Kurzer Zwischenbericht über unsere Zugreise nach Amsterdam
Während unsere Kinder eine Woche lang auf einem Hüttenlager waren, hatten Peter und ich eine (Luxus-)Zugreise nach Amsterdam gebucht.Für mich war es die erste Reise mit einem Nachtzug im Schlafwaggon, und da wir ein 2er Abteil reserviert hatten, war es tatsächlich fast luxuriös.
Schon beim Betreten unseres Abteils, fanden wir allerdings die erste „Plastiküberraschung“ auf unseren Betten vor: Jeweils eine Plastikflasche mit Wasser, wobei es sich, wie ich zu meinem Erstaunen feststellte, um Pfandflaschen handelte. Wirklich amüsiert haben mich allerdings die mit Wasser gefüllten und mit einer Art Alufolie verschlossenen Plastikbecher, deren Zweck ich mir vorerst nicht erklären konnte. Der Schaffner klärte mich schließlich darüber auf, dass es sich hierbei um „Zahnputzwasser“ handle. Meine angeborene Neugierde veranlasste mich letztlich dazu, mir tatsächlich damit meine Zähne zu putzen. Was allerdings dazu führte, dass ich schon durch den etwas ruckartigen Öffnungsvorgang ca. die Hälfte des Inhalts im Nachtzugbadezimmer verteilte und damit endete, dass der Becher schließlich während des Zähneputzens umfiel (Plastik ist ja sooo leicht!), wodurch auch noch der Rest des Zahnputzwassers ungenützt verschüttet wurde. Letzten Endes musste ich, um den Raum für nachfolgende Reisende wieder einigermaßen benutzbar zu hinterlassen, auch noch den Boden und Teile der Wand mit Einmalhandtüchern trocken wischen – soviel Müll habe ich bei einmal Zähneputzen sicher noch nie produziert!
Die Nacht verlief dafür dann aber doch einigermaßen plastikfrei. Einer der vielen Vorteile einer Zugfahrt ist ja die Abwesenheit von diversen Konsumverlockungen. Und da Peter sich – ob seiner Größe - schon alleine auf seiner Liegestatt kaum rühren konnte, der Schaffner direkt nebenan sein Abteil hatte und ich, nachdem wir die mitgebrachte Flasche Rotwein gelehrt hatten, in einen tiefen und angenehm geborgenen Zugschlaf fiel, war auch die einzige verbleibende Option für den Einsatz von Plastik in dieser Nacht kein Thema......
Umso deutlicher holte uns die Realität am nächsten Morgen ein. Nachdem wir unseren ersten Durst noch mit den Wasservorräten von zu Hause stillen konnten, erwartete uns ein Frühstück der besonderen Art. Eigentlich sagt hier ein Bild mehr als 1000 Worte. Die einzigen, nicht in Plastik verpackten Teile des Frühstücks waren das Brötchen und die Serviette – eine wirklich interessante Erfahrung nach beinahe 10 Monaten plastikfreier Ernährungspraxis!
Dennoch blieb von unserem Frühstück tatsächlich „nur“ die Verpackung übrig – so eine Nacht im Zug macht einfach hungrig! Aber in diesem Fall war „nur“ die Verpackung -zumindest was das Volumen anbelangt - fast mehr als das ursprüngliche Frühstück. Meine Bemühungen unseren Frühstücksmüllberg wenigstens nach Müllarten zu trennen und entsprechend zu entsorgen (es gab nämlich im Zug sogar eigene Müllbehälter für unterschiedliche Materialien) endeten allerdings recht abrupt damit, dass mir der Herr Schaffner den ganzen Krempel mit den Worten. „Geben´S das mir! Da hab ich einen eigenen Sack dafür!“ aus der Hand nahm und ohne jegliches Zögern in einen richtig tollen „Gesamtmüllsack“ warf!
Mit diesen Reiseimpressionen beende ich meinen kurzen Zwischenbericht! Amsterdam war übrigens wunderschön, aber das ist eine eigene Geschichte. Morgen brechen wir in unseren Kroatienurlaub auf und auch hier wird schon die Anreise eine weitere Bewährungsprobe für unser Experiment sein. Ab der 2.Septemberwoche wird es dann wieder neue und hoffentlich positive Berichte über unsere heurige Sommerurlaubssaison geben.
Urlaubsplanung
Die Planung unseres heurigen Sommerurlaubs erfordert in mancher Hinsicht etwas mehr Denkarbeit als bisher.
Wie an anderer Stelle schon ausführlich beschrieben, war ja schon unser letzter Kroatienurlaub fast so etwas wie eine Vorahnung von „Plastic Planet“. In Kroatien war damals gerade ein Pfandsystem für Plastikflaschen eingeführt worden – wohl eine Art „Notfallsmaßnahme“, denn von Plastikmüll überflutete Strände und Küstenstreifen machen in einer der beliebtesten Sommerurlaubsdestinationen Europas eben doch keinen besonders attraktiven Eindruck.
Da wir uns über die gesundheitlichen Beeinträchtigungen durch Plastik damals mangels entsprechender Informationen noch keine Gedanken gemacht hatten, waren wir mit zwei 5-Liter Plastikkanistern sowie einigen 1,5 – Liter Plastikflaschen gefüllt mit heimischem Leitungswasser angereist. Ausschlaggebend dafür waren allerdings eher praktische bzw. wirtschaftliche Überlegungen, als der Gedanke an Müllvermeidung gewesen. Warum Wasser im Supermarkt kaufen, wenn das eigene Leitungswasser in bester Qualität zur Verfügung steht das noch dazu weitaus günstiger ist?
Als unsere österreichischen Wasservorräte schließlich aufgebraucht waren, entdeckten wir in kroatischen Supermärkten große 5-Liter Plastikflaschen mit Wasser. Zwei von diesen Flaschen habe ich am Ende des Urlaubs sogar nach Österreich importiert, um beim nächsten Urlaub noch auf zusätzliche Wasserbehälter zurückgreifen zu können.
Mittlerweile stehen diese Flaschen allerdings gemeinsam mit unseren Plastikkanistern und all den anderen aussortierten Plastikartikeln in unserem leerstehenden Stallgebäude. Der Gedanke, unser Trinkwasser in diese Plastikbehälter zu füllen, widerstrebt mir inzwischen sehr. Da wir bis jetzt aber noch keine Metallkanister in transportabler Größe gefunden haben und ich es mir überhaupt recht schwierig vorstelle, die gesamte Trinkwassermenge für unsere 5-köpfige Familie für ca. 10 Tage in unserem PKW zu transportieren, ist mir bei meinen Überlegungen schließlich wieder eingefallen, dass unser kroatischer Quartiergeber uns im Vorjahr erklärt hat, man könne das kroatische Leitungswasser mittlerweile bedenkenlos trinken. Peter hat das angeblich eh schon immer gewusst und auch früher schon kroatisches Leitungswasser getrunken. Und auch meine diesbezüglichen Selbstversuche, zeigten keinerlei negative Auswirkungen. Dennoch hat es sich bei uns im letzten Jahr noch nicht wirklich durchgesetzt, dass wir alle einfach das kroatische Leitungswasser getrunken hätten. Es stellt sich die Frage, warum die Wasserqualität in „südlichen“ Ländern überhaupt so problematisch zu sein scheint. Ob das vielleicht mit dem immensen Wasserverbrauch durch den immer stärker werdenden Massentourismus zusammenhängt? Sind wir also am Ende selbst die Wurzel des Problems? Müssen wir jetzt auch noch anfangen, unser „Urlaubsverhalten“ zu überdenken?
In diesem Zusammenhang fällt mir eine Szene aus einem anderen österreichischen Dokumentarfilm ein: In „We feed the world“ mokiert sich der Nestle Chef Peter Brabeck über die „extreme Position gewisser NGOs, die ein Recht auf Trinkwasser für alle Menschen fordern“, um im selben Atemzug unmissverständlich den Standpunkt des Konzerns darzustellen: Wasser als Lebensmittel, das nun mal einen gewissen Marktwert hat! Damals hat mich daran vor allem erbost, dass eine der elementarsten Lebensgrundlagen aufgrund von blanker Profitgier zum Spekulationsobjekt degradiert werden soll. Heute erscheint mir die Szene allerdings noch um einiges absurder: das Lebensmittel Wasser in Plastik abgefüllt für diejenigen, die es sich leisten können. Ein Luxusgut also und dennoch belastet mit einem für Laien nicht näher definierbaren, chemischen Cocktail, der sich unweigerlich aus der ach so hygienischen Plastikverpackung löst. Die Verschmutzung von Wasser macht also nicht Halt vor unserem westlichen Massenkonsumalltag, sie hat nur eine andere Gestalt angenommen, ist subtiler geworden, nicht so offensichtlich und zugegebenermaßen nicht so akut gesundheits- oder gar lebensbedrohend wie dort, wo Menschen tatsächlich noch aus braunen, übelriechenden Tümpeln ihr „Trinkwasser“ schöpfen müssen. Mir drängt sich der Vergleich mit der „sauberen“ Atomenergie auf , an die viele offenbar auch nur deshalb noch immer glauben, weil man ihre Auswirkungen, nicht sofort sehen, hören oder riechen kann.
