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14Jul/1032

Muelltrennen und Muellverpacken

Obwohl wir es im Zuge unseres Experiments geschafft haben ca. 95 % weniger Plastikmüll (die restlichen 5% stammen hauptsächlich aus Geschenken, Postsendungen und Restbeständen) und ca. 60 bis 70 % weniger Restmüll zu produzieren, ist auch in unserem Haushalt die Frage wie mit dem verbleibenden Müll umgegangen wird nicht unwesentlich. Selbstverständlich sammeln wir Glas, Papier, Metall und Biomüll extra, aber mit dem Sammeln alleine ist es ja noch nicht getan. Es gehört schon auch noch eine ganze Menge guter Wille und einiges an Mitdenken dazu, die sorgfältig getrennten Müllfraktionen auch tatsächlich einer entsprechenden Entsorgung (die Recycling überhaupt erst möglich und sinnvoll macht) zuzuführen.

Das denke ich mir jedenfalls immer wieder, wenn ich vor dem Altpapiercontainer, der sich direkt vor unserem Haus befindet, stehe. Der Umgang mit so einer grundsätzlich sinnvollen Einrichtung scheint nämlich viele MitbürgerInnen heillos zu überfordern.

Das fängt damit an, dass immer wieder riesige, nicht zerkleinerte Kartonverpackungen und Schachteln in den Container geworfen werden, die oft schon nach 2 bis 3 Tagen das Einfüllen von Altpapier unmöglich machen. Weiter geht es damit, dass  gefüllte Container offenbar auch nicht für jedermann ein klares Signal dafür sind, dass an dieser Stelle zurzeit kein Altpapier mehr entsorgt werden kann. Abgesehen von den Dingen, die beim Einfüllen in volle Container „danebenfallen“, finden sich nach kurzer Zeit auch alle möglichen Schachteln und Säcke, die neben dem Container abgestellt werden. Die Tatsache, dass deren Inhalt von Wind und Regen in der umliegenden Gegend verteilt wird kümmert die Betreffenden offenbar wenig.

Zu guter Letzt scheint es für manche Menschen auch ausgesprochen schwierig zu sein, Papier, Plastik, Metall und Restmüll voneinander zu unterscheiden. Immer wieder finden sich mit Altpapier gefüllt Plastiksackerl, Aludosen; Plastikverpackungen und diverser Restmüll in und um unseren Altpapiercontainer. Hier geht es also wohlgemerkt nicht um die zugegebener Maßen oft schwierige Entscheidung, ob ein Papier beschichtet ist oder nicht! Nein, hier geht es um eigentlich wirklich sehr klar unterscheidbaren Müll.

Sozusagen das Tüpfelchen auf dem „i“ ist es dann, wenn die oft doch 2, 3 Minuten lang dauernde Müllentsorgungsaktion auch noch bei laufendem Automotor durchgeführt wird!

Das Erschreckende daran ist, dass „meine kleine Altpapierwelt“ im Grunde nur ein mikrokosmisches Abbild des globalen Umgangs mit Materialien aller Art darstellt. Sobald wir sie nicht mehr brauchen sind sie Müll und dann geht es offensichtlich hauptsächlich darum, sie aus dem unmittelbaren, eigenen Umfeld zu entfernen – was ja nicht ganz unverständlich ist: Selbst Hunde und Katzen setzen ihren „Abfall“ normalerweise ja nicht im eigenen Revier ab!

Als ich unlängst wieder einmal vor unserem überquellenden Altpapiercontainer stand und dort tatsächlich alle Arten von Müll finden konnte (sogar gebrauchte Wegwerfwindeln hatte jemand dort deponiert!), fiel es mir wirklich schwer einen entscheidenden Unterschied zu den oben erwähnten tierischen Verhaltensweisen auszumachen.

In solchen Momenten drängen sich oft gehörte Argumente wie „Wir trennen unseren Müll ja eh!“ oder „Es wird ohnehin alles recycelt!“ in mein Bewusstsein und ich würde den unheilvollen Anblick dieses Mülldurcheinanders gerne mit den UrheberInnen dieser Sätze teilen…

Dennoch ist das alles nur ein winziger Ausschnitt der Problematik. Auch unsere Wälder und Wiesen sind voll von Müll jeder Art, was wir mit unseren Kindern bei der jährlichen Flurreinigungsaktion in unserer Gemeinde jedes Mal wieder eindrucksvoll präsentiert bekommen.

Natürlich sind nicht alle Menschen in gleichem Ausmaß an der „Vermüllung“ unserer Lebensräume beteiligt, aber ich denke, jeder von uns hat hier noch bedeutendes Einsparungspotential.

Dazu abschließend noch ein kleines Beispiel aus unserem Haushalt.

Nachdem ich zu Beginn unseres Experiments auf der Suche nach Alternativen zu den klassischen Plastikmüllsäcken recht rasch auf die kompostierbare Variante aus „Bioplastik“ gestoßen war, stellte ich mir in weiterer Folge immer wieder die Frage, warum in aller Welt wir unseren Müll eigentlich überhaupt noch in zusätzlichen Müll verpacken müssen. Daraus entstand schließlich eine zwar nicht sehr innovative, aber Plastik- Bioplastik und Kostensparende Variante: Ich verwende ein paar Blätter Zeitungspapier, um die Restmülleimer in Bad und Küche damit auszulegen und den Restmüll damit schließlich zur Mülltonne zu befördern, denn da speziell seit Beginn des Experiments bei uns so gut wie keine Essensreste oder verdorbene Lebensmittel mehr anfallen, braucht der Rest des Restmülls zum Glück auch keine „dichte“ Verpackung!

Wenn doch einmal geruchbildender Müll anfällt, so wird dieser direkt in die Mülltonne entsorgt und für wirkliche „Notfälle“ gibt es ja noch die erwähnten Bioplastiksackerl. Es ist also nicht mehr notwendig den Müll in Säcke zu verpacken, die potentiell mehrere 100 Jahre haltbar wären!

Ganz allgemein gilt natürlich: Wer weniger Müll produziert, braucht auch weniger Verpackung für den Müll und dass ist nicht nur ökologisch vernünftiger, sondern auch wieder mal ein gutes Beispiel dafür, dass man beim Plastiksparen auch Kosten sparen kann.