Vom Regen in die Traufe ?
Heute möchte ich die interessanten Beiträge von Manfred, Uta und Morgan zum Anlass nehmen, meine mittlerweile doch recht differenzierte Sichtweise zum Thema Verpackungen (speziell im Bereich der Lebensmittel) hier zu erläutern.
Zugegebenermaßen haben wir zu Beginn unseres Experiments in erster Linie nach plastikfreien Alternativen gesucht, ohne uns sehr intensiv damit zu befassen, wie die Gesundheits- und Umweltaspekte im Einzelfall aussehen. Dabei ist es allerdings nicht lange geblieben…
Ob Alu, Weißblech, Karton oder Papier – bei näherer Betrachtung wurde uns natürlich klar, dass auch all diese Materialien die Umwelt belasten und auch ein mehr oder weniger großes gesundheitsschädigendes Potential in sich tragen. Und selbst Glas, das ich zumindest in Bezug auf Gesundheitsgefährdung nach wie vor für unbedenklich halte, hat, sofern es sich nicht um Mehrweggebinde handelt, durchaus keine erfreuliche Ökobilanz.
Sind wir also mit unserem Experiment vom Regen in die Traufe gekommen? Richten wir am Ende mit unseren plastikfreien Alternativen mehr Schaden an als früher? Und sind die Stoffe, die sich aus Papier, Karton und Metallverpackungen lösen können, eigentlich unbedenklicher als Weichmacher, Bisphenol-A und Co.?
Bei der Beantwortung dieser Fragen bin ich wieder einmal daran gescheitert, dass ich keine Chemikerin bin und wirklich vertrauenswürdige und unabhängige Studien dazu nicht zu finden bzw. für mich als Laien jedenfalls nicht zu interpretieren sind.
Also habe ich mich – wie so oft – für den pragmatischen Weg entschieden:
- Weißblech und Alu fallen ohnehin schon allein deshalb weg, weil sie innen zumeist mit Plastik beschichtet sind.
- Papier und Kartonverpackungen versuche ich soweit als möglich zu vermeiden, indem ich Lebensmittel „offen“ einkaufe und meine eigenen Behälter, Stofftaschen, oder gebrauchte Papier – und Bioplastiksackerl mitnehme.
- Bei Glas bevorzuge ich Mehrweg und kaufe Dinge wie Oliven, Essiggurken,…usw. zumindest seltener als früher, dafür mehr frisches Gemüse.
Viele der Produkte, die ich in den letzten 2einhalb Jahren entdeckt habe, sind jedenfalls nicht nur eine Alternative zu Plastik (manchmal, wie im Falle unseres Allzweckreinigers - gleichzeitig auch Duschbad und Shampoon - im 5 Liter Nachfüllkanister, sind sie sogar in Plastik verpackt), sondern sind zumindest aus jetziger Sicht für uns auch tatsächlich die BESSERE Alternative!
Nichts desto trotz können mich unsere individuellen Erfolgserlebnisse mittlerweile nicht mehr darüber hinweg täuschen, dass es letztlich um viel mehr geht, als für ein paar besonders kritische Menschen, die optimale Verpackungsform zu finden.
Letztlich ginge es darum, die Wirtschaft dazu zubringen erst gar keine schädlichen Substanzen mehr einzusetzen oder ihren Einsatz jedenfalls drastisch zu verringern, so dass schadstoffarmes und umweltverträgliches Einkaufen auch für die breite Masse wieder selbstverständlich werden könnte. Doch das braucht wohl weitaus mehr als nur die akribische Suche nach der individuell besten Lösung.
Das braucht zivilgesellschaftliches und auch politisches Engagement, das braucht eine neue Definition von Wohlstand, Solidarität und Lebensqualität und nicht zuletzt viele mutige Menschen….aber dazu ein andermal mehr.
Plastikfreies Krankenhaus?
Nach einem wunderschönen plastikfreien Weihnachtsfest und einer gemütlichen „knallfreien“ Sylvesterfeier, musste Marlene aufgrund einer akuten Blutgerinnungsstörung infolge eines Infekts auf der Grazer Kinderklinik behandelt werden.
Im Zuge des Klinikaufenthaltes bekam Marlene eine Leitung gelegt, erhielt Infusionen und es wurde mehrmals bei ihr Blut abgenommen. Ich erinnerte mich prompt an einen ziemlich feindseligen Kommentar zu Beginn unseres Experiments: „Wollen Sie etwa auch Infusionsschläuche und Blutbeutel abschaffen, nur weil sie aus Kunststoff sind?“
Während der zwei Tage, die ich mit Marlene im Krankenhaus verbrachte, hatte ich durchaus ausreichend Gelegenheit, mir über solche Dinge Gedanken zu machen. Natürlich war ich heilfroh darüber, dass es diese Behandlungsmöglichkeiten gab, vor allem weil es Marlene dadurch bald wieder so gut ging, dass wir nach Hause gehen konnten. Dennoch entstanden bei mir durch den intensiven Kontakt mit den medizinischen Plastikteilen (Marlene bekam über 24 Stunden lang eine Infusion!) durchaus auch negative Assoziationen. „Plastik im Blut“, „Weichmacher intravenös“ und „Bisphenol –A –Cocktail“ waren einige der Gedankenblitze, die immer wieder kamen und mich nicht zuletzt recht intensiv an diverse Zeichentrickszenen aus „Plastic Planet“ erinnerten, in denen die kleinen, bösen Weichmacherteilchen sogar Gesichter haben.
Meist drängte ich diese Gedanken schnell weg und vermied es auch, die Schwestern zu fragen, woraus genau Infusionsschlauch und Beutel bestünden – hauptsächlich Mangels entsprechender Konsequenzen und Alternativen.
Als jedoch schließlich auch noch Pudding und Frischkäse in Plastikbehältern serviert wurden, wurde mir wieder einmal klar, dass es selbst hier im Krankenhaus jede menge sinnvolle und einfache Möglichkeiten gäbe, Plastik(müll) ganz einfach zu vermeiden, ohne die kleinen PatientInnen in irgendeiner Art und Weise zu gefährden.
Und auch ein anderer wichtiger Aspekt der Kunststoffverschwendung ist mir während der zwei Tage im Krankenhaus bewusst geworden: Wenn es schon so ist, dass Erdöl basierte Kunststoffe aus der aktuellen medizinischen Betreuung im Moment nicht wegzudenken sind (was mir durchaus in vielen Bereichen auch hinterfragenswert scheint), so sollten wir sie zumindest in allen anderen Bereichen vermeiden, wo immer es nur geht. Denn schließlich handelt es sich bei Erdöl – trotz aller medizinischer und sonstiger Notwendigkeiten – immer noch um einen NICHT nachwachsenden Rohstoff!!