Viele von uns sind jedenfalls bereit, den Marktpreis für „sauberes“ Wasser in Plastikflaschen zu bezahlen. Ein eindrucksvolles Beispiel dafür erlebte ich, als ich auf dem Weg in den Urlaub (quasi während des Schreibens dieser Zeilen) an der Kassa einer Raststation einen Mann beobachtete, der maximal 0,3 Liter Evian-Wasser in einer Plastikflasche um sage und schreibe 2,70 € erstand. Das muss man sich wirklich erst einmal leisten können. Umgerechnet auf unseren Familienbedarf für den geplanten Kroatienurlaub wären das ca. 890 €, bei einem täglichen Bedarf von maximal 2 Litern pro Person!
Peter Brabeck hätte seine Freude daran.
Natürlich ist das ein extremes Beispiel, denn kaum jemand würde wohl auf die Idee kommen 100 Liter Wasser in 0,3 Liter Fläschchen zu kaufen, dennoch scheint es mir typisch für eine Art Vogel Strauß Politik im Umgang mit unseren Ressourcen. Denn selbst wenn man Peter Brabeck für einen sympathischen Kerl und seine Motive für uneigennützig und menschenfreundlich hält, kommt man bei genauerer Betrachtung nicht daran vorbei, dass es weder für die Qualität noch für die Preisentwicklung unserer Wasservorräte förderlich sein kann, wenn wir durch unser Konsumgewohnheiten eine Industrie unterstützen, die selbst direkt oder indirekt an der Verschmutzung und Schadstoffbelastung und damit eben auch an Verknappung von einwandfreiem Trinkwasser beteiligt ist. Auf diese Art und Weise besteht wohl eher die Gefahr, dass wir uns früher oder später auch in unseren Breiten fragen müssen, woher wir das Wasser nehmen sollen, das wir in unsere hygienischen Plastikflaschen füllen können.
„Einfach Cola, Fanta oder Sprite trinken“, wie es mir ein Kind in der 2.Klasse Volksschule einmal bei einer Diskussion vorgeschlagen hat, wird dann wohl auch nicht das Mittel der Wahl sein...
Nun ja, all diese Überlegungen haben mich bei der Lösung unseres Wasserproblems für den geplanten Kroatienurlaub nicht wirklich weitergebracht. Zum Glück fahren wir jetzt ja erst mal nach Kärnten. Da sollte es mit dem Trinkwasser kein Problem geben, (zumindest solange man es nicht auf Slowenisch bestellt...)
Alle LeserInnen von „Kein Heim für Plastik“ bitte ich um Verständnis dafür, dass ich in den kommenden 4 bis 6 Wochen wegen der geplanten Urlaube voraussichtlich keine neue Geschichten erzählen werde. Danach gibt es allerdings sicher Einiges zu berichten, unter anderem hoffentlich die Lösung für unser Wasserproblem.
Inzwischen wünsche ich allen, die ihn noch vor sich haben, einen schönen und erholsamen Urlaub und freue mich schon auf viele Vorschläge, Tipps und Erfahrungen zum Thema „Plastikfreier Urlaubseinkauf“
Muelltrennen und Muellverpacken
Obwohl wir es im Zuge unseres Experiments geschafft haben ca. 95 % weniger Plastikmüll (die restlichen 5% stammen hauptsächlich aus Geschenken, Postsendungen und Restbeständen) und ca. 60 bis 70 % weniger Restmüll zu produzieren, ist auch in unserem Haushalt die Frage wie mit dem verbleibenden Müll umgegangen wird nicht unwesentlich. Selbstverständlich sammeln wir Glas, Papier, Metall und Biomüll extra, aber mit dem Sammeln alleine ist es ja noch nicht getan. Es gehört schon auch noch eine ganze Menge guter Wille und einiges an Mitdenken dazu, die sorgfältig getrennten Müllfraktionen auch tatsächlich einer entsprechenden Entsorgung (die Recycling überhaupt erst möglich und sinnvoll macht) zuzuführen.
Das denke ich mir jedenfalls immer wieder, wenn ich vor dem Altpapiercontainer, der sich direkt vor unserem Haus befindet, stehe. Der Umgang mit so einer grundsätzlich sinnvollen Einrichtung scheint nämlich viele MitbürgerInnen heillos zu überfordern.
Das fängt damit an, dass immer wieder riesige, nicht zerkleinerte Kartonverpackungen und Schachteln in den Container geworfen werden, die oft schon nach 2 bis 3 Tagen das Einfüllen von Altpapier unmöglich machen. Weiter geht es damit, dass gefüllte Container offenbar auch nicht für jedermann ein klares Signal dafür sind, dass an dieser Stelle zurzeit kein Altpapier mehr entsorgt werden kann. Abgesehen von den Dingen, die beim Einfüllen in volle Container „danebenfallen“, finden sich nach kurzer Zeit auch alle möglichen Schachteln und Säcke, die neben dem Container abgestellt werden. Die Tatsache, dass deren Inhalt von Wind und Regen in der umliegenden Gegend verteilt wird kümmert die Betreffenden offenbar wenig.
Zu guter Letzt scheint es für manche Menschen auch ausgesprochen schwierig zu sein, Papier, Plastik, Metall und Restmüll voneinander zu unterscheiden. Immer wieder finden sich mit Altpapier gefüllt Plastiksackerl, Aludosen; Plastikverpackungen und diverser Restmüll in und um unseren Altpapiercontainer. Hier geht es also wohlgemerkt nicht um die zugegebener Maßen oft schwierige Entscheidung, ob ein Papier beschichtet ist oder nicht! Nein, hier geht es um eigentlich wirklich sehr klar unterscheidbaren Müll.
Sozusagen das Tüpfelchen auf dem „i“ ist es dann, wenn die oft doch 2, 3 Minuten lang dauernde Müllentsorgungsaktion auch noch bei laufendem Automotor durchgeführt wird!
Das Erschreckende daran ist, dass „meine kleine Altpapierwelt“ im Grunde nur ein mikrokosmisches Abbild des globalen Umgangs mit Materialien aller Art darstellt. Sobald wir sie nicht mehr brauchen sind sie Müll und dann geht es offensichtlich hauptsächlich darum, sie aus dem unmittelbaren, eigenen Umfeld zu entfernen – was ja nicht ganz unverständlich ist: Selbst Hunde und Katzen setzen ihren „Abfall“ normalerweise ja nicht im eigenen Revier ab!
Als ich unlängst wieder einmal vor unserem überquellenden Altpapiercontainer stand und dort tatsächlich alle Arten von Müll finden konnte (sogar gebrauchte Wegwerfwindeln hatte jemand dort deponiert!), fiel es mir wirklich schwer einen entscheidenden Unterschied zu den oben erwähnten tierischen Verhaltensweisen auszumachen.
In solchen Momenten drängen sich oft gehörte Argumente wie „Wir trennen unseren Müll ja eh!“ oder „Es wird ohnehin alles recycelt!“ in mein Bewusstsein und ich würde den unheilvollen Anblick dieses Mülldurcheinanders gerne mit den UrheberInnen dieser Sätze teilen…
Dennoch ist das alles nur ein winziger Ausschnitt der Problematik. Auch unsere Wälder und Wiesen sind voll von Müll jeder Art, was wir mit unseren Kindern bei der jährlichen Flurreinigungsaktion in unserer Gemeinde jedes Mal wieder eindrucksvoll präsentiert bekommen.
Natürlich sind nicht alle Menschen in gleichem Ausmaß an der „Vermüllung“ unserer Lebensräume beteiligt, aber ich denke, jeder von uns hat hier noch bedeutendes Einsparungspotential.
Dazu abschließend noch ein kleines Beispiel aus unserem Haushalt.
