen nicht so akut gesundheits- oder gar lebensbedrohend wie dort, wo Menschen tatsächlich noch aus braunen, übelriechenden Tümpeln ihr „Trinkwasser“ schöpfen müssen. Mir drängt sich der Vergleich  mit der „sauberen“ Atomenergie auf , an die viele offenbar auch nur deshalb noch immer glauben, weil man ihre Auswirkungen, nicht sofort sehen, hören oder riechen kann.

Viele von uns sind jedenfalls bereit, den Marktpreis für „sauberes“ Wasser in Plastikflaschen zu bezahlen. Ein eindrucksvolles Beispiel dafür erlebte ich, als ich auf dem Weg in den Urlaub (quasi während des Schreibens dieser Zeilen) an der Kassa einer Raststation einen Mann beobachtete, der maximal 0,3 Liter Evian-Wasser in einer Plastikflasche um sage und schreibe 2,70 € erstand. Das muss man sich wirklich erst einmal leisten können. Umgerechnet auf unseren Familienbedarf für den geplanten Kroatienurlaub wären das ca. 890 €, bei einem täglichen Bedarf von maximal 2 Litern pro Person!

Peter Brabeck hätte seine Freude daran.

Natürlich ist das ein extremes Beispiel, denn kaum jemand würde wohl auf die Idee kommen 100 Liter Wasser in 0,3 Liter Fläschchen zu kaufen, dennoch scheint es mir typisch für eine Art Vogel Strauß Politik im Umgang mit unseren Ressourcen. Denn selbst wenn man Peter Brabeck für einen sympathischen Kerl und seine Motive für uneigennützig und menschenfreundlich hält, kommt man bei genauerer Betrachtung nicht daran vorbei, dass es weder für die Qualität noch für die Preisentwicklung unserer Wasservorräte förderlich sein kann, wenn wir durch unser Konsumgewohnheiten eine Industrie unterstützen, die selbst direkt oder indirekt an der Verschmutzung und Schadstoffbelastung und damit eben auch an Verknappung von einwandfreiem Trinkwasser beteiligt ist. Auf diese Art und Weise besteht wohl eher die Gefahr, dass wir uns früher oder später auch in unseren Breiten fragen müssen, woher wir das Wasser nehmen sollen, das wir in unsere hygienischen Plastikflaschen füllen können.

„Einfach Cola, Fanta oder Sprite trinken“, wie es mir ein Kind in der 2.Klasse Volksschule einmal bei einer Diskussion vorgeschlagen hat, wird dann wohl auch nicht das Mittel der Wahl sein...

Nun ja, all diese Überlegungen haben mich bei der Lösung unseres Wasserproblems für den geplanten Kroatienurlaub nicht wirklich weitergebracht. Zum Glück fahren wir jetzt ja erst mal nach Kärnten. Da sollte es mit dem Trinkwasser kein Problem geben, (zumindest solange man es nicht auf Slowenisch bestellt...)

Alle LeserInnen von „Kein Heim für Plastik“ bitte ich um Verständnis dafür, dass ich in den kommenden 4 bis 6 Wochen wegen der geplanten Urlaube voraussichtlich keine neue Geschichten erzählen werde. Danach gibt es allerdings sicher Einiges zu berichten, unter anderem hoffentlich die Lösung für unser Wasserproblem.

Inzwischen wünsche ich allen, die ihn noch vor sich haben, einen schönen und erholsamen Urlaub und freue mich schon auf viele Vorschläge, Tipps und Erfahrungen zum Thema „Plastikfreier Urlaubseinkauf“