Nachdem ich zu Beginn unseres Experiments auf der Suche nach Alternativen zu den klassischen Plastikmüllsäcken recht rasch auf die kompostierbare Variante aus „Bioplastik“ gestoßen war, stellte ich mir in weiterer Folge immer wieder die Frage, warum in aller Welt wir unseren Müll eigentlich überhaupt noch in zusätzlichen Müll verpacken müssen. Daraus entstand schließlich eine zwar nicht sehr innovative, aber Plastik- Bioplastik und Kostensparende Variante: Ich verwende ein paar Blätter Zeitungspapier, um die Restmülleimer in Bad und Küche damit auszulegen und den Restmüll damit schließlich zur Mülltonne zu befördern, denn da speziell seit Beginn des Experiments bei uns so gut wie keine Essensreste oder verdorbene Lebensmittel mehr anfallen, braucht der Rest des Restmülls zum Glück auch keine „dichte“ Verpackung!
Wenn doch einmal geruchbildender Müll anfällt, so wird dieser direkt in die Mülltonne entsorgt und für wirkliche „Notfälle“ gibt es ja noch die erwähnten Bioplastiksackerl. Es ist also nicht mehr notwendig den Müll in Säcke zu verpacken, die potentiell mehrere 100 Jahre haltbar wären!
Ganz allgemein gilt natürlich: Wer weniger Müll produziert, braucht auch weniger Verpackung für den Müll und dass ist nicht nur ökologisch vernünftiger, sondern auch wieder mal ein gutes Beispiel dafür, dass man beim Plastiksparen auch Kosten sparen kann.
Tipps fuer den “plastikfreien Einkauf”
Auf vielfachen Wunsch hier nun eine Zusammenfassung von Einkaufstipps und alternativen Möglichkeiten, die aus unseren bisherigen Erfahrungen mit dem „plastikfreien“ Einkaufen entstanden ist. (Für eifrige LeserInnen dieses Blogs wird sie natürlich eher eine „Wiederholung darstellen.)
Vorab möchte ich noch bemerken, dass diese Liste natürlich keinen Anspruch auf Vollständigkeit stellt und sich in manchen Bereichen speziell auf die Gegebenheiten unserer Region bezieht. Ich habe diese Passagen aber dennoch unverändert gelassen, da sie meiner Meinung nach beispielhaft zeigen, dass es Sinn macht, im jeweiligen Lebensumfeld nach individuellen Lösungen zu suchen.
Im Umkehrschluss heißt das natürlich auch, dass ich niemandem, der in einer Großstadt lebt, empfehlen würde zum Milchholen mit dem Auto aufs Land zu fahren! In diesem Fall ist die Milch aus dem Tetrapack sicher dennoch die bessere Lösung, wobei es allerdings umso wichtiger wäre, sich dort, wo man täglich einkauft, für Milch in Mehrwegflaschen einzusetzen oder vielleicht eine Initiative zur Einführung eines Milchautomaten zu starten.
Ganz „normal“ plastikfrei zu bekommen: z.B. bei diversen Supermärkten, Bäckereien, Fleischhauereien, Drogeriemärkten…
Viele dieser Produkte, sind prinzipiell nicht in Plastik verpackt, bei anderen hat man zumindest die Wahl und kann sich für Glas-, Metall-, oder Papierverpackungen entscheiden.
- Brot und Gebäck
- Käse und Butter
- Fleisch und Wurst
- Obst und Gemüse (Auswahl aber teilweise natürlich sehr begrenzt)
- Mehl, Zucker, Haferflocken, Salz
- Nudeln („Despar“ nur bei Spar und teilweise „Barillia“)
- Reis und verschiedene Getreideprodukte (z.B. Polenta, Gries,..)
- Semmelbrösel und Knödelbrot (vor allem in Bäckereien)
- Tee und Kakao
- Marmelade und Honig
- Eier
- Müsli ( Spar: Natur pur 3 Sorten im Zellstoffbeutel)
- Ketchup (z.B. bei DM in der Glasflasche)
- Senf und Majonaise ( in der Alutube überall, besser allerdings im Glas z.B. bei DM)
- passierte Tomaten (in der Glasflasch z.B. bei Spar oder DM)
- Essig und Öl
- Mineralwasser und Säfte, sowie manche Softdrinks
Für den plastikfreien Einkauf von Käse, Wurst und Fleisch nehme ich entweder einen eigenen Behälter aus Metall oder Glas mit oder ich bitte die Verkäuferin oder den Verkäufer, mir die Ware (Käse und Wurst) nur in ein Papiersackerl zu verpacken. Das funktioniert sehr gut. manchmal löst es zwar ein wenig Verwunderung aus, aber es wurde mir noch nie verweigert.
Für Obst und Gemüse verwende ich vorzugsweise Stoffsackerl, die zwischendurch hin und wieder gewaschen werden. Die „Preispickerl“ von der Waage klebe ich auf den Stoff und entferne sie nach dem Einkauf wieder.
Etwas schwieriger:
- Milch: Wir holen die Milch zurzeit bei einem Bauern ganz in unserer Nähe. Außerdem habe ich in verschiedenen Bioläden und auch im Bio-Supermarkt noch Milch in Glasflaschen gefunden.
In Graz gibt es auch noch mehrere Milchautomaten! Seit Neuestem übrigens auch beim Lagerhaus in Gratwein!
Ich gehe davon aus, dass es in vielen größeren Städten Milchautomaten gibt.
- Sauerrahm, Schlagobers, Joghurt: Gibt´s ebenfalls in Bioläden und teilweise auch mit Metallschraubverschlüssen. Viele dieser Produkte sind außerdem in Mehrweggläsern erhältlich, was ich besonders sinnvoll finde.
- Topfen: Habe ich in mehreren Bioläden „offen“ gefunden. Er schmeckt viel besser als herkömmlicher „Packerltopfen“. Ich lasse ihn mir in ein kleines Rexglas füllen.
Auch bei Bauern in der Umgebung bekommt man teilweise den selbst gemachten Topfen direkt. Wer Lust hat, kann ihn aus Rohmilch auch selber machen.
- Müsli und Getreideprodukte: Offen im Bioladen in sehr guter Qualität (verschiedene Mischungen) und teilweise sogar günstiger als abgepackte Müslis. Seit kurzem gibt es auch ein Spar Natur pur Müsli mit Innenbeutel aus Zellulose.
Verschiedene Getreidesorten, aber auch Linsen, Bohnen, Reis...usw. gibt es ebenfalls offen in Bioläden oder aber auch (besonders sinnvoll!!) bei Bauern in der Umgebung.
- Gewürze, Vanillezucker: Zum Beispiel bei „Brantner“ in Graz in der Gleisdorfergasse. (Auch hier nehme ich an, dass es in fast jeder größeren Stadt ähnliche Geschäfte oder Reformhäuser gibt, wo man Gewürze usw. offen kaufen kann.) Hier werden die Gewürze auch noch in großen Gläsern aufbewahrt und man kann sich alles in Papiersackerl oder mitgebrachte Behälter abfüllen lassen. Ich finde, es lohnt sich nach solchen und ähnlichen Geschäften zu suchen. Gewürze lassen sich ja gut auf Vorrat kaufen und somit kann man sich, wenn man ohnehin in der Nähe ist, gleich für einen längeren Zeitraum eindecken. Das ist für uns ziemlich wichtig, weil es ein Teil unseres Experiments ist, dass wir keine extra Wege (vor allem nicht mit dem Auto!!) fahren wollen. Die Firma „Sonnentor“ bietet seit kurzem angeblich auch Gewürze an die in Bioplastik und Papier verpackt sind. Habe ich persönlich aber noch nicht probiert.
- Rosinen, Nüsse, Mandeln,Trockenobst: Auch hier bin ich in Bioläden, sowie bei der Fa. Brantner in der Gleisdorfergasse und teilweise auch auf Bauernmärkten fündig geworden. Allerdings sollte man sich immer einen Behälter oder Papiersackerl mitnehmen, da auf den Märkten leider fast immer nur Plastiksackerl verwendet werden.
- Kaffee: Es gibt zwar z.B. bei Tchibo offenen Kaffee zu kaufen (und man kann ihn sich sogar in Papiersäcke verpacken lassen, aber nicht in der von mir bevorzugten Bio-und Fairtrade Qualität. Allerdings hatte ich letzte Woche (als ich diesbezüglich wieder mal in einer Tchibofiliale vorsprach) das Glück, dass gerade ein so genannter „Raritätenkaffee“ offen erhältlich war. Dabei handelt es sich lt. Auskunft der Verkäuferin um spezielle Kaffeesorten in Bioqualität aus kleinen Anbaugebieten, wo auf Natur schonenden Anbau geachtet wird. Die verwendeten Papierverpackungen kann man übrigens ohne weiteres mehrmals wieder verwenden!
- Taschentücher: „Soft und Sicher“ von DM aus Recyclingpapier und ohne Plastiklasche
- Klopapier: dafür verwenden wir Papierhandtücher aus Recyclingpapier (Metro) in einer Kartongroßpackung. Zusätzlicher Einsparungseffekt, da die Kinder das Papier nicht in großen mengen abrollen, sondern einzeln (und einmal auseinander gerissen verwenden). Mit der Großpackung ( 25 €) kommen wir nun schon ein halbes Jahr aus und ich schätze, es wird noch mindestens 1 Monat reichen.
- Shampoon, Duschgel, Zahnpasta,...: Shampoon und Zahnpasta gibt es von Weleda in der Metalltube (allerdings aus Alu und mit dem Nachteil, dass rundherum noch ein Karton ist). Zahnputzsalz gibt es teilweise in Apotheken oder im Versand (z.b.Panda) und man kann Zahnpasta auch selber machen (zahlreiche Rezepte im Internet). Bei der Firma „Lush“ (Seiersberg) gibt es auch Haarshampoonseifen in fester Form, die überhaupt nicht verpackt werden müssen. Eine weitere Alternative ist „Wascherde“ (Lavaerde) z.b. von der Firma Tautropfen oder Logona, die in Karton verpackt ist und mit Wasser angerührt wird. Statt Duschgel ebenfalls Wascherde oder normale Seifen!
- Putz und Waschmittel: Für Bad und WC in erster Linie Zitronensäure (in Pulverform) oder Essig. Zitronensäure eignet sich auch perfekt als WC-Reiniger (z.B. DM oder Schlecker). Als Handspülmittel verwende ich ein Mittel der Firma Sonett (Bioläden) aus dem Großkanister abgefüllt und dann in einen Seifenspender umgefüllt. Damit lässt es sich äußerst sparsam dosieren und es fallen keine Plastikflaschen mehr an. Außerdem sind diese Alternativen sehr kostengünstig!!
Da mir über in letzter Zeit auch sehr oft „Effektive Mikroorganismen“ empfohlen wurden, habe ich mir eine (Plastik-)Flasche davon zum Probieren besorgt. Erste Putzergebnisse waren sehr positiv. Im Internet gibt es aber zahlreiche Informationen dazu! Eignen sich anscheinend auch für unversiegelte Holzböden.
Statt der üblichen Schwammtücher (Wettex usw.) verwende ich übrigens jetzt alte Waschlappen oder zurechtgeschnittene alte Frotteleintücher. Das funktioniert prächtig, ist sehr hygienisch (da man sie alle paar Tage mit der Wäsche mitwaschen kann und sie nicht zu stinken beginnen) und Kosten sparend.
Für Putz- und Waschmittel jeglicher Art findet man im Internet auch jede Menge Rezepte und Anleitungen zum Selbermachen.
- Wäschewaschen: Als Weichspüler bzw. Wasserenthärter verwende ich schon seit Jahren Essig, was einwandfrei funktioniert, günstig ist und auch der Waschmaschine bisher absolut nicht geschadet hat.
Plastikfreie und umweltschonende Waschmittel, die ich ausprobiert habe, sind unter anderem Waschnüsse, Seifenflocken und Ökowaschmittel der Fa. Ecovert, Sonett und Almawin, wobei es von Sonett auch ein aus dem Großkanister nachfüllbares Flüssigwaschmittel gibt (im Bioladen bzw. Biosupermarkt .)
- Kosmetik: Eine einzige Firma, deren Produkte ich guten Gewissens empfehlen kann: „Grüne Erde“ (eine österreichische Firma, findet man aber auch im Internet)
Die Kosmetikartikel sind frei von synthetischen Konservierungsmitteln, Silikonen, Tensiden Duftstoffen und Mineralölen, zu mind.95% aus kontrolliertem biologischen Anbau und ohne Tierversuche hergestellt. Außerdem sind die Inhaltsstoffe (auch in Deutsch!) vollständig aufgelistet. Sehr viele Produkte sind in Glas oder Papier verpackt und die so genannte dekorative Kosmetik (Lidschatten, Lippenstift...usw) gibt es in wunderschönen und vor allem nachfüllbaren Holzverpackungen. Funktioniert auch sehr gut per Internetbestellung!
Zum Abschminken eignen sich übrigens auch die oben bereits erwähnten Baumwollfrotteleintücher in kleine Stücke geschnitten sehr gut!
- Einfrieren und Aufbewahren von Lebensmitteln: mit Rexgläsern, Schraubverschlussgläsern, in Papiersäcken (z.B. Brot und Gebäck) oder notfalls (bei größeren Teilen) in Bioplastiksackerln.
Als Jausenboxen verwenden wir Edelstahldosen aus der Campingbedarfsabteilung und für Getränke Edelstahlflaschen. Die Boxen eignen sich natürlich auch sehr gut für die Aufbewahrung von Lebensmitteln im Kühlschrank.
- Pflanzen und Blumen: Eine Neuigkeit, die ich gerade erst entdeckt habe: Die Firma „Plantobio“ vertreibt Blumentöpfe und alle möglichen Artikel für den Garten, die aus Holzfaser hergestellt werden und über einen längeren Zeitraum sogar verrottbar sind.
- Kleidung und Schuhe: Abgesehen von der Kunststoffvermeidung sollte speziell auf Herkunftsländer (lange Transportwege, Arbeitsbedingungen,…usw.) geachtet werden. Bei Baumwollkleidung empfiehlt es sich auch, auf biologischen Anbau zu achten.
Eine sehr gute Alternative zu Baumwolle (auch im Bereich der Funktionskleidung) stellt auch Kleidung aus Bambus dar (siehe Alternativprodukte!). Grundsätzlich gilt hier das Motto: Lieber weniger und dafür hochwertiger einkaufen! Gerade bei Kinderkleidung bieten sich natürlich auch Secondhandshops und Tauschmärkte an, was noch dazu den Vorteil hat, dass diese Kleidung natürlich nicht mehr so schadstoffbelastet ist.
Bei Schuhen gibt es bereits recht viele Firmen, die hauptsächlich Naturmaterialien und schadstoffarme Gerb- und Färbemethoden verwenden und noch dazu meist sehr Fuß freundliche Modelle anbieten, die auch modischen Ansprüchen durchaus gerecht werden.
Allgemeine Einkaufstipps:
Das Wichtigste zuerst: Einkaufsverhalten ganz allgemein überdenken! Vor jedem Einkauf noch einmal genau Überlegen, ob man das gewünschte Produkt in der angebotenen Qualität wirklich braucht und haben will! (Sehr wichtig bei den „Schnäppchenkäufen“!)
Bei Billigprodukten vor dem Kauf zumindest 1 Minute darüber nachdenken, wodurch der Preis so günstig ist (Qualität, Haltbarkeit, Produktionsbedingungen, Transportwege, Ausbeutung von Menschen, Tieren, Umwelt…). Das Selbe gilt allerdings auch für teure „Modemarken“ die gerade was Produktionsbedingungen und Transportwege betrifft, oft sehr fraglich sind.
- Grundsätzlich alle Produkte, die im großen Stil beworben werden, besonders kritisch hinterfragen!
- In den Geschäften gezielt Mehrwegflaschen kaufen und danach fragen, wenn es keine gibt! Lobend erwähnen, wenn es sie gibt!
- Unverpackte oder verpackungsarme Produkte bevorzugen. Eigene Behälter und Stoffsackerl oder Einkaufskörbe für den Transport mitnehmen. Am besten in jeder Handtasche und im Auto ein Stoffsackerl deponieren, damit man auch für überraschende Einkäufe immer gewappnet ist!
- Gratisplastiksackerl ablehnen!!! Das kann wirklich JEDE/R machen, es kostet nichts und ist doch ein deutliches Zeichen und ein wichtiger Beitrag zur Müllvermeidung!!
- Qualitativ hochwertige, langlebige Produkte bevorzugen, die notfalls auch repariert werden können!
- Grundsätzlich immer unter dem Motto „Weniger ist mehr!“ einkaufen gehen!
- Nach „alten“ Lösungen suchen: So bin ich z.B. darauf gekommen, Lebensmittel in Rexgläsern ein zufrieren.
- Grundsätzlich weniger Putzmittel verwenden und wo notwendig auf größtmögliche Umweltverträglichkeit achten.
- Gezielt nachfragen und sich umhören, welche Lebensmittel oder sonstige Verbrauchsgüter es in der unmittelbaren Umgebung zu kaufen gibt.
- Wo immer möglich Naturmaterialien bevorzugen.
- Sinnvolle Produkte in der eigenen Region ausfindig machen und wenn möglich „Einkaufsgemeinschaften“ organisieren. Das trägt gerade im ländlichen Bereich entscheidend dazu bei, unnötige Autofahrten zu vermeiden.
Und zum (vorläufigen) Abschluss noch ein Tipp zur Erhaltung der eigenen Motivation:
Am besten mit 1 oder 2 kleinen Umstellungen beginnen und sich langsam aber sicher in weiter Bereiche vorarbeiten! Denn mit Spaß und einem guten Gefühl funktioniert es erfahrungsgemäß viel besser (und nachhaltiger) als mit Stress und schlechtem Gewissen.
Mozarella, Chips und Sonnencreme oder der Mut zur Unvollkommenheit
Der Sommer hat so seine Tücken.
Denn obwohl sich die Sonnentage heuer ja noch in Grenzen gehalten haben, werden schon bald die ersten Tomaten im eigenen Garten reif und damit wird bei uns traditioneller Weise die „Mozarella mit Tomaten – Saison“ eröffnet.
Damit wird allerdings auch ein Problem akut, das wir bis jetzt ganz gut verdrängen konnten, denn da wir im Winter ohnehin keine Tomaten mit Mozarella essen, hat uns die Tatsache, dass wir bisher noch nirgends Mozarella ohne Plastikverpackung gefunden haben, bisher wenig berührt.
Auch über Sonnenschutzmittel habe ich in der kalten Jahreszeit nicht sehr intensiv nachgedacht, obwohl mir klar war, dass das problematisch werden könnte.
Kommt Zeit – kommt Rat, war die Devise, doch als die Zeit dann gekommen war, war eher guter Rat teuer und wir mussten auf die, in Plastikflaschen verpackten Reste aus dem Vorjahr zurückgreifen, was natürlich auch keine wirklich langfristige Lösung darstellt.
Meine Recherchen in diversen Apotheken und Reformhäusern brachten jedoch auch kein wirklich befriedigendes Ergebnis: Glas sei zu schwer und zu zerbrechlich, um es bei diversen Badeausflügen mitzunehmen, wurde mir mehrmals erklärt und die wenigen Metallsprühdosen, die ich gefunden habe, werden mit „leicht entzündlichen Chemikalien“ unter Druck gesetzt, was auch nicht gerade dem Anspruch gerecht wird, ein ökologisch und gesundheitlich unbedenkliches Produkt zu kaufen.
Ich nehme zwar an, dass es möglich ist, auch Sonnenschutzmittel selber herzustellen, aber aus Mangel an zeitlichen Ressourcen, habe ich diesbezüglich noch nicht einmal ernsthaft recherchiert. Hier haben wir wohl eine Grenze unserer plastikfreien Einkaufsbemühungen erreicht, denn die andere denkbare Alternative, nämlich den ganzen Sommer über nur langärmlig oder höchstens für 5 Minuten in die Sonne zu gehen, erscheint mir auch nicht wirklich praktikabel.
Bei Chips ist die Situation natürlich eine andere: Man braucht sie nicht unbedingt! Das gilt im Übrigen auch für Mozarella. Ich kann mich nämlich durchaus noch an Zeiten in meiner Kindheit erinnern, wo wir Tomaten (zu denen wir damals noch Paradeiser sagten) ohne das geringste Gefühl der Entbehrung mit Zwiebel, Kernöl und Apfelessig gegessen haben. Damals gab es offenbar bei uns noch keinen Mozarella (zumindest nicht in Supermarktregalen zu allgemein erschwinglichen Preisen). Gefehlt hat er uns damals natürlich auch nicht, aber die Zeit lässt sich nun mal nicht zurückdrehen und ein ganzer Sommer ohne Mozarella (und Chips!) riecht heutzutage (und hierzulande) schon fast ein wenig nach Entbehrung.
Die individuelle Wichtigkeit der Dinge ist natürlich sehr unterschiedlich. Auf Sonnencreme zu verzichten, wird wahrscheinlich für weniger Menschen möglich sein (vor allem, wenn sie Kinder haben), als Chips wegzulassen, was sogar ich nach erfolgreichem 9-monatigem Chipsentzug mittlerweile relativ gut schaffe.
In gewisser Weise fühle ich mich tatsächlich ein wenig befreit! Nichts desto trotz muss ich gestehen, dass ich in den letzten Monaten 2 oder 3mal schwach geworden bin und mich am Ende eines anstrengenden Tages mit einem Packerl Chips „belohnt“ habe. Der Versuch diesen Ausrutscher vor meinen Kindern geheim zu halten, ist allerdings gnadenlos gescheitert.
Kinder haben ja prinzipiell Antennen dafür, wenn Eltern heimlich naschen. Aber als Marlene diesmal kopfschüttelnd und mit einem strengen: „Mama, also wirklich….Plastikchips!“ hinter mir stand, während ich in unserer finsteren Abstellkammer, versuchte, möglichst geräuschlos die Chips aus dem Sackerl in meinen Mund zu befördern, war das wirklich ziemlich peinlich!
Nun ja, nach einigen erfolglosen Rechtfertigungsversuchen, habe ich ihr schließlich erklärt, dass es eben manchmal Ausnahmen von der Regel gibt und sie ja schließlich auch ihre Schleich- Pferde (aus Plastik) behalten wollte.
Bei aller Liebe zu Experimenten braucht man also auch Mut zur Unvollkommenheit, wenn man im nahezu plastikfreien Einkaufsalltag nicht die Motivation verlieren will. Denn auch wenn man sich hin und wieder ein Packerl Chips oder Mozarella gönnt und es tatsächlich nirgendwo plastikfreie Sonnenschutzmittel gibt, macht es dennoch Sinn, alle unnötigen (Plastik)verpackungen prinzipiell zu vermeiden.
Und das Schöne daran ist: Wer nicht perfekt sein will, hat weniger schlechtes Gewissen (braucht daher seltener Ausreden wie: “Alles geht sowieso nicht und deshalb versuche ich es erst gar nicht!“) und dafür mehr Spaß an der Sache, was meiner Erfahrung nach einem nachhaltigen Erfolg absolut zuträglich ist.
Aktionstag in Stuebing: Altes Wissen fuer moderne Nachhaltigkeit
Am Sonntag 30.Mai fand im Freilichtmuseum Stübing der Aktionstag „HoamART – Die Kunst, nachhaltig zu leben“ statt.
Wir hatten dort die Gelegenheit unser „Kein Heim für Plastik“- Experiment mit einem eigenen Stand vorzustellen. Ein Teil unseres ausgemisteten Plastikbergs, sollte in diesem Rahmen noch einmal „in vollem Glanz erstrahlen“. Dem gegenüber stellten wir unseren „alternativen“ Hausrat, sowie plastikfreie und umweltfreundliche Putz-, Wasch- und Pflegemittel.
In der wunderschönen Landschaft und umgeben von alten Bauernhäusern, stach der bunte Plastikberg aus Tupperware und Plastikspielzeug den Vorbeikommenden natürlich im ersten Moment besonders ins Auge. Manche befürchteten anfangs sogar, in eine leicht deplazierte Tupperparty geraten zu sein, und Leos ausgemusterte „Hotwheel-Bahn“ wäre beinahe zum Verkaufsschlager geworden – wir wurden sowohl von Kindern als auch von Eltern immer wieder gefragt, wie viel wir dafür verlangen würden.
Zum Glück hatte Samuel seine Schnitzsachen und auch schon fertig gebastelte „Pfeil und Bogen“ - Sets mitgenommen und die beiden anderen bauten immer wieder kleine Kunstwerke aus den mitgebrachten Holzbausteinen auf. das war für die meisten Kinder längerfristig dann doch interessanter als die vereinsamte „Hotwheel“-Bahn. Samuels Eigenproduktionen ernteten teilweise große Bewunderung und wir hörten immer wieder Kommentare wie: „Schau, der Bub da kann schnitzen!“
Einige Male war ich versucht anzumerken, dass prinzipiell jedes Kind schnitzen kann, wenn man ihm alters entsprechend dazu die Möglichkeit gibt und passendes Werkzeug zur Verfügung stellt. (Auch Leo und Marlene „können“ schnitzen!)
Mir wurde wieder einmal bewusst, dass die Fähigkeit von Kindern, sich mit und in der Natur zu beschäftigen, (nachwachsende!) Materialien aus der Natur kreativ zu nutzen und entsprechend achtsam damit umzugehen ganz entscheidend davon abhängt, ob sie Natur in ihrem Alltag überhaupt noch erleben können.
In solchen Momenten empfinde ich Glück und Dankbarkeit, dass unsere Kinder immer die Möglichkeit hatten, mit Sand, Steinen, Erde, Laub, Wasser und Holz zu spielen, Staudämme zu bauen, Lager im Wald zu errichten, Lagerfeuer zu heizen , Steckerlbrot zu braten….usw.
Vielleicht ist das ja die Antwort auf eine der häufigsten Fragen während unseres Experiments: „Wie geht es denn bloß den Kindern dabei?“
Denn obwohl unsere Kinder nicht Besitzer von Handys, Computerspielen, Fernsehapparaten oder Gameboys sind (was vor dem Experiment auch nicht anders war), hatten (und haben) sie mehr als genug Spielsachen und sie wurden auch nicht genötigt, irgendetwas davon herzugeben. Zum Glück hatten sie aber auch schon genug Möglichkeiten, zu erleben, dass man das meiste davon oft eigentlich gar nicht braucht, um gut spielen zu können. Wer schon einmal beobachtet hat, wie ruhig, entspannt und konzentriert sich Kinder in der Natur ohne jegliches (Plastik-)Spielzeug beschäftigen können, wird verstehen, was ich meine. Für mich ist das jedenfalls immer wieder ein besonderes Glücksgefühl und Stübing ist ein Ort, wo man das auch als erwachsener Mensch noch sehr gut spüren kann. (Vielleicht hat das ja auch ein bisschen damit zu tun, dass es dort kaum Handyempfang gibt!)
Wir haben an diesem Aktionstag sehr viel Zuspruch und Anerkennung erhalten, viele BesucherInnen haben sich mit ihrer Mailadresse eingetragen, um die aktuelle Liste mit den „plastikfreien Einkaufstipps“ zugeschickt zu bekommen und zwischendurch hatten wir auch die Gelegenheit, den anderen Ständen einen Besuch abzustatten:
Wir konnten wunderbares altes Handwerk und alte Fertigkeiten (Drechseln, Klöppeln, Filzen, Heubinden, Sensenmähen, Schnitzen,….) beobachten, es gab alte Pflanzensorten und Tierarten, ein reichhaltiges Angebot an biologisch erzeugten Lebensmitteln, Säften, Wein,…Naturkosmetik , kompostierbare Blumentöpfe (siehe www.plantobio.com) aus Holzfaser und vieles mehr.
Doch am meisten haben mich die Menschen beeindruckt, die hinter all dem stehen, Menschen, denen die Freude über das was sie tun oder erzeugen ins Gesicht geschrieben steht, die ihre Sache mit Selbstvertrauen und Überzeugung vertreten, auch wenn der Mainstream (noch) in eine andere Richtung geht.
Die hier gezeigten Techniken und Produktionsmethoden kommen größtenteils ohne Kunststoff aus, sie sind nachhaltig durch die verwendeten Materialien und deren spezielle Qualität und sind im „Einklang mit der Natur“, weil Menschen, die mit Liebe und Überzeugung arbeiten, dabei nicht ausbeuten oder zerstören.
In den Gesprächen dieses Tages wurden wir immer als „Vorbilder“ bezeichnet und ich fühlte mich ebenfalls von Vorbildern umgeben. Diese Resonanz, dieses sich gegenseitig Bestärken von Menschen, die an einen besseren Umgang mit dieser Welt glauben und in ihrem persönlichen Umfeld einfach damit angefangen haben, das ist für mich der Ansporn und die Motivation, im teilweise doch recht ernüchternden Alltag, meinen Überzeugungen so gut es geht treu zu bleiben und sicher mit ein Grund, warum aus unserem Experiment ein neuer Lebensstil entstanden ist.
Vielleicht besteht „die Kunst, nachhaltig zu leben“ heutzutage genau darin, „altes Wissen“ wieder zu entdecken (was wir auch in unserem Experiment oft erlebt haben) und mit den technischen Errungenschaften unserer zeit so zu kombinieren, dass wir uns wieder als sinnvollen Teil der Natur und nicht als ihren zerstörenden Beherrscher erleben.
Dafür war dieser tag in Stübing jedenfalls ein wunderbares Symbol und wie es eine Bäuerin, mit der ich mich unterhalten habe so schön ausgedrückt hat: „Jeder Funke, der in einem Gespräch überspringt, ist es wert, viele weitere zu führen!“
Ich hoffe, dass an diesem Tag wieder viele Funken übergesprungen sind.
PS.: Für alle, denen die letzten Zeilen ein wenig zu pathetisch waren noch ein nettes Plastikschmankerl zum Abschluss:
Gegen Ende des Nachmittags, sah ich einen Mann sehr interessiert in unserer Tupperwareauswahl herumstöbern. Schließlich kam er mit einer, von mir niemals benutzten 3-teiligen Tupperwarepuddingform (in 3 verschiedenen Grüntönen) zu mir und fragt, wie viel ich dafür verlangen würde. Als ich ihm erklärte, dass wir diese Dinge hier nicht verkaufen würden, meinte er:“ Jetzt muss ich mich wohl outen: Ich bin Tuppervertreter und dieses Stück fehlt mir in meiner Sammlung. Man bekommt es normalerweise nicht mehr.“
Nachdem ich mich vom Lachen erholt hatte, konnte ich ihm also wirklich ganz ohne schlechtes Gewissen die Puddingform schenken. Schade, dass nicht alle unsere Plastikstücke so exklusiv sind!
Plastikfreie Kleidung – Eine Familienherausforderung
Das Thema Bekleidung ist ein gutes Beispiel dafür, dass es nicht bei „plastikfrei“ bleibt, wenn man ernsthaft nach umwelt – und gesundheitsverträglichen Alternativen sucht.
Speziell im Bereich Sport- und Freizeitbekleidung sind plastikfreie Varianten äußerst rar (das gute alte Baumwollshirt ist da irgendwie abhanden gekommen), aber bei Billigware, muss man sich, auch wenn es sich um Naturfasern handelt, doch noch ein paar andere Fragen stellen.
Einige davon sind mir, gerade weil ich früher immer wieder zu textilen „Schnäppchen“ gegriffen habe, in letzter Zeit verstärkt durch den Kopf gegangen.
Wer verdient eigentlich an einem Baumwollleiberl, das 2 € kostet? Wo kommt es her?
Wie wird die Baumwolle dort angebaut? Welche Mittel werden dabei eingesetzt? Unter welchen Umständen und mit welchen Zusatzstoffen wird so etwas produziert?
Nach allem, was ich in den letzten Monaten über Plastik gelernt habe und mit all diesen Fragen im Hinterkopf hat sich die Freude am Kleiderkaufen in den letzten Monaten bei mir eher in Grenzen gehalten. Was übrigens ein nicht unwesentlicher Beitrag zu unserer positiven Haushaltsbudgetbilanz seit Beginn des Experiments sein dürfte.
Die Tatsache, dass ich mit dem Inhalt meines Kleiderschranks (gleich bleibende Kleidergröße vorausgesetzt) sicher problemlos die nächsten Jahre auskommen könnte, erleichtert diese Konsumverweigerung natürlich.
Nichts desto Trotz: Hin und wieder muss oder möchte man sich mal was zum Anziehen kaufen und unsere Kinder brauchen schon alleine wachstumsbedingt alle paar Monate „neue“ Sachen. „Neu“ ist in diesem Fall allerdings ein dehnbarer Begriff. Ich versuche nämlich schon seit längerem, keine Kleidung neu zu kaufen, bei der ich zumindest den begründeten Verdacht habe, dass sie unter unmenschlichen Arbeitsbedingungen und mit Umwelt schädigenden Produktionsmethoden hergestellt wird. Speziell Billigprodukte aus China, Indien,…usw. fallen damit also für gewöhnlich weg. Das hat allerdings nicht nur „weltverbesserische“ Gründe – sondern ich will einfach auch nicht, dass unsere Kinder und wir selbst Kleidung tragen, die Chemikalien und Farbstoffe in unkontrollierter (und wahrscheinlich auch unkontrollierbarer) Menge und Vielfalt enthält und wahrscheinlich extra noch mal chemisch behandelt werden musste, um die langen Transportwege heil zu überstehen. Für mich ist das wieder einmal so eine unnötige „Quelle der Ungesundheit“, die man im Grunde relativ einfach vermeiden oder zumindest drastisch reduzieren kann.
Speziell bei Kinderkleidung haben wir zum Glück schon seit jeher eine für uns perfekte Alternative gefunden: Wir tauschen, schenken weiter und bekommen geschenkt!
Einerseits ist das eine sehr nachhaltige Methode, da Kindergewand (vor allem bis zu einem gewissen Alter) ja meistens zu klein wird, bevor es wirklich „aufgebraucht“ ist. Unser jüngster Sohn Leonard, hatte tatsächlich schon Kleidungsstücke, die vor ihm schon 4 bis 5 Kinder getragen hatten, die immer noch völlig in Ordnung waren, nachdem sie ihm zu klein geworden waren und somit an jüngere Kinder in unserem Freundeskreis weitergegeben werden konnten.
Abgesehen davon ist es eine äußerst günstige bzw. kostenlose Variante und für mich ist es ein gutes Gefühl, dass aus den gebrauchten Kleidungsstücken sicher schon ein Großteil der Schadstoffe heraus gewaschen ist.
Es zahlt sich meiner Meinung nach also in jeder Hinsicht aus im Freundes- und Bekanntenkreis ein solches System der „Kleiderweitergabe und – Verwertung“ zu initiieren.
Unsere Kinder haben jedenfalls nach wie vor Freude am Durchstöbern der bunten Kleiderberge. Überzählige Stücke mustere ich aus und bringe sie in Secondhandshops. Flohmärkte und Secondhandshops sind im Übrigen auch ein guter Tipp für diejenigen, die sonst keine Möglichkeit zum Weitergeben oder Tauschen von Kleidung haben.
Ein weiterer großer Vorteil an dieser Geld- und Ressourcen schonenden Alternative besteht darin, dass man beim Kauf von wirklich neuen Produkten durchaus mehr Geld ausgeben und auf gute (plastikfreie!) Qualität und nachhaltige Produktionsmethoden achten kann.
Bei Schuhen sowie Alltags- und Kinderkleidung gibt es nämlich schon recht viele Firmen, die sich auf Naturmaterialien (teilweise sogar aus biologischer Erzeugung) und schonende Verarbeitungsmethoden spezialisiert haben (siehe Alternativprodukte).
Aber auch bei Sport- und Funktionskleidung habe ich Alternativen gefunden.
Das Funktionsshirt aus spezieller Merinoschafwolle, das Peter heuer zu Weihnachten bekommen hat, stammt aus einem kleinen Spezialgeschäft für Bergsport und Campingartikel, aber ich habe mittlerweile auch in der Sportabteilung von größeren Kaufhäusern ähnliche Artikel gefunden.
Die zugegebener Maßen nicht ganz billige Investition hat sich auf jeden Fall gelohnt und zwar nicht nur deshalb, weil Peter jemand ist, der Kleidungsstücke wirklich buchstäblich restlos aufbraucht.
Das Shirt ist angenehm auf der Haut, lädt sich nicht statisch auf und vor allem: Es stinkt nicht!! Und zwar auch nach mehrmaliger intensiver Verwendung nicht, wenn man es nach dem Gebrauch eine Zeit lang auslüftet.
Ein wirklich sehr entscheidender Vorteil zu der sehr gebräuchlichen „Plastikfunktionswäsche“, die in manchen Discountmärkten zu allem Überfluss auch noch in Plastik verpackt angeboten wird!
Putzen und Waschen, Teil 3
Heute geht es um die wirklich „harten Brocken“ dieses umfassenden Themas.
Die Problematik des Geschirrspülens beschäftigt mich im Grunde genommen schon seit meiner Kindheit. Damals (meine Eltern hatten wie viele Leute zu dieser Zeit noch keinen Geschirrspüler) gab es beinahe täglich Diskussionen darüber, wer für den nächsten Abwasch zuständig sei. Trotz aller Versuche meiner Eltern, eine gerechte Reglung für mich und meine Schwester einzuführen, schafften wir es doch regelmäßig, die ungeliebte Tätigkeit wieder unserer Mutter zuzuschanzen. (Dass Männer auch die Fähigkeit haben, Geschirr zu spülen, war in den späten 70er Jahren offenbar noch nicht bekannt!). Jedenfalls habe ich mir schon damals fest vorgenommen, dass ich mich später einmal nicht so einfach von meinen Kindern und meinem Mann austricksen lassen würde.
Seit wir nun selber Kinder haben, haben wir allerdings auch einen Geschirrspüler, ein äußerst praktisches Gerät, das aber in letzter Zeit für mich ein wenig von seinem Glanz verloren hat. Nicht nur, dass sein Innenleben zum Großteil aus Plastik besteht, was in Verbindung mit heißem Wasser und „scharfen“ Spülmitteln bestimmt keine gesunde Mischung ergibt. Die allseits beliebten Geschirrspülertabs sind auch noch einzeln in Plastikfolie verpackt!
Seltsamerweise habe ich mich im Zuge der Recherchen für unser Experiment zum ersten Mal gefragt, warum diese Tabs eigentlich noch eine extra Hülle brauchen. Wenn man die Inhaltsangabe diverser Produkte allerdings einmal durchliest, fällt die Antwort darauf nicht schwer. Das Zeug ist derartig „giftig“ (vor allem Haut reizend), dass man es eben möglichst nicht direkt berühren sollte.
Auf der Suche nach Alternativen dachte ich anfangs, recht schnell fündig geworden zu sein. Eine DM Eigenmarke mit wasserlöslicher Folie schien die Lösung des Problems zu sein. Bei genauerem Nachfragen (Produktinformation der Firma!) stellte sich jedoch heraus, dass die lösliche Folie aus Polyvenylalkohol besteht - also aus Plastik. Ich fand es trotz der unleugbaren Müllreduktion nicht sehr befriedigend unser Geschirr noch zusätzlich mit Plastik zu umspülen.
Ein weiterer Nachteil dieses Produkts war, dass es mir durch die Zähigkeit der Folie nicht mehr gelang, die Tabs in der Mitte durchzubrechen und nur jeweils die Hälfte pro Waschgang zu verwenden, was sich in der letzten Zeit davor sehr bewährt hatte.
Ich machte mich also zunächst recht zuversichtlich auf die Suche nach einem plastikfrei verpackten Mittel in Pulverform, was ja bei Waschmittel für die Wäsche recht einfach zu finden gewesen war.
Ein "Plastikgesetz" aus hygienischen Gründen?
Doch für Geschirrspülermittel gelten offenbar andere Gesetze. Trotz intensiver Suche (in Bioläden, Reformhäusern und Internet) ist es mir bisher nicht gelungen, ein Mittel zu finden, das unter der Kartonverpackung NICHT in Plastik verpackt ist. Ich begann in den Geschäften nach einer logischen Erklärung für diesen Umstand nachzufragen und bekam nach einigen erfolglosen Wochen in einem Bioladen in Graz folgende Auskunft: Es gibt offenbar eine Verordnung, die besagt, dass Mittel, die im Lebensmittelbereich eingesetzt werden, aus „hygienischen“ Gründen in Plastik verpackt werden müssen.
Obwohl es mir zu mühsam war diese Behauptung im Detail zu überprüfen, musste ich mich schließlich jedenfalls damit abfinden, dass hier keine plastikfreie Alternative zu finden ist.
Wer hat sich das nur ausgedacht? Wir waschen unser Geschirr mit Chemikalien, die so giftig sind, dass sie unsere Haut nicht berühren sollten und müssen diese gleichzeitig vor – wie auch immer gearteten – Verunreinigungen von außen mit Hilfe von Plastik schützen, damit diese (Verunreinigungen!) nicht über den Umweg des Geschirrspülens mit unseren Lebensmitteln in Berührung kommen? Eigentlich kann ich immer noch nicht glauben, dass das der tatsächliche Grund für die Unerlässlichkeit der Plastikhüllen sein soll. Vielleicht kann mir ja doch noch jemand eine schlüssigere Erklärung liefern.
Nun aber zur „Lösung“, die in diesem Fall ein Kompromiss ist:
Da unser Versuch, auf den Geschirrspüler gänzlich zu verzichten und stattdessen mit, auf dem Tischherd erwärmten Wasser händisch abzuwaschen, nach einigen Tagen abgebrochen werden musste (es fehlte hier einfach der Spaßfaktor), habe ich mich schlussendlich für ein pulverförmiges, phosphat- und chlorfreies Mittel der Firma Almawin entschieden. Dieses ist zwar auch in die obligate Plastikinnenhülle verpackt, hat aber weniger bedenkliche Inhaltsstoffe und kann äußerst sparsam angewendet werden.
Für das teilweise unvermeidliche Spülen mit der Hand lasse ich mir im Bioladen ein Mittel aus dem Großkanister (aus Plastik) in eine mitgebrachte Flasche abfüllen. Zuhause fülle ich das Mittel mit Hilfe eines Trichters in einen Seifenspender um. Man kann mit dem Seifenspender einfach viel sparsamer dosieren, als mit den sonst üblichen Plastikflaschen und dadurch hat sich der Verbrauch an Geschirrspülmittel bei uns drastisch reduziert. Und es gibt natürlich keine Plastikflaschen mehr, die entsorgt werden müssen.
Das ist eine wirklich einfache, sinnvolle und kostengünstige Lösung, die ich vorbehaltlos zur Nachahmung empfehlen kann. Wir kommen nun schon seit Oktober des Vorjahres mit einem Liter aus (also fast sieben Monate) und ich schätze, es wird noch sicher weitere zwei Monate reichen. Und einmal pro Dreivierteljahr hat wahrscheinlich fast jeder Mensch Gelegenheit, in einem Bioladen offenes Geschirrspülmittel zu kaufen (In Graz z.B. in der Kornwaage)
Neues Einsatzgebiet für einen alten Bekannten
Was das restliche „Werkzeug“ beim Geschirrspülen anbelangt, haben wir ebenfalls eine plastikfreie und sehr kostengünstige Variante entdeckt. Wir verwenden dafür jetzt Frottewaschlappen. Alle paar Tage werden sie einfach mit der Wäsche mitgewaschen. Das erspart uns die ständig stinkenden „Wettex“ und ähnliche Wegwerfprodukte. Wir sparen also in diesem Fall wieder einmal Geld, Müll und zusätzlich noch Gestank ein. Ich glaube, das ist eine „Win-win-win-Situation“ !
Hygienisch, praktisch, gut
Hygiene soll laut einer Definition der Deutschen Gesellschaft für Hygiene und Mikrobiologie der „Verhinderung von Krankheiten und der Erhaltung und Festigung der Gesundheit“ dienen.
Wenn man heutzutage über Aufbewahrung, Transport und Verarbeitung von Lebensmitteln nachdenkt, kommt man an Plastik nicht vorbei und eines der Hauptargumente dafür ist die Hygiene, wie eine gerade aktuelle Debatte über Schneidbretter in einigen Bioläden in Graz zeigt.
Kunststoff ist erlaubt – Holz nicht!
Nun mag es durchaus sein, dass Holz nicht in allen Bereichen der Lebensmittelverarbeitung optimale Eigenschaften besitzt. Dennoch ist es mir angesichts der Erkenntnisse über die möglichen Inhaltsstoffe von Kunststoffen und deren gesundheitsschädigenden Eigenschaften schleierhaft, warum es Bestimmungen gibt, die gerade dieses Material als das Non plus Ultra im Bereich der Lebensmittelverarbeitung quasi „zwangsverordnen“!
Chemikalien in Kunststoffen können krebserregend sein, unser Hormonsystem beeinflussen, die Fruchtbarkeit beeinträchtigen,… und es werden in der EU bis zu 10000 verschiedene Chemikalien verwendet, von denen man keine Ahnung hat, was sie noch alles bewirken. Dennoch glaubt der Gesetzgeber, dass Kunststoff für die Erhaltung unserer Gesundheit besser ist, als z.B. Holz.
Das erscheint mir irgendwie nicht ganz logisch. Schließlich gibt es ja abgesehen von Holz auch noch andere Materialien wie Glas oder Stein, die sich zumindest aus meiner laienhaften Sicht absolut zum Schneiden von Lebensmitteln eigenen müssten und zwar ohne möglich gesundheitliche Nebenwirkungen.
Es stellt sich für mich also wirklich die Frage, warum hier einem Material, das durchaus auch zweifelhafte Eigenschaften in punkto Gesundheitsgefährdung besitzt, so eindeutig der Vorzug gegeben wird.
Ein Plastikbrett kommt nicht ins Haus!
Für unseren häuslichen Bedarf waren Holzbretter bisher jedenfalls absolut geeignet und ich konnte auch keine hygienischen Probleme damit feststellen. Meines Erachtens ist (besonders im Umgang mit Fleisch) vor allem die sofortige und sorgfältige Reinigung für die Hygiene entscheidend.
Ersetzen würde ich die Bretter nach meinem jetzigen Wissensstand eventuell durch Stein oder Glas. Auch Bambusbretter sollen sich sehr gut eignen (unbedingt auf FSC-Siegel achten!). Aber bei Plastik hätte ich das unangenehme Gefühl, vom „Regen in die Traufe“ zu kommen.
Putzen und Waschen (Teil 2)
Die eifrige Waschmitteldiskussion der letzten Tage hat mich veranlasst, endlich den zweiten Teil des (von mir eher ungeliebten) Putz- und Waschthemas zu schreiben. Nun ja, man schreibt eben lieber über Dinge, die einem Spaß machen… Nichts desto trotz ist das Thema „Waschen“ in einer fünfköpfigen Familie wie unserer einfach ein „Dauerbrenner“.
Wäscheberge
Unsere Kinder haben relativ viel - dafür aber hauptsächlich gebrauche – Kleidung, die wir in erster Linie von Freunden und Bekannten geschenkt bekommen. Das hat den Vorteil, dass wir extrem wenig Geld für Kinderkleidung ausgeben und diverse Schadstoffe aus den Kleidungsstücken schon vorher ziemlich herausgewaschen sein dürften. Ich habe also das gute Gefühl, dass unsere Kinder relativ „gesunde“ Kleidung tragen, auch wenn nicht alles aus Biobaumwolle besteht.
Der Nachteil der großen Kleidungsauswahl ist allerdings, dass die Kinder zu einem sehr inflationären Umgang mit ihren Sachen neigen. Nach meiner Erfahrung ziehen sich Kinder prinzipiell gerne um, und die Aufforderung Kleidungsstücke wieder wegzuräumen führt ohne entsprechende Kontrolle meist dazu, dass Berge von maximal einmal getragenen Stücken in der Schmutzwäsche landen. Dass „Wäschesparen“ etwas mit Umweltschutz zu tun hat, gehört zur Bewusstseinsbildung und in diesem Fall natürlich zur Erziehung der Kinder . Die bisher effizienteste Art, ihnen das Wäschesparen beizubringen, ist das „selber Wegräumen“ der Wäsche . Trotz anfänglicher Proteste und des Vorwurfs der „Kinderarbeit“, hat diese Maßnahme tatsächlich zu einer deutlichen Schmutzwäscheersparnis geführt und ich kann sie daher bedenkenlos weiterempfehlen.
Dennoch bleibt natürlich immer noch eine recht stattliche Menge an Schmutzwäsche übrig. Unsere Waschmaschine läuft im Schnitt sicher fünf- bis sechsmal pro Woche. Um es gleich vorweg zu nehmen: Die wenig neue und doch so effiziente Erkenntnis im Umgang mit Waschmitteln lautet wie schon so oft – weniger verwenden!!
Ich habe bisher hauptsächlich flüssige Waschmittel verwendet, die es natürlich nur in Plastikflaschen gibt. Als Weichspüler bzw. Wasserenthärter verwende ich schon seit Jahren Essig, was einwandfrei funktioniert, günstig ist und auch der Waschmaschine bisher absolut nicht geschadet hat.
Plastikfreie und umweltschonende Alternativen, die ich ausprobiert habe, sind unter anderem Waschnüsse, Seifenflocken und Ökowaschmittel der Fa. Ecovert, Sonett und Almawin, wobei es von Sonett auch ein aus dem Großkanister nachfüllbares Flüssigwaschmittel gibt (im Bioladen). All diese Mittel sind meiner Meinung nach sowohl unserer Gesundheit, als auch unserer Umwelt weitaus zuträglicher als herkömmliche Waschmittel (die Phosphate, Chlor, …usw. enthalten). Und egal ob man Seifenflocken oder Waschnüsse offen kauft oder Ökowaschmittel aus der Kartonbox verwendet: Man vermeidet auf jeden Fall große Mengen an Plastikmüll.
Amtlich bestätigt!
Zum Thema Wäschewaschen habe ich übrigens auch einen Mediziner vom Bundesumweltamt befragt. Seine Aussage dazu war genauso klar wie einfach: Ein mildes Waschmittel (möglichst auf Seifenbasis) in der geringsten möglichen Dosierung verwenden. Seines Erachtens werden Waschmittel prinzipiell überdosiert, was nicht nur der Umwelt schadet, sondern auch für Haut- und sonstige gesundheitliche Probleme verantwortlich sein kann.
Ich persönlich bin jedenfalls mit der „Waschleistung“ meines gering dosierten Ökowaschmittels ausgesprochen zufrieden, zumal ich – wie schon in „Waschen und Putzen Teil 1“ erwähnt – auch vorher nie ein Wunderwaschmittel gefunden habe, das alle Flecken immer restlos entfernt hat.
Und es ist wirklich ein gutes Gefühl, in diesem doch so wichtigen Bereich des Haushalts kaum mehr Müll zu produzieren.
Fortsetzung folgt